Verbio Aktie: Gewinnsprung reicht nicht
Der Biokraftstoffhersteller kehrte in die Gewinnzone zurück, doch der EBITDA-Ausblick für 2026/27 blieb hinter den Markterwartungen.

Kurz zusammengefasst
- Nettogewinn erreicht 64 Millionen Euro
- Dividende von 0,20 Euro je Aktie
- EBITDA-Prognose unter Markterwartungen
- Verbio-Aktie verliert gut fünf Prozent
Eigentlich hat Verbio fast alles richtig gemacht. Der Leipziger Biokraftstoffhersteller kehrte im abgelaufenen Geschäftsjahr aus tiefroten Zahlen zurück in die Gewinnzone, zahlt wieder eine Dividende und meldet einen historischen Produktionsrekord. Trotzdem verkauften Anleger die Aktie am Donnerstag im zweistelligen Millionenvolumen — der Kurs fiel um gut fünf Prozent auf 30,08 Euro.
Der Grund liegt nicht in der Vergangenheit, sondern im Ausblick. Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 stellt Verbio ein EBITDA zwischen 210 und 250 Millionen Euro in Aussicht. Das ist zwar mehr als die knapp 194 Millionen Euro des Vorjahres, doch der Mittelwert der Spanne liegt nach Berechnungen von Jefferies-Analyst Constantin Hesse rund sieben Prozent unter den durchschnittlichen Markterwartungen. Nach einem Jahr mit dramatischer Erholung reicht offenbar „gut“ nicht mehr — der Markt hatte sich auf „sehr gut“ eingestellt.
Die Zahlen hinter der Wende
Das Geschäftsjahr bis Ende Juni lief für Verbio tatsächlich außergewöhnlich. Der Umsatz stieg auf 1,87 Milliarden Euro, der Nettogewinn drehte von einem Verlust von fast 138 Millionen Euro auf ein Plus von 64 Millionen Euro. Der freie Cashflow wurde mit 78 Millionen Euro erstmals seit Jahren wieder positiv, während sich die Nettoverschuldung auf 91,5 Millionen Euro nahezu halbierte.
Getragen wurde der Aufschwung von mehreren Effekten gleichzeitig: höhere Preise über das gesamte Portfolio, ein besserer Markt für Treibhausgasminderungs-Quoten und eine Rekordauslastung der nordamerikanischen Anlagen.
Auch gestiegene Preise an den Zapfsäulen im Zuge geopolitischer Spannungen spielten Verbio in die Karten, weil Kunden verstärkt zum günstigeren, bioethanolhaltigen E10-Kraftstoff griffen. Nach der Nullrunde im Vorjahr soll es nun wieder 0,20 Euro Dividende je Aktie geben.
Jefferies bestätigte nach den Zahlen die Einstufung „Hold“ mit einem Kursziel von 36 Euro. Das starke Schlussquartal lobte Hesse ausdrücklich, verwies aber auf die enttäuschende Ergebnisprognose als zentralen Belastungsfaktor für die Aktie.
Rückenwind aus der Regulierung
Vorstandschef Claus Sauter sieht die Ausgangslage strukturell verbessert. Die Effizienz der Anlagen sei gestiegen, die Verschuldung reduziert, und Biomasse erlebe nach Jahren politischer Zurückhaltung eine Renaissance. Rückenwind erwartet Verbio besonders von der diesjährigen Gesetzesnovelle zur Treibhausgasminderungs-Quote, die Mineralölkonzerne bis 2040 zu drastisch sinkenden CO2-Emissionen verpflichtet.
Investitionen will Verbio im laufenden Jahr dagegen zurückfahren. Der Umbau der Anlage in South Bend, Indiana, läuft trotzdem weiter — dort soll die bestehende Ethanolproduktion schrittweise um Biogas- und später Biomethan-Kapazitäten ergänzt werden.
Der Kursrückgang relativiert sich im Jahresverlauf: Seit Januar hat die Aktie trotz des Rücksetzers mehr als 40 Prozent zugelegt, auf Zwölfmonatssicht hat sich der Kurs fast verdreifacht. Auf Sicht von drei Jahren steht das Papier allerdings noch mit einem Viertel im Minus — die Erholung ist beeindruckend, aber noch nicht vollständig.
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