Verkaufswelle bei Tech-Werten treibt Anleger in Staatsanleihen
Regulierungsängste belasten Technologieaktien; sinkende US-Anleiherenditen und Gewinne bei Fluchtwährungen spiegeln die defensive Umschichtung wider.

Kurz zusammengefasst
- Nasdaq verliert am Donnerstag 5,5 Prozent
- Halbleiterindex fällt um 12,2 Prozent
- Zehnjährige US-Rendite sinkt auf 4,84 Prozent
- Yen erreicht zeitweise ein Wochenhoch
Sorgen vor einer strikteren Regulierung von Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz nach dem Wahlsieg der US-Demokraten haben an den weltweiten Aktienmärkten schwere Kursverluste ausgelöst. Anleger ziehen im großen Stil Kapital aus Technologiewerten ab und suchen Zuflucht in Anleihen sowie defensiven Devisen.
Auslöser des Umschwungs waren die US-Kongresswahlen am Dienstag. Die Furcht vor Hürden beim Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz traf vor allem Halbleiter- und Cloudkonzerne mit voller Wucht. Der technologielastige Nasdaq verlor am Donnerstag 5,5 Prozent, während der Philadelphia Semiconductor Index um 12,2 Prozent einbrach. Bei den Unternehmen des Leitindex S&P 500 löste die Verkaufswelle an einem einzigen Handelstag einen Marktwertverlust von drei Billionen Dollar aus.
Flucht in sichere Häfen drückt Renditen
Der abrupte Stimmungsumschwung erreichte am Freitag die asiatischen Handelsplätze, wo insbesondere Chipausrüster und Zulieferer unter Druck gerieten. Parallel dazu stieg die Nachfrage nach festverzinslichen Wertpapieren sprunghaft an.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank im asiatischen Handel auf 4,84 Prozent. Für die zinssensiblen zweijährigen US-Papiere ging es um rund zehn Basispunkte abwärts auf 4,47 Prozent. Neben US-Papieren griffen internationale Investoren auch zu europäischen und japanischen Schuldverschreibungen.
Am Devisenmarkt profitierten vor allem traditionelle Fluchtwährungen. Der japanische Yen legte um 0,2 Prozent zu und erreichte zeitweise ein Einwochenhoch von 157,40 Yen je Dollar, während auch der Schweizer Franken zulegte. Der Dollar-Index verharrte derweil weitgehend stabil bei 101,55 Punkten, da sinkende US-Renditen den Zinsvorteil der US-Währung dämpften.
Zweifel an Gewinnaussichten belasten die Branche
Die politische Unsicherheit trifft auf einen Markt, an dem Anleger die immensen Investitionen der Technologiekonzerne ohnehin kritischer hinterfragen. Zuletzt hatten Berichte über schwere Mittelabflüsse bei Alphabet und Amazon sowie Warnungen von Intel vor anhaltendem Mittelverbrauch die Nervosität spürbar erhöht. Nach dem Rutsch am Donnerstag liegt der Nasdaq mittlerweile zwölf Prozent unter seinem Rekordhoch von Anfang Oktober.
An den Terminmärkten passten Händler ihre Zinserwartungen prompt an. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve um 25 Basispunkte im Dezember sank von zuvor über 80 Prozent auf rund 70 Prozent. Den nächsten Orientierungspunkt liefert am heutigen Freitag der offizielle US-Arbeitsmarktbericht für Oktober, gefolgt von den neuen US-Verbraucherpreisdaten am kommenden Dienstag.
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