Volkswagen Aktie: Markenchef erhöht Tempo
Volkswagen will beim Personalabbau nachlegen, während die Produktion angepasst wird. Die DZ Bank senkt den fairen Wert auf 73 Euro.

Kurz zusammengefasst
- Volkswagen will Sparmaßnahmen deutlich ausweiten
- Bis 2030 sind 35.000 Stellen weniger vorgesehen
- Rund 50.000 weitere Jobs stehen im Raum
- DZ Bank reduziert fairen Wert auf 73 Euro
Kaum ist die Gewinnwarnung verdaut, legt Volkswagen beim Sparprogramm nochmal nach. Markenchef Thomas Schäfer machte bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg deutlich: Die 2024 vereinbarten Maßnahmen reichen nicht mehr aus. „Wir haben absolut keine Zeit zu verlieren“, so Schäfer wörtlich.
Die Kernmarke hat beim Personalabbau bereits Fortschritte gemacht. Gut 16.300 Austritte in Deutschland sind vollzogen, insgesamt fast 28.800 bis 2030 fest vereinbart. Das offizielle Ziel liegt bei 35.000 Stellen weniger bis 2030 — Schäfer kündigte nun an, in diesem Rahmen „deutlich nachzulegen“.
Betriebsrat warnt vor härterem Kurs
Betriebsratschefin Daniela Cavallo rechnet mit einer weiteren Verschärfung. „Die Zeichen stehen auf Sturm. Und der wird kein kleiner“, sagte sie bei der Versammlung. Gleichzeitig räumte sie ein, dass es so wie bisher nicht weitergehen könne: Der Großteil der einstigen Gewinnkraft sei verloren.
Im Raum steht zudem ein deutlich größerer Einschnitt. Vorstandschef Oliver Blume plant nach Angaben aus dem Betriebsrat einen weiteren Abbau von rund 50.000 Stellen weltweit, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Cavallo stellte offen die Frage, ob dies überhaupt sozialverträglich umsetzbar sei — die Beschäftigungssicherung bei der Volkswagen AG gilt schließlich bis Ende 2030 und ist unkündbar.
Cavallo forderte parallel einen Beitrag der Aktionäre zur Krisenbewältigung. Sie warb für ein steuerliches Instrument, das es Großaktionären erlauben würde, ohne Steuerlast auf Teile der Dividende zu verzichten — damit mehr Geld für die Transformation im Unternehmen bleibt.
Produktion reagiert auf Nachfrageverschiebung
Handfeste Folgen zeigen sich bereits in der Fertigung. Im Stammwerk Wolfsburg, wo Tiguan und Golf vom Band laufen, fallen geplante Sonderschichten weg. Im Elektro-Werk Emden soll die Produktion dagegen hochgefahren werden — eine direkte Reaktion auf die schnellere Verschiebung der Nachfrage zu E-Autos, mit denen der Konzern aktuell noch weniger verdient als mit Verbrennern.
Die DZ Bank hat ihre Einschätzung nach der jüngsten Prognosesenkung angepasst und den fairen Wert von 75 auf 73 Euro reduziert, die Einstufung bleibt bei „Halten“. Begründet wird der Schritt mit der spürbar gesenkten Margenprognose für 2026, die eine Verbesserung bis 2030 zunehmend ambitionierter erscheinen lasse.
Die Neun-Monats-Zahlen legt Volkswagen am 29. Oktober vor. Dann dürfte sich zeigen, wie stark die angekündigten Sonderlasten von rund zehn Milliarden Euro das dritte Quartal tatsächlich belasten — und ob das nachgeschärfte Sparprogramm bei Investoren als glaubwürdiger Befreiungsversuch ankommt.
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