Vattenfall setzt auf Rolls-Royce, ABB nahe Rekordhoch — Alstom und 2020 Bulkers kämpfen

Rolls-Royce erhält dritten europäischen SMR-Auftrag. ABB und Prysmian profitieren vom Datencenter-Boom, während Alstom und 2020 Bulkers mit Gegenwind kämpfen.

Felix Baarz ·
ABB Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rolls-Royce erhält SMR-Auftrag von Vattenfall
  • ABB-Aktie nähert sich dem Rekordhoch
  • Prysmian mit UNICEF-Partnerschaft und Streik
  • Alstom und 2020 Bulkers unter Druck

Schweden baut erstmals seit über 40 Jahren neue Kernreaktoren. Den Zuschlag für das Milliardenprojekt erhielt nicht etwa ein US-Konzern, sondern Rolls-Royce — und untermauert damit seinen Führungsanspruch bei kleinen modularen Reaktoren in Europa. Gleichzeitig zeigt sich im Industriesektor eine deutliche Zweiteilung: Während ABB und Prysmian von Datencenter-Boom und Elektrifizierung profitieren, lasten auf Alstom Fertigungsprobleme und auf 2020 Bulkers ein Überangebot im Frachtmarkt.

Rolls-Royce: Dritter europäischer SMR-Vertrag besiegelt

Vattenfall hat Rolls-Royce SMR für den Bau von drei kleinen modularen Reaktoren an der schwedischen Westküste auf der Värö-Halbinsel ausgewählt. Jede Einheit leistet 470 MW, zusammen sollen sie rund 12 TWh pro Jahr erzeugen. Die britische Regierung sprach von einem „Multi-Milliarden-Pfund-Deal“. US-Konkurrent GE Vernova ging leer aus.

Für Rolls-Royce ist es bereits der dritte große SMR-Erfolg in Europa — nach den Entscheidungen in Großbritannien und Tschechien. In jedem wettbewerblichen Auswahlverfahren auf dem Kontinent hat die Nuklearsparte bislang den Zuschlag erhalten. Ein erster Reaktor könnte Mitte der 2030er-Jahre ans Netz gehen.

Die Aktie notiert bei 16,22 € und hat allein in den vergangenen 30 Tagen rund 14,6 % zugelegt. Berenberg erhöhte das Kursziel auf 1.430 Pence und verwies auf stabile Flugstunden im Widebody-Segment sowie überlegene Flottenpositionierung gegenüber europäischen Wettbewerbern. Neben der Nuklearsparte profitiert Rolls-Royce von steigenden NATO-Verteidigungsbudgets und dem wachsenden Strombedarf durch KI-Datenzentren — drei Wachstumstreiber, die sich gegenseitig verstärken.

ABB: Rekordhoch in Sichtweite, Analysten bleiben zurückhaltend

ABB handelt bei 94,40 € und damit weniger als ein Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn hat die Aktie knapp 50 % zugelegt. Der Treiber hinter der Rally ist klar bezifferbar: Im ersten Quartal schossen die Auftragseingänge auf den Allzeithöchstwert von 11,3 Milliarden Dollar. Der Umsatz lag mit 8,7 Milliarden Dollar gut 18 % über Vorjahr und übertraf die Konsensschätzung deutlich.

Besonders das Segment Elektrifizierung sticht heraus. Bestellungen aus dem Datencenter-Bereich wuchsen dreistellig, der Auftragsbestand kletterte auf 11,5 Milliarden Dollar. ABB hob die Umsatzprognose für 2026 auf „hohes einstelliges bis niedriges zweistelliges“ Wachstum an.

Trotz dieser Dynamik überwiegt unter den 27 Analysten Zurückhaltung. Der Konsens lautet „Hold“, das durchschnittliche Kursziel liegt mit 73,31 CHF deutlich unter dem aktuellen Niveau. Der Markt hat die guten Nachrichten offenbar eingepreist. Am 16. Juli liefert der nächste Quartalsbericht Aufschluss darüber, ob das Datencenter-Momentum in Q2 angehalten hat.

Prysmian: UNICEF-Partnerschaft trifft auf Streik in Spanien

Prysmian verfolgt zwei Agenda-Punkte gleichzeitig — und die könnten unterschiedlicher kaum sein. Am Mittwoch verkündete der Kabelkonzern eine Partnerschaft mit UNICEFs Giga-Initiative, die bis 2030 jede Schule weltweit ans Internet anbinden will. Prysmian steuert seine Glasfaser-Expertise für ein einjähriges Pilotprojekt in Mexiko bei.

Parallel dazu legten Arbeiter im spanischen Werk Maliaño bei Santander die Arbeit nieder. Rund 140 Beschäftigte der Glasfaserkabel-Fertigung streikten wegen eines festgefahrenen Tarifkonflikts. Globale ESG-Ambitionen und lokale Arbeitskämpfe — dieser Widerspruch ist symptomatisch für große Industriekonzerne.

Finanziell steht Prysmian solide da. Wesentliche Kennzahlen im Überblick:

  • Umsatz 2025: 20,13 Milliarden Euro (+17,8 % gegenüber Vorjahr)
  • Q1 2026 EBITDA-Marge: 14,2 % — über den Erwartungen und 1,1 Prozentpunkte besser als im Vorjahr
  • Gewinnwachstum 2025: knapp 70 %

Die Aktie notiert bei 148,55 € und hat sich seit Jahresbeginn um 66 % verteuert. Jefferies sieht in der Sparte Digital Solutions einen zentralen Wachstumstreiber, gestützt durch steigende Glasfaserpreise und neue Nachfrage aus dem Datencenter- und Verteidigungssektor. Der Analysten-Konsens liegt bei „Buy“ mit einem Kursziel von 144,50 € — ein seltener Fall, in dem der aktuelle Kurs den Zielwert bereits überschritten hat. Die Ergebnisse am 30. Juli werden zeigen, ob sich die Preisdynamik bei Glasfaser in höheren Margen niederschlägt.

