Volkswagen Aktie: Führung plant Kündigung mehrerer Haustarifverträge
Die geplanten Vertragskündigungen verschärfen den Konflikt; zusätzliche Stellenstreichungen bleiben zwischen Konzern und Arbeitnehmervertretung umstritten.

Kurz zusammengefasst
- Kündigung mehrerer Tarifverträge angekündigt
- Beschäftigungsschutz bis 2030 bleibt bestehen
- Weitere 50.000 bis 60.000 Stellenstreichungen geplant
- Arbeitsniederlegungen ab Januar rechtlich möglich
Beim Wolfsburger Automobilkonzern spitzt sich der Streit über die künftigen Personalkosten dramatisch zu. Die IG Metall und der Gesamtbetriebsrat machten heute öffentlich, dass die Volkswagen-Führung plant, mehrere Tarifverträge des Haustarifs zu kündigen.
Die entsprechenden Mitteilungen sollten den Arbeitnehmervertretern noch am heutigen Mittwoch zugehen. Konkrete Auswirkungen auf das operative Geschäft und die Vergütung der Belegschaft drohen frühestens ab Januar 2027.
Fronten in Hannover verhärtet
Hintergrund der Kündigungen sind Gespräche in Hannover zur Überprüfung des Zukunftstarifvertrags aus dem Jahr 2024. Laut IG Metall und Betriebsrat liegen die Positionen der beiden Seiten weit auseinander.
Während die Arbeitnehmerseite Klarheit über die seinerzeit zugesagten Investitionen und Produktentscheidungen einfordert, hält der Vorstand die bislang vereinbarten Schritte für unzureichend. Das gemeinsam definierte Ziel einer operativen Umsatzrendite von 9 Prozent lasse sich mit dem bestehenden Maßnahmenpaket nicht erreichen, teilte das Unternehmen mit. Den Vorwurf eines Vertragsbruchs weist Volkswagen zurück.
Die Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 sowie der Zukunftstarifvertrag 2024 selbst bleiben von den angekündigten Vertragskündigungen unberührt. Der Haustarif bei Volkswagen umfasst insgesamt 13 Einzelverträge.
Dem Vernehmen nach könnten unter anderem Regelungen zu Zulagen, Ausbildung, die Zusatzvergütung – die wahlweise sechs freie Tage oder 27,5 Prozent eines Monatseinkommens vorsieht – sowie der Manteltarifvertrag für mehr als 100.000 Beschäftigte in Deutschland auf den Prüfstand gestellt werden.
Kostenstruktur und Stellenabbau im Fokus
Der Konzern prüft neben tariflichen Leistungen auch die Wochenarbeitszeit, die im Haustarifvertrag I derzeit grundsätzlich bei 35 Stunden liegt. Wie das Handelsblatt berichtet, erwägt Volkswagen längere Arbeitszeiten für mehr als 100.000 Beschäftigte in der Bundesrepublik, um die Kosten je geleisteter Arbeitsstunde zu senken; konkrete Forderungen nach einer 38- oder 40-Stunden-Woche wurden bislang jedoch nicht erhoben.
Zugleich steht der Umfang des Stellenabbaus zur Debatte. Nach der Vereinbarung von Ende 2024 sind weltweit bereits bis zu 50.000 Stellenstreichungen bis zum Jahr 2030 vereinbart, Porsche und Audi mit eingerechnet. Rund 30.000 Mitarbeiter haben ihr vorzeitiges Ausscheiden bereits vertraglich geregelt.
Nach Vorstellungen des Vorstands reicht das allerdings nicht aus: Geplant sind weitere 50.000 bis 60.000 Jobstreichungen auf globaler Ebene, von denen etwa die Hälfte auf die deutschen Standorte entfallen soll. Hierüber gibt es bislang keine Einigung mit der Belegschaftsvertretung.
Streikgefahr ab Januar
Die Gewerkschaft kündigte energischen Widerstand gegen die Kündigung der Vertragswerke an. Da mit dem Jahreswechsel die tarifliche Friedenspflicht ausläuft, wären Arbeitsniederlegungen ab dem 1. Januar rechtlich zulässig. Reuters zufolge bereitet sich die Arbeitnehmerseite bereits auf Gegenmaßnahmen vor, sollte das Management auf den Einschnitten beharren.
Parallel dazu verhandeln die Parteien an einem neuen Entgeltsystem. Ziel von Management, Betriebsrat und IG Metall ist es, bis zum Ende des laufenden Jahres ein reformiertes System zu vereinbaren, das am 1. Januar 2027 in Kraft treten soll. Nach Angaben der Gewerkschaft soll dabei das tarifliche Monatsentgelt einzelner Beschäftigter nicht sinken.
Am Kapitalmarkt reagierten die Marktteilnehmer zurückhaltend auf die sich anbahnende Tarifauseinandersetzung. Im Tagesverlauf legte das Volkswagen-Papier leicht um 0,9 Prozent auf 72,04 Euro zu. Seit Jahresanfang summiert sich der Kursverlust der Aktie jedoch auf 31 Prozent.
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