Volkswagen Aktie: Vier Vertriebschefs vor dem Wechsel

Volkswagen reagiert auf Absatzschwäche mit umfassender Vertriebsrochade. Schwache US-Zahlen und ein Minus von 6 Prozent bei den Auslieferungen im ersten Halbjahr 2026 zwingen zum Handeln.

Eduard Altmann ·
Volkswagen Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Vertriebschef wechselt nach Nordamerika
  • Audi-Vertrieb an Martin Sander übergeben
  • US-Marktanteil fällt auf 3 Prozent
  • IAV streicht 2000 Stellen bis 2027

Volkswagen-Chef Oliver Blume greift tief in die Personalstruktur des Konzerns ein. Wie das Handelsblatt berichtet, soll Vertriebschef Marco Schubert ab September oder Oktober das Nordamerika-Geschäft übernehmen. Den