Volkswagen Aktie: 1,5 Milliarden für gescheiterte Bosch-Allianz
VW beendet die 1,5-Milliarden-Euro-Partnerschaft mit Bosch. Der Konzern kämpft mit massivem Stellenabbau und einem Gewinneinbruch.

Kurz zusammengefasst
- Milliarden-Partnerschaft mit Bosch beendet
- Rückstand im autonomen Fahren zu groß
- Gewinneinbruch von 30 Prozent im Quartal
- Aufsichtsrat entscheidet über Werksschließungen
Volkswagen beendet heute seine Partnerschaft mit Bosch im autonomen Fahren. Die gemeinsame „Automated Driving Alliance“ (ADA) war seit Anfang 2022 aktiv — und hat rund 1,5 Milliarden Euro verschlungen. Das Ergebnis: Technologien, die intern als nicht mehr wettbewerbsfähig gelten.
Rückstand zu China und USA zu groß
Das Kernproblem ist das Level-2++-Fahren — also das Fahren ohne Hände am Lenkrad. Genau dort hat Volkswagen den Anschluss verloren. Gegenüber Wettbewerbern aus China und den USA ist der Rückstand nach Einschätzung des Konzerns auf ein kritisches Maß gewachsen.
Die Software-Tochter Cariad sucht nun Ersatz. Neue Partner für Hard- und Software sollen bis Ende September feststehen. Wie groß die Lücke ist, die Bosch hinterlässt, zeigt allein die Investitionssumme: 1,5 Milliarden Euro für Technologien, die jetzt verworfen werden.
Stellenabbau, Werksschließungen, Gewinneinbruch
Das Ende der Bosch-Allianz ist kein Einzelfall. Volkswagen steckt mitten in einem der härtesten Restrukturierungsprogramme seiner Geschichte. Im ersten Quartal 2026 brach der Nachsteuergewinn um rund 30 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro ein.
Der Konzern prüft den Abbau von bis zu 100.000 Stellen. Vier deutsche Werke stehen auf der Liste: Hannover, Zwickau, Emden und Neckarsulm. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies schlägt vor, die Auslastung dieser Werke durch in China entwickelte Konzernmodelle zu sichern.
Das eigentliche Ziel: Die operative Marge soll langfristig wieder auf 8 bis 10 Prozent steigen. Aktuell ist davon wenig zu sehen.
Aktie nahe am Jahrestief
Die Kursentwicklung spiegelt die Lage schonungslos wider. Die Vorzugsaktie schloss am Freitag bei 74,40 Euro — nur 0,38 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 74,12 Euro, das erst am 26. Juni markiert wurde. Seit Jahresbeginn hat das Papier knapp 30 Prozent verloren.
Der RSI liegt bei 23,3 und signalisiert damit einen stark überverkauften Markt. Vom 200-Tage-Durchschnitt bei 94,74 Euro trennt die Aktie ein Abstand von über 21 Prozent.
Aufsichtsrat entscheidet am 9. Juli
Der nächste Wendepunkt kommt in knapp zwei Wochen. Am 9. Juli tagt der Aufsichtsrat — dort erwartet der Markt konkrete Beschlüsse zu Werksschließungen und Stellenabbau. Volkswagen braucht bis dahin auch eine Antwort auf die Frage, wer Bosch als Technologiepartner ersetzt. Ohne einen neuen Partner für die Fahrassistenz-Systeme wächst der technologische Rückstand weiter.
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