Volkswagen Aktie: Sparkurs trifft Rückrufwelle
VW plant weltweit rund 50.000 weitere Stellenstreichungen; zugleich betrifft ein Lenkungsrückruf auch 1,7 Millionen Skoda-Fahrzeuge.
Kurz zusammengefasst
- Großteil der Tarifverträge aufgekündigt
- Rund 50.000 Stellen weltweit geplant
- Skoda-Rückruf betrifft 1,7 Millionen Autos
- Lenkungsschrauben werden in Werkstätten ersetzt
Bei Volkswagen häufen sich die Baustellen. Der Konzern kündigt einen Großteil seiner Tarifverträge, plant weitere Stellenstreichungen und muss parallel Millionen Fahrzeuge wegen eines Lenkungsproblems in die Werkstätten holen.
Tarifverträge gekündigt, Gewerkschaft in Alarmbereitschaft
Der Vorstand will angesichts des Kostendrucks Regelungen anpassen und hat dafür den Großteil der Tarifverträge aufgekündigt. Auch der Manteltarifvertrag ist betroffen. IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger nennt das einen bislang einmaligen Schritt in der Konzerngeschichte und wirft der Führung vor, „respektlos gegenüber den eigenen Beschäftigten“ zu handeln.
Besonders verärgert zeigt sich Gröger über den Ablauf. Bei einem Gespräch zum Zukunftstarifvertrag von 2024 hätten die Arbeitnehmervertreter einen rund 50-minütigen Vortrag gehört, ohne dass die Kündigungen zur Sprache kamen. Noch während des Treffens habe die Presse bereits darüber berichtet. Die Arbeitnehmerseite sei auf den Konflikt vorbereitet, so der Gewerkschafter.
Konzernchef Oliver Blume stellt Marktbeobachtern zufolge zudem die 35-Stunden-Woche infrage. Damit folgt VW einem Trend in der Branche: Mercedes-Benz hatte zuvor die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich ins Gespräch gebracht.
Weitere 50.000 Stellen im Visier
Der Vorstand plant, weltweit in den kommenden Jahren rund 50.000 weitere Stellen abzubauen. Das kommt zu bereits angekündigten Einschnitten hinzu. Etwa die Hälfte könnte an deutschen Standorten wegfallen. Die Marken und Gesellschaften sollen die Pläne nun konkretisieren, die Maßnahmen müssen noch mit den Arbeitnehmern verhandelt werden.
Offen ist außerdem die Zukunft der Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie des Audi-Standorts Neckarsulm für die Zeit nach 2031 bis 2034. Auch bei der Software-Tochter Cariad stehen Massenentlassungen an.
Lenkungsproblem erreicht auch Skoda
Wenige Tage nach dem Rückruf mehrerer Millionen Fahrzeuge bei Volkswagen, Audi und Seat zieht nun Skoda nach. Weltweit sind rund 1,7 Millionen Autos potenziell betroffen, in Deutschland etwa 370.000. Es dürfte sich um dasselbe Problem handeln: Ein Schraubenabriss kann zum Lenkungsausfall führen. Die Werkstätten ersetzen die Lenkungsverschraubung durch eine korrosionsresistente Schraube.
Betroffen sind bei Skoda die Modelle Kodiaq, Karoq, Octavia und Superb. Eine Stellungnahme des Herstellers lag zunächst nicht vor. VW selbst erklärte, interne Qualitätsüberprüfungen hätten das Problem bei bestimmten Baureihen der Marke offengelegt.
Nächster Termin: Absatzzahlen
Konkrete Zahlen liefert Volkswagen am Montag, 12. Oktober, um 11:00 Uhr mit den Absatzzahlen zum dritten Quartal. Sie zeigen, wie stark der Absatz zuletzt unter Druck stand. Einen Tag später steht der Pre-Close-Call von BMW an, Porsche hält seinen bereits am 12. Oktober ab.
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