VanEck Semiconductor ETF: 6,88-Prozent-Sprung
Chip-ETF verzeichnet stärksten Tagesanstieg seit April 2025, getrieben von Microsofts Cloud-Wachstum und positiven Halbleiter-Meldungen.

Kurz zusammengefasst
- Stärkster Tagesgewinn seit April 2025
- Microsoft-Aktie springt um 15,5 Prozent
- Lam Research meldet Rekordmarge
- Speicherknappheit bis 2028 erwartet
Der VanEck Semiconductor ETF hat am Donnerstag einen der kräftigsten Tagesgewinne seiner jüngeren Geschichte verzeichnet. Der Fonds, der die Wertentwicklung des breiten Chipsektors abbildet, schloss bei 538,90 US-Dollar und legte damit gegenüber dem Vortagesschluss von 504,22 US-Dollar um 6,88 Prozent zu. Es war die stärkste Tagesbewegung seit April 2025 – ein Signal, dass die Anleger nach Wochen der Verunsicherung wieder Vertrauen in die Chipbranche fassen.
Auslöser der Rally waren die Quartalszahlen von Microsoft. Der Softwarekonzern legte um 15,51 Prozent zu, seinen größten Tagesgewinn seit 2008, und steigerte seine Marktkapitalisierung um 450 Milliarden US-Dollar an einem einzigen Handelstag. Die Cloud-Sparte Azure wuchs um 43 Prozent, der Jahresumsatz überstieg erstmals 100 Milliarden US-Dollar. Auch der Ausrüstungshersteller Lam Research beflügelte die Stimmung: Der Kurs sprang um 18 Prozent, den stärksten Satz seit 1999, nachdem das Unternehmen eine Bruttomarge von 52 Prozent gemeldet hatte, den höchsten Wert seit 20 Jahren. Chipdesigner Arm rechnet nach eigenen Angaben für 2027 und 2028 mit einer Nachfrage von über zwei Milliarden US-Dollar für seine KI-Prozessoren. Speicherchip-Hersteller Samsung warnte zudem vor einer Speicherknappheit bis 2028, was Micron und SanDisk zusätzlich beflügelte.
Vom Ausverkauf zur Erholung
Die Rally kam nicht aus dem Nichts, sondern folgte auf einen heftigen Absturz. Der Philadelphia Semiconductor Index war zuvor um mehr als 20 Prozent von seinem Hoch Ende Juni gefallen und damit formal in einen Bärenmarkt gerutscht, das iShares-Pendant zum Sektor verlor im Juli rund 21 Prozent. Privatanleger hatten in diesem Zug den größten Einzeltag-Verkaufsdruck bei Aktien seit Beginn der Corona-Pandemie ausgelöst, konzentriert vor allem auf Speicherchip-Titel wie Micron. Analysten von Goldman Sachs verwiesen auf einen Abbau überfüllter KI-Positionen im Markt und warnten, die aktuelle Erholung könne sich als Falle erweisen, sollte die zugrunde liegende Nachfrage nicht tragen.
Volatilität hält an
Bereits am heutigen Freitag zeigt sich, wie schnell sich das Bild wieder drehen kann: Speicherchip-Werte wie SK Hynix, Micron und SanDisk gaben erneut nach. SK Hynix meldete zwar einen Rekordgewinn im zweiten Quartal, verfehlte damit aber die Erwartungen, die Aktie fiel um 13 Prozent. Zusätzlich belastet der Börsengang des chinesischen Speicherherstellers CXMT die Stimmung, da er Sorgen vor einem Überangebot am Markt schürt. Die Frage, wie nachhaltig die Investitionen der Hyperscaler in KI-Infrastruktur tatsächlich sind, bleibt damit der zentrale Unsicherheitsfaktor für den gesamten Sektor.
Zur ohnehin hohen Nervosität trägt auch ein Erdbeben der Stärke 7,1 bei, das am Dienstag die japanische Region Kyushu erschütterte und dort ansässige Chipfabriken zeitweise lahmlegte. Renesas nahm die Produktion in seinem Werk Nishiki bereits am Mittwochabend wieder auf, die Anlage in Kawashiri soll erst am 5. August folgen. Auch TSMCs Werk JASM lief bereits wieder an. Ein länger andauernder Produktionsausfall in der als „Silicon Island“ bekannten Region könnte die globalen Lieferketten zusätzlich belasten.
Für Anleger im VanEck Semiconductor ETF bleibt die Gemengelage entsprechend zweischneidig. Nach eigener Einschätzung von VanEck macht der Halbleitersektor mittlerweile rund 42 Prozent des Technologiesektors und etwa 20 Prozent des S&P 500 aus – der Fonds gilt damit als einer der sensibelsten Gradmesser für das Vertrauen in die KI-Investitionswelle. Der Sprung vom Donnerstag zeigt, wie schnell sich Stimmung und Kurse drehen können, sobald einzelne Schwergewichte wie Microsoft oder Lam Research überraschen. Die erneuten Verluste bei Speicherchip-Werten am Freitag belegen zugleich, dass die zugrunde liegende Skepsis über die Tragfähigkeit der KI-Ausgaben noch nicht ausgeräumt ist.
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