Volkswagen Aktie: 33 Prozent Minus seit Jahresbeginn

Volkswagen-Chef Blume kündigt nach Blockade durch Aufsichtsrat alternative Sparmaßnahmen an. Absatzrückgang und schwache China-Verkäufe erhöhen den Druck.

Felix Baarz ·
Eine abstrakte, atmosphärische Szene, die die Automobilindustrie darstellt, mit gedämpften Tönen und einem Gefühl des Rückgangs. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Aufsichtsrat stoppt Sparpaket mit Werksschließungen
  • Blume verspricht intelligentere Lösungen
  • Absatz bricht um fast neun Prozent ein
  • Aktie notiert nahe 52-Wochen-Tief

Nur zwei Tage nachdem der Aufsichtsrat ein Sparpaket mit möglichen Werksschließungen blockiert hatte, kündigte er im Interview mit der Bild am Sonntag an, es gebe „intelligentere Lösungen“ als das Dichtmachen von Fabriken. Die Aussage soll die aufgeheizte Stimmung in der Belegschaft beruhigen – dabei bleibt offen, wie der Konzern seine Kostenprobleme sonst lösen will.

Aufsichtsrat blockiert Radikalumbau

Am 10. Juli 2026 hatte der Aufsichtsrat einen Restrukturierungsplan mit 12 zu 7 Stimmen abgelehnt. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen votierten gegen das Vorhaben, das laut Medienberichten bis zu 120.000 Stellenstreichungen und die Schließung von bis zu vier deutschen Werken vorgesehen haben soll – genannt werden Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm, in einzelnen Berichten zusätzlich Osnabrück. Rund 40.000 Beschäftigte an diesen Standorten bangen um ihre Jobs. Parallel dazu hatte Volkswagen eine Strategie bis 2030 vorgestellt: Die Modellpalette soll um bis zu die Hälfte schrumpfen, die Variantenvielfalt um 75 Prozent sinken und die Produktionskapazität von 10 auf 9 Millionen Fahrzeuge pro Jahr zurückgefahren werden. Konkret sollen unter anderem der Skoda Fabia, der VW Jetta und der Porsche Taycan aus dem Programm fallen. Finanzvorstand Antlitz hatte die bisherigen Kostensenkungen zuletzt als nicht ausreichend bezeichnet.

Blume verweist nun darauf, dass die Fabrikkosten in Deutschland im vergangenen Jahr bereits um 20 Prozent gesunken seien. Das solle zeigen, dass auch ohne Schließungen spürbare Einsparungen möglich sind. Gleichzeitig fordert er weitere Einschnitte und eine kleinere Produktpalette – ein Balanceakt zwischen Beruhigung der Belegschaft und dem Druck, den der Konzern von Investoren und dem eigenen Kostenprogramm spürt.

Absatz bricht ein, China schwächelt deutlich

Die operative Lage untermauert den Handlungsdruck. Im zweiten Quartal 2026 verkaufte Volkswagen weltweit 2,08 Millionen Fahrzeuge, ein Rückgang von rund 8,6 bis 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders hart traf es das China-Geschäft: Dort brachen die Verkäufe um bis zu 36,6 Prozent auf 424.300 Fahrzeuge ein. Im ersten Quartal 2026 war der Nettogewinn bereits um 28 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro gefallen, der Umsatz sank um 2,5 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro. Einen Lichtblick liefert das Elektromodell ID. Polo, das in den ersten vier Wochen mehr als 50.000 Mal verkauft wurde. Zur Kapitalstärkung trug zudem der Verkauf des Mehrheitsanteils an Everllence bei, der Volkswagen Erlöse von 7,4 Milliarden Euro einbrachte.

Betriebsrat wirft Blume mangelnde Kommunikation vor

Der Betriebsrat reagiert verärgert auf Blumes öffentliche Auftritte. Kritisiert wird, dass der Konzernchef ein selbst gesetztes Ultimatum zur Klärung der Lage verstreichen ließ und die Belegschaft nur über Presseinterviews statt direkt informiert habe. Analyst Frank Schwope ordnete die schwachen Absatzzahlen in diesem Zusammenhang ein. Nach der Sommerpause, ab Anfang August, sind Betriebsversammlungen an den betroffenen Standorten geplant. Der Aufsichtsrat selbst kommt regulär erst wieder im Dezember 2026 zusammen – bis dahin bleibt die Frage nach Werksschließungen offiziell unentschieden, auch wenn Blume sie langfristig nicht ausschließt.

Aktie nahe Jahrestief

Die Unsicherheit spiegelt sich im Kurs wider. Die Volkswagen-Vorzugsaktie schloss am Freitag bei 71,06 Euro, ein Minus von 1,31 Prozent auf Tagessicht. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 5,25 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es 17,85 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier knapp ein Drittel an Wert verloren, konkret 33,03 Prozent. Damit notiert die Aktie nur noch 2,69 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro vom 1. Juli 2026, während der Abstand zum Jahreshoch von 109,10 Euro aus dem Dezember 2025 mittlerweile 34,87 Prozent beträgt. Der Kurs liegt auch deutlich unter allen gängigen gleitenden Durchschnitten – 15,51 Prozent unter der 50-Tage-Linie und 24,22 Prozent unter der 200-Tage-Linie. Der RSI von 30,2 signalisiert eine überverkaufte Lage, die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 32,21 Prozent. Die Marktkapitalisierung des Konzerns beziffert sich derzeit auf umgerechnet 32,75 Milliarden Euro.

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Volkswagen Aktie

81,30 EUR

+ 4,94 EUR +6,47 %
KGV 7,75
KUV 0,12
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite 6,89 %
Marktkapitalisierung 40,76 Mrd. EUR
Ø Kursziel 105,26 EUR
ISIN: DE0007664039 WKN: 766403

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