Vestas: Rote Rotorblätter gegen Vogelkollisionen
Vestas erprobt rot lackierte Rotorblattspitzen in der Nordsee, um Vogelschlag zu reduzieren. Parallel läuft ein Aktienrückkauf, während der Margendruck anhält.

Kurz zusammengefasst
- Feldversuch mit sieben Turbinen
- Rote Beschichtung soll Vögel schützen
- Aktienrückkaufprogramm über 100 Millionen Euro
- Margendruck durch steigende Materialkosten
Vestas testet in der niederländischen Nordsee eine ungewöhnlich simple Idee: eine rot lackierte Rotorblattspitze soll Vogelkollisionen verringern. Das Projekt läuft mit dem Gemeinschaftsunternehmen Ecowende von Shell und Eneco am Standort Hollandse Kust West VI. Dort soll sich zeigen, ob ein optischer Eingriff die Umweltbilanz von Offshore-Wind verbessert, ohne die Erträge zu belasten.
Der Versuch ist klein, aber technisch sauber aufgebaut. Von 52 Turbinen des 760-MW-Projekts werden sieben V236-15.0-MW-Anlagen mit jeweils einem roten Blatt ausgestattet. Die übrigen Anlagen bleiben in der Standardkonfiguration. So kann Vestas vergleichen, ob der Kontrast für Seevögel tatsächlich einen Unterschied macht.
Ein Low-Tech-Ansatz mit Signalwirkung
Die Rotorblätter sind 115,5 Meter lang und wurden für den Test rot beschichtet. Ziel ist nicht nur bessere Sichtbarkeit. Die Farbe muss auch dauerhaft halten und darf die Blätter unter maritimen Bedingungen nicht überhitzen.
Vestas Sustainability-Chefin Lisa Malmquist Ekstrand betont, dass Seevögel Offshore-Anlagen zwar oft meiden. Der Konzern sucht dennoch nach belastbaren Lösungen, die ohne teure Eingriffe auskommen. Ein solcher Ansatz könnte helfen, das zeitweise Abregeln von Anlagen zu vermeiden, was sonst die Stromausbeute und die Kosten belastet.
Ordnung im Geschäft, Druck bei den Margen
Der Feldversuch läuft parallel zu einem operativ dichten Quartal. Vestas hat in den vergangenen Wochen weiter große Aufträge eingesammelt, darunter ein Volumen von 673 MW aus den USA und weitere größere Verträge in Südeuropa, auch mit Partnern wie Edison.
Finanziell bleibt der Hersteller innerhalb seiner Jahresprognose. Für 2026 peilt Vestas Umsätze von 20 bis 22 Milliarden Euro an. Die EBIT-Marge vor Sondereffekten soll bei 6 bis 8 Prozent liegen. Marktbeobachtungen aus dem späten Mai deuten allerdings darauf hin, dass die Marge eher am unteren Ende dieser Spanne landet. Grund dafür sind anhaltender Kostendruck in der Lieferkette und höhere Materialpreise, etwa für Stahl.
Rückkäufe trotz Gegenwind
Auch an der Kapitalallokation hält Vestas fest. Der Vorstand hat ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 100 Millionen Euro gestartet. Parallel dazu hat das Unternehmen zuletzt 14.305.800 eigene Aktien eingezogen und damit das Nominalkapital reduziert.
Am Markt zeigte sich der Titel zuletzt etwas schwächer. In der zweiten Maihälfte wurde die Aktie bei rund 191,25 dänischen Kronen gehandelt, nach etwa 194 Kronen Mitte des Monats. Für den weiteren Kursverlauf bleibt damit ein klassischer Doppeltest: operative Stärke auf der Auftragsseite, aber Margendruck in der Umsetzung.
Die Nordsee-Studie soll bei Beginn der Turbineninstallation im zweiten Quartal 2026 messbare Daten liefern. Die Inbetriebnahme von Hollandse Kust West VI ist für das Jahresende geplant. Fällt der Test positiv aus, könnte die rote Blattspitze nicht nur für dieses Projekt interessant werden, sondern auch für künftige Offshore-Anlagen in Europa.
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