Alstom: Rekord-Auftragsbestand, aber die Umsetzung hakt

104,4 Milliarden Euro. So hoch ist Alstoms Auftragsbestand — eine beeindruckende Zahl, die allerdings eine Schattenseite hat. Fertigungsprobleme bei Schienenfahrzeugen kosteten im abgelaufenen Geschäftsjahr rund 100 Einheiten an Produktionsvolumen. Die Bruttomarge litt mit 13,3 % unter einem negativen Effekt von 110 Basispunkten.

Der Umsatz im Geschäftsjahr 2026 stieg moderat um 3,7 % auf 19,17 Milliarden Euro. Der Gewinn verdoppelte sich auf 280 Millionen Euro — ein Fortschritt, der aber vor dem Hintergrund der niedrigen Ausgangsbasis relativiert werden muss.

Die Aktie handelt bei 16,20 € und liegt damit rund 37 % unter ihrem Jahresanfangswert. Vom 52-Wochen-Hoch bei 30,19 € trennen sie mehr als 46 %. Der Analysten-Konsens lautet „Hold“ mit einem Kursziel von 21,89 € — rechnerisch gut 27 % über dem aktuellen Niveau. Morgan Stanley hat das Ziel kürzlich um 2 Euro angehoben, sieht aber weitere Meilensteine als Voraussetzung für eine Neubewertung.

Am 9. Juli steht die Hauptversammlung in Paris an. Für Aktionäre wird es die erste Gelegenheit, das Management direkt zur Turnaround-Strategie zu befragen.

2020 Bulkers: Extremer Dividendenertrag, extreme Skepsis

Die norwegische Reederei steckt mitten in einem der schwierigsten Frachtmarktumfelder seit Jahren. 2026 werden so viele Schiffe ausgeliefert wie seit sechs Jahren nicht mehr — rund 40 Millionen Tonnen Tragfähigkeit drängen auf den Markt. Schon 2025 waren die Frachtraten um rund 10 % eingebrochen. Eine Trendwende zeichnet sich nicht ab.

Die Aktie ist auf 3,73 NOK gefallen — ein Minus von über 26 % in nur einem Monat. Der RSI liegt bei 26, was auf eine technisch überverkaufte Situation hindeutet. Die Volatilität ist mit annualisiert knapp 139 % extrem hoch.

Die auf dem Papier stehende Dividendenrendite von über 400 % spiegelt nicht etwa Großzügigkeit wider, sondern die massive Skepsis des Marktes an der Nachhaltigkeit der Ausschüttungen. Mit acht Newcastlemax-Bulkern muss 2020 Bulkers in einem Überangebotsmarkt genügend Cashflow erwirtschaften, um überhaupt Dividenden zahlen zu können. Die Quartalszahlen am 26. August werden hier Klarheit schaffen.

Industriesektor im Zwei-Geschwindigkeiten-Modus

Die fünf Aktien zeichnen ein präzises Bild der aktuellen Sektorlandschaft:

  • Gewinner der Elektrifizierung und KI-Infrastruktur: ABB und Prysmian handeln nahe Mehrjahreshochs, befeuert durch Rekordaufträge aus dem Datencenter-Segment
  • Sonderstellung Nuklear-Renaissance: Rolls-Royce vereint Verteidigung, Luftfahrt-Erholung und SMR-Momentum — drei unkorrelierte Wachstumspfeiler
  • Exekutionsrisiken im Schienenverkehr: Alstoms Rekord-Backlog nützt wenig, solange die Fertigung nicht Schritt hält
  • Zyklischer Gegenwind: 2020 Bulkers leidet unter einem Angebotsschub, der die gesamte Trockenfrachtbranche belastet

Die Trennlinie verläuft klar entlang struktureller Wachstumstrends. Unternehmen mit Zugang zu den großen Investitionszyklen — KI, Energie, Verteidigung — werden vom Markt belohnt. Wer von Frachtzyklen oder Fertigungseffizienz abhängt, muss sich das Vertrauen der Anleger erst wieder verdienen.

Drei Termine, die den Sommer prägen

Für ABB wird der 16. Juli zum Stimmungstest: Hält das Datencenter-Momentum an, dürfte die Aktie neue Hochs markieren. Bei Alstom rückt die Hauptversammlung am 9. Juli ins Zentrum — Aktionäre erwarten konkrete Antworten zur Produktionseffizienz. Und Prysmians Quartalsbericht am 30. Juli wird zeigen, ob die gestiegenen Glasfaserpreise tatsächlich margenwirksam werden. Im Frachtmarkt bleibt der Druck hoch. Ob 2020 Bulkers die Dividende halten kann, entscheidet sich spätestens mit den August-Zahlen. Rolls-Royce hingegen dürfte auf weitere SMR-Aufträge hoffen — der europäische Nuklearmarkt steht erst am Anfang seiner Expansion.

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ABB Aktie

94,20 EUR

+ 3,80 EUR +4,20 %
KGV 40,46
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 1,41 %
Marktkapitalisierung 154,97 Mrd. EUR
ISIN: CH0012221716 WKN: 919730

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