Vanguard FTSE All-World: 18,2 Mrd Dollar Zuflüsse
BlackRock und DWS bieten den FTSE-All-World-ETF günstiger an, während Vanguard weiter hohe Zuflüsse verzeichnet und die Aktie nahe dem Jahreshoch bleibt.
Kurz zusammengefasst
- BlackRock und DWS unterbieten Vanguard
- Vanguard sammelt 18,2 Milliarden Dollar
- ETF notiert nahe dem 52-Wochen-Hoch
- Weitere Vanguard-Preissenkung bleibt offen
Der Wettbewerb um Europas beliebtesten Aktien-ETF verschärft sich. BlackRock und DWS haben in den vergangenen Monaten Produkte aufgelegt, die denselben FTSE-All-World-Index abbilden wie der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF – und das mit einer Gesamtkostenquote von jeweils 0,12 Prozent. Das unterbietet Vanguards jüngst gesenkte Kostenquote von 0,14 Prozent weiter und stellt die jahrelange Preisführerschaft des Fonds erstmals ernsthaft infrage.
Zuflüsse trotz neuer Konkurrenz ungebrochen
Von einer Kundenflucht ist bislang jedoch nichts zu spüren. Medienberichten zufolge hat der Vanguard-ETF seit Jahresbeginn rund 18,2 Milliarden Dollar an neuen Mitteln eingesammelt und ist damit der Fonds mit den höchsten Nettozuflüssen unter allen europäischen Einzel-ETFs.
Vanguard selbst bezifferte die Zuflüsse Ende Juli auf über 16 Milliarden Dollar und wies ein verwaltetes Vermögen von 76,8 Milliarden Dollar aus – Werte, die den Fonds nach eigenen Angaben zum größten FTSE-All-World-Produkt Europas machen.
Diese Diskrepanz zwischen wachsendem Konkurrenzdruck und ungebrochenem Anlegerinteresse lässt sich mit Größe und Historie erklären. Wer bereits seit Jahren in den Fonds investiert, dürfte kaum wegen eines Kostenunterschieds von zwei Basispunkten umschichten – Umschichtungen sind bei thesaurierenden Fonds oft mit steuerlichen Nachteilen verbunden. Neue Anlegergelder könnten sich künftig jedoch stärker auf die günstigeren Alternativen verteilen.
Kursentwicklung bleibt robust
Am Kursverlauf hat der aufkeimende Gebührenwettbewerb bislang nichts geändert. Der ETF schloss am Freitag bei 167,80 Euro und notiert damit nur 1,4 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 170,24 Euro, das am 13. August erreicht wurde.
Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Plus von 23 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 15 Prozent. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 154,34 Euro liegt bei 8,7 Prozent, was auf einen intakten mittelfristigen Aufwärtstrend hindeutet.
Preisspirale bei europäischen Indexfonds
Der Vorstoß von BlackRock und DWS reiht sich in eine branchenweite Entwicklung ein. Vanguard hatte die Kostenquote seines Flaggschiff-ETF bereits im vergangenen Oktober von 0,22 auf 0,19 Prozent gesenkt und Ende Juli ein weiteres Mal auf 0,14 Prozent reduziert – ein Rückgang von insgesamt 36,4 Prozent innerhalb von weniger als einem Jahr.
Für die gehedgte Anteilsklasse sank die Kostenquote im selben Zug von 0,22 auf 0,17 Prozent. Über die gesamte europäische Aktien- und Anleihe-ETF-Palette hinweg gibt Vanguard die durchschnittliche, vermögensgewichtete Kostenquote inzwischen mit 0,11 Prozent an.
Für Anleger bedeutet der neu entfachte Wettbewerb vor allem eines: Die ohnehin schon niedrigen Kosten passiver Weltportfolios dürften weiter sinken. Ob Vanguard auf die 0,12-Prozent-Marke der Konkurrenz reagiert, ist offen. Angesichts der enormen Größe des Fonds und der damit verbundenen Skaleneffekte erscheint ein weiterer Schritt jedoch nicht ausgeschlossen.
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