Volkswagen Aktie: Niedersachsen bremst VW-Ausgründung

Volkswagen ringt vor der Aufsichtsratssitzung um die Zukunft der Marke VW, während Belegschaft und schwache China-Zahlen den Druck erhöhen.

Dieter Jaworski ·
Volkswagen Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Drei Vorlagen stehen zur Abstimmung
  • Niedersachsen will Entscheidung vertagen
  • Mehr als 10.000 Beschäftigte protestieren
  • China-Absatz sinkt um 31,6 Prozent

Der Machtkampf bei Volkswagen erreicht eine neue Stufe. Für kommenden Freitag ist eine Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg angesetzt, bei der gleich drei unterschiedliche Beschlussvorlagen zur Abstimmung stehen – ein nach Medienberichten ungewöhnlicher Vorgang, der die tiefen Gräben im Kontrollgremium offenlegt.

Sollte sich die Runde nicht auf eine gemeinsame Linie einigen, droht dem Konzern nach Einschätzung von Beobachtern ein Machtkampf, wie ihn Volkswagen in seiner Geschichte noch nicht erlebt hat.

Im Zentrum steht offenbar die Zukunft der Marke VW selbst. Laut Handelsblatt erwägt der Konzern, die Frage der vier Werke sowie eine mögliche Ausgründung der Marke VW und des Komponentengeschäfts aus dem aktuellen Verhandlungspaket herauszunehmen. Niedersachsen als einer der größten Anteilseigner drängt demnach darauf, diese Weichenstellung erst im kommenden Jahr gründlicher zu prüfen, statt sie überstürzt zu entscheiden.

Belegschaft geht auf Konfrontationskurs

Der Ton innerhalb des Konzerns hat sich merklich verschärft. Bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg vor wenigen Tagen pfiffen mehr als 10.000 Beschäftigte Konzernchef Oliver Blume aus. Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo formulierte es unmissverständlich: Das Vertrauen der Belegschaft in den Vorstand, insbesondere in dessen Vorsitzenden, sei „beschädigt“.

Auch am Standort Kassel-Baunatal wächst der Widerstand. Bei einer Betriebsversammlung mit rund 6.000 Teilnehmern, an der auch Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori teilnahm, forderte Betriebsratsvorsitzender Carsten Büchling die Einhaltung des Tarifabschlusses von 2024 sowie verbindliche Zusagen zu Investitionen und Beschäftigung. Sein Satz „Verlässlichkeit und Vertragstreue sind keine Verhandlungsmasse“ richtet sich unmittelbar an die Konzernspitze.

Zahlen liefern Zündstoff für die Debatte

Der Streit fällt in eine Phase wirtschaftlichen Drucks. Im ersten Halbjahr sank der Betriebsgewinn um 11,6 Prozent, während der Absatz in China um 31,6 Prozent einbrach – deutlich stärker als der Gesamtmarkt, der um 20 Prozent nachgab.

Zwar verbesserte sich das Betriebsergebnis nach einer anderen Konzernkennziffer um 4,5 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro, doch die für 2026 in Aussicht gestellte Umsatzentwicklung wurde bereits vor rund einem Monat nach unten angepasst.

Die Aktie hat diese Belastungen zuletzt teilweise verdaut. Mit 77,58 Euro notiert das Papier 4,8 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt und damit spürbar über dem 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro.

Zum bisherigen Jahreshöchststand von 109,10 Euro fehlen allerdings weiterhin 29 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der Markt die ungelöste Führungsfrage nach wie vor mit einem deutlichen Abschlag bewertet.

Produktoffensive läuft parallel weiter

Unabhängig vom Führungsstreit treibt Volkswagen sein Produktprogramm voran. Der Vorverkauf für die neuen Vollhybrid-Versionen von Golf und T-Roc ist gestartet, der Golf Hybrid R-Line beginnt bei 41.400 Euro, der T-Roc Hybrid Style bei 44.470 Euro. Zudem präsentierte der Konzern mit dem ID. Polo GTI die erste vollelektrische Ausführung der GTI-Baureihe mit 226 PS.

Diese operativen Fortschritte dürften an den Kapitalmärkten jedoch vorerst in den Hintergrund treten. Bis zur Aufsichtsratssitzung am Freitag richtet sich der Blick der Anleger auf die Frage, ob Konzernführung, Arbeitnehmervertretung und das Land Niedersachsen eine gemeinsame Linie zur Zukunft der Marke VW finden – oder ob der angekündigte Machtkampf tatsächlich eintritt.

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