Nach einer Rally von 241 % innerhalb eines Jahres steht Volatus Aerospace vor einem zunehmend kritischen Bewertungsumfeld. Der Kurs lag zum Wochenschluss bei 0,63 CAD, während der Markt die wachstumsorientierte, stark verteidigungsgetriebene Strategie mit der aktuellen Ertragslage abgleicht. Die zentrale Frage: Reicht das operative Fundament aus, um die ambitionierte Bewertung zu tragen?
Auffällige Bewertungsprämie
Die Aktie wird derzeit zu einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 12,7 gehandelt – deutlich über den Vergleichswerten der Branche. Im Detail zeigt sich die Diskrepanz:
- Volatus Aerospace KUV: 12,7x
- Peer-Group-Durchschnitt: 3,7x
- Branchenschnitt Nordamerika Airlines: 0,6x
- Geschätztes fair-value KUV: 1,2x
Anleger zahlen damit 12,70 CAD für jeden Dollar Umsatz – mehr als das Dreifache des Peer-Durchschnitts. Ein Discounted-Cashflow-Modell taxiert den inneren Wert der Aktie bei lediglich 0,46 CAD und damit klar unter dem aktuellen Kursniveau.
Fundamentaldaten unter Druck
Hinter der hohen Bewertung stehen Kennzahlen, die auf ein angespanntes Verhältnis von Wachstum und Profitabilität hinweisen. Volatus erzielte in den vergangenen zwölf Monaten einen Umsatz von 33,69 Mio. CAD, verbuchte jedoch zugleich einen Nettoverlust von 17,89 Mio. CAD.
Bei einer Marktkapitalisierung von rund 427 Mio. CAD scheint ein Großteil des Unternehmenswertes auf künftige Ertragschancen statt auf aktuelle Profitabilität zu setzen. Die Kursbewertung stützt sich damit maßgeblich auf die Annahme, dass die Wachstumsstory im Verteidigungsbereich tatsächlich in belastbare Margen mündet.
Verteidigungsaufträge stützen Wachstumsstory
Positiv für das Wachstumsszenario wirken jüngste Vertragsgewinne im Verteidigungssektor. Im Dezember 2025 erhielt Volatus einen Auftrag über 9 Mio. USD von einem NATO-Partner für Intelligence-, Surveillance- und Reconnaissance-(ISR-)Trainingssysteme. Der Vertrag läuft über zwei Jahre, mit einer ersten Tranche von 4,5 Mio. CAD, die im ersten Quartal 2026 ausgeliefert werden soll.
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Zusätzlich hat das Unternehmen seine Kapitalbasis durch eine Finanzierungsrunde von 26,4 Mio. CAD gestärkt. Parallel wurde Drohnentechnologie von Caliburn Holdings übernommen, um Fertigungskapazitäten am neuen Standort Mirabel nahe Montreal aufzubauen.
Investorengespräche und Verteidigungsfantasie
CEO Glen Lynch und CFO Abhinav Singhvi haben die Equity-Story zuletzt auf mehreren Konferenzen präsentiert, darunter:
- 28th Annual Needham Growth Conference
- AlphaNorth Capital Event
- RBC Canadian Aerospace and Defence Symposium
Dort positionierte sich Volatus als möglicher Profiteur steigender US-Verteidigungsausgaben, die für das Fiskaljahr 2027 auf bis zu 1,5 Bio. USD geschätzt werden.
US-Verteidigungspolitik als Rückenwind
Das Management verweist auf jüngste US-Executive-Orders, die Einsatzbereitschaft und Ausführungsgeschwindigkeit stärker betonen. Der Fokus auf schnelle Lieferung und geringere Toleranz für Programmverzögerungen könnte kleineren, flexiblen Anbietern Vorteile gegenüber etablierten Großkonzernen verschaffen. Volatus sieht die eigenen Fähigkeiten hier im Einklang mit den neuen Prioritäten.
Korrekturrisiko bleibt hoch
Aus Bewertungssicht steht die Aktie auf einem empfindlichen Niveau. Sowohl das erhöhte KUV als auch die DCF-Bewertung deuten auf eine deutliche Prämie gegenüber dem geschätzten fairen Wert hin. Um das aktuelle Kursniveau zu rechtfertigen, wären klare Fortschritte bei Profitabilität und Margen erforderlich.
Bleiben in den kommenden Quartalen eine spürbare Verbesserung der Ergebnisqualität oder ein dynamischerer Umsatzanstieg aus, ist eine Anpassung in Richtung der Peer-Bewertungen ein realistisches Szenario. Der Markt hat bereits heute Wachstum eingepreist, das im operativen Geschäft erst noch nachgewiesen werden muss.
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