Volkswagen Aktie: 7,4-Milliarden-Deal mit Bain Capital
VW verkauft Mehrheit an Everllence für 7,4 Mrd. Euro, während Tausende Mitarbeiter gegen Sparpläne und mögliche Werksschließungen demonstrieren.

Kurz zusammengefasst
- Bain Capital übernimmt 51 Prozent an Everllence
- Erlös fließt in E-Mobilität und Software
- Proteste gegen möglichen Abbau von 100.000 Stellen
- Aufsichtsratssitzung am 9. Juli entscheidet über Sparprogramm
Volkswagen verkauft die Mehrheit an seiner Motoren-Tochter Everllence für 7,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig demonstrieren tausende Beschäftigte gegen Werksschließungen und einen möglichen Stellenabbau in gewaltigem Ausmaß. Zwei Nachrichten, ein Wochenende — und ein Konzern im Umbruch.
Bain Capital steigt bei Everllence ein
Volkswagen hat sich mit dem Finanzinvestor Bain Capital auf einen Teilverkauf geeinigt. Bain übernimmt 51 Prozent an Everllence, dem früheren Motorenhersteller MAN Energy Solutions. Die Transaktion läuft als Leveraged Buy-out. Volkswagen will die restlichen 49 Prozent mittelfristig behalten.
Der Erlös soll vor allem in Elektromobilität und Software fließen. Everllence beschäftigt rund 16.000 Mitarbeiter und setzte zuletzt 4,9 Milliarden Euro um. Das Geschäft: Großmotoren für Schiffe und Kraftwerke.
Für die deutschen Standorte gibt es klare Zusagen. Augsburg, Oberhausen, Berlin, Hamburg und Ravensburg bleiben bis mindestens Ende 2030 erhalten. Betriebsbedingte Kündigungen schließt die Vereinbarung für diesen Zeitraum aus. Der Deal braucht noch die Zustimmung der französischen Arbeitnehmervertreter sowie weitere Genehmigungen. Volkswagen rechnet mit dem Abschluss bis Ende 2026.
Belegschaft geht auf die Barrikaden
Der Milliardenerlös ändert nichts an der angespannten Stimmung in den deutschen Werken. Am Samstag protestierten in Emden über 4.000 Beschäftigte gegen die Sparpläne des Managements. Im Raum steht ein Abbau von bis zu 100.000 Stellen. Vier Werke könnten schließen: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.
Die IG Metall reagiert scharf. Sie wirft dem Management vor, seine eigenen Fehler einseitig auf die Belegschaft abzuwälzen. Auch Niedersachsen stellt sich quer. Das Land hält 20 Prozent der Stimmrechte und ein Vetorecht bei Entscheidungen über deutsche Werke.
Eine Umfrage von Infratest dimap aus dem November 2024 zeigte bereits die Erwartungshaltung im Land: 69 Prozent der Niedersachsen wollten damals, dass die Landesregierung Werksschließungen notfalls mit politischem Druck verhindert.
Der 9. Juli wird zur Weichenstellung
Am 9. Juli tagt der Aufsichtsrat. Dort soll das endgültige Ausmaß des Sparprogramms fallen. Die Arbeitnehmervertreter stellen traditionell die Hälfte der Sitze — aktuell sogar eine Mehrheit. Sie haben bereits massiven Widerstand angekündigt.
Hinter den Sparplänen stecken handfeste Probleme. Volkswagen kann weltweit rund 12 Millionen Fahrzeuge produzieren, verkauft aber nur etwa 9 Millionen. In China, einst wichtigstem Markt des Konzerns, verliert Volkswagen zudem Marktanteile an lokale Anbieter wie BYD.
Die Aktie zwischen Erholung und Jahrestief
Am Freitag schloss die Vorzugsaktie bei 75,00 Euro, ein Plus von 2,60 Prozent zum Vortag. Das ändert wenig an der Gesamtbilanz: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 29,31 Prozent zu Buche. Erst am 1. Juli markierte das Papier bei 69,20 Euro ein neues 52-Wochen-Tief.
Zum 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro aus dem Dezember 2025 fehlen mittlerweile über 31 Prozent. Auch zum 50-Tage-Durchschnitt von 85,44 Euro liegt die Aktie mit gut 12 Prozent im Rückstand. Der RSI von 35,8 signalisiert eine überverkaufte Lage.
Die Entscheidung des Aufsichtsrats am 9. Juli dürfte zeigen, wie weit Vorstand und Arbeitnehmerseite noch auseinanderliegen. Bis dahin bleibt der Kurs zwischen zwei Nachrichten gefangen: dem Milliardenerlös aus dem Everllence-Verkauf und dem ungelösten Konflikt um die deutschen Werke.
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