Volkswagen Aktie: Hannover auf 60.000 statt 100.000 Einheiten

Volkswagen kämpft mit Werksschließungen, sinkender TRATON-Beteiligung und Softwareproblemen. Der Aktienkurs fiel seit Jahresbeginn um 30 Prozent.

Dieter Jaworski ·
Volkswagen Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Hannover-Werk droht Schließung oder Verlagerung
  • VW plant TRATON-Anteil auf 75 Prozent zu senken
  • Software-Joint-Venture RV Tech mit fehlenden Funktionen
  • VW-Aktie verliert seit Jahresbeginn 30 Prozent

Volkswagen steckt in einer Phase struktureller Einschnitte, die weit über die bereits bekannte Everllence-Transaktion hinausgeht. Zwei Entwicklungen der vergangenen Tage zeigen, wie sehr der Konzern an mehreren Fronten gleichzeitig um Kapital und Kostenkontrolle ringt: die drohende Schieflage des Werks Hannover und die geplante weitere Reduzierung der TRATON-Beteiligung.

Hannover fehlt die Auslastung

Am Werk Hannover, das den ID. Buzz produziert, klafft eine erhebliche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Statt der angepeilten 100.000 Einheiten kommt der Standort derzeit auf rund 60.000 Fahrzeuge. Verschärft wird die Lage durch den Wegfall des Audi-Projekts „Landjet“, das ursprünglich zur Auslastung beitragen sollte.

Medienberichten zufolge gilt der Standort wegen seiner hohen Fixkosten inzwischen als Kandidat für Schließung oder Verlagerung nach Polen. Finanzvorstand Arno Antlitz wird das Werk am 31. August besuchen, um die Standortzukunft und die wirtschaftliche Lage zu erörtern – ein Termin, der für die Belegschaft richtungsweisend sein dürfte.

Der Fall Hannover reiht sich in eine Reihe von Berichten über einen härteren Sparkurs im Konzern ein. Parallel dazu wächst der Druck von außen: Im Sektor wird über eine strukturelle Machtverschiebung durch den Produktionsstart chinesischer Wettbewerber wie BYD in Europa berichtet, was den Margendruck auf etablierte Hersteller wie Volkswagen zusätzlich erhöht.

TRATON-Anteil soll weiter sinken

Um finanziellen Spielraum für die laufenden Restrukturierungen zu gewinnen, plant Volkswagen laut Medienberichten, seine Beteiligung an der Lkw-Sparte TRATON von aktuell 87,5 Prozent auf 75 Prozent plus eine Aktie zu reduzieren.

Der Schritt würde dem Konzern zusätzliches Kapital verschaffen, ohne die Kontrolle über die Sparte aufzugeben. Er fügt sich in eine Serie von Portfoliomaßnahmen, zu denen zuletzt bereits der von der EU-Kommission genehmigte Verkauf der Tochtergesellschaft Everllence zählte, der Volkswagen einen Mittelzufluss von 7,4 Milliarden Euro einbringt – begleitet allerdings von Restrukturierungen bei den betroffenen Arbeitsplätzen.

Auch bei der Beteiligungsholding Porsche SE zeigen sich die Spuren des Umbaus: Für das erste Halbjahr 2026 meldete die Gesellschaft einen Verlust von 2,2 Milliarden Euro, verursacht vor allem durch Wertberichtigungen auf ihre Beteiligungen an Volkswagen AG und Porsche AG.

Softwareprobleme und ein neuer Campus

Auch im Zukunftsfeld Software bleibt die Lage ambivalent. Berichten zufolge fehlen den im Joint Venture „RV Tech“ mit Rivian gelieferten Softwarepaketen essenzielle Funktionen für Fahrwerk und Klimatisierung – bei Gesamtkosten für die Softwareentwicklung von Cariad und der Rivian-Adaption von 6,5 Milliarden Euro.

Dem gegenüber steht ein positives Signal: Die Softwaretochter Cariad hat einen neuen „Automotive Software Campus“ in Berlin eröffnet, um Entwicklungen in den Bereichen KI, autonomes Fahren und Cloud-Technologien zu bündeln und markenübergreifend skalierbar zu machen.

Aktie bleibt unter Druck

Die Volkswagen-Vorzugsaktie schloss zuletzt bei 73,22 Euro und bewegt sich damit rund 33 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Kursrückgang von 30 Prozent zu Buche.

Der Konzern befindet sich in einer Phase, in der Kapitalmaßnahmen wie der TRATON-Teilverkauf und Standortentscheidungen wie jene in Hannover parallel über die Zukunft der Kernmarke entscheiden – der Ausgang bleibt für Anleger die entscheidende offene Frage.

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