Visa Aktie: Kredite per Smart Contract

Visa verknüpft Zahlungs- und Blockchain-Daten, um Stablecoin-Kartenprogrammen schnelleres Betriebskapital und günstigere Finanzierung zu ermöglichen.

Redaktion Stock-World ·
Abstrakte Darstellung digitaler Finanztechnologie und vernetzter Blockchain-Infrastruktur in einer modernen Umgebung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Über 160 Stablecoin-Kartenprogramme im Netzwerk
  • Stablecoin-Abwicklung über 20 Milliarden Dollar
  • Smart Contracts sichern tägliche Forderungen
  • Finanzierungskosten sanken um bis zu 30 Prozent

Stablecoin-Karten wachsen bei Visa derzeit schneller als fast jedes andere Produkt im Netzwerk. Das bringt ein Problem mit sich, das im klassischen Kartengeschäft kaum jemand kennt: Kartenanbieter müssen ihre täglichen Verpflichtungen gegenüber Visa vorfinanzieren, bevor sie das Geld von ihren eigenen Kunden erhalten. Genau hier setzt eine neue Datenoffensive des Konzerns an.

Visa öffnet seine Abwicklungsdaten für Kreditgeber, die auf Blockchain-Basis arbeiten. Ziel ist es, Fintechs und Kartenherausgebern schnelleren Zugang zu Betriebskapital zu verschaffen. Der Konzern kombiniert dafür Daten aus seinem VisaNet-Zahlungssystem mit Onchain-Transaktionsdaten, damit Kreditgeber die Bonität dieser Firmen besser einschätzen können.

Warum das Tempo zählt

Mehr als 160 Stablecoin-Kartenprogramme laufen mittlerweile über Visas Netzwerk, das Zahlungsvolumen darauf ist binnen eines Jahres um fast 200 Prozent gestiegen. Das jährliche Abwicklungsvolumen in Stablecoins hat sich auf über 20 Milliarden Dollar mehr als verfünfzehnfacht.

Kleinere, junge Kartenprogramme benötigen oft nur wenige Millionen Dollar, wickeln aber täglich ab — für klassische Lagerfinanzierungen ein unwirtschaftliches Modell, wie Visa selbst einräumt.

Der Konzern verweist als Blaupause auf die Zusammenarbeit mit dem Fintech Credit Coop. Über eine revolvierende, in Stablecoins denominierte Kreditlinie werden Forderungen aus Abwicklungen automatisiert per Smart Contract besichert und refinanziert.

Seit 2023 hat Credit Coop nach eigenen Angaben mehr als 2,5 Milliarden Dollar an kumuliertem Volumen finanziert, bei rund 3.000 Kreditvergaben und 9.000 Rückzahlungsvorgängen ohne einen einzigen Ausfall.

Konkret nutzt Visas eigener Principal Member Rain die Struktur bereits seit August 2023, um seine täglichen Abwicklungsverpflichtungen zu decken — mit über 2.000 Kreditaufnahmen und mehr als 7.000 Rückzahlungen, ebenfalls ausfallfrei.

Reisekartenanbieter Karta wiederum wuchs über eine Credit-Coop-Facility und sicherte sich im Juni eine Finanzierungsrunde aus Venture-Kapital und institutionellem Kredit über insgesamt 140 Millionen Dollar. Nach Visas Angaben sind die Finanzierungskosten für teilnehmende Programme bereits um bis zu 30 Prozent gesunken, weil mehr Kreditgeber die Facilities mittlerweile zeichnen.

Ein Baustein größerer Strategie

Die Initiative reiht sich in Visas breiter angelegte Stablecoin-Strategie ein. Im Juli hatte der Konzern eine eigene Stablecoin-Plattform für Banken und Fintechs vorgestellt, die Emission, Wallets, Transfers und Treasury-Funktionen bündelt. Im April kamen fünf weitere Blockchains zum Abwicklungsprogramm hinzu, wodurch sich die Gesamtzahl auf neun erhöhte.

Onchain-Kreditprotokolle haben laut Visa seit 2020 insgesamt rund 694 Milliarden Dollar an Stablecoin-Darlehen verarbeitet — nach Einschätzung des Konzerns nur ein Bruchteil dessen, was theoretisch aus dem 40 Billionen Dollar schweren globalen Kreditmarkt auf die Blockchain wandern könnte. Namen konkreter weiterer Kreditgeber oder Konditionen außerhalb der Credit-Coop-Partnerschaft nannte Visa bislang nicht.

Wie schnell sich das Modell über Credit Coop hinaus auf weitere Kreditgeber ausweitet, dürfte davon abhängen, wie belastbar sich die bisherige Nullausfallquote unter wachsendem Volumen hält.

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Visa Aktie

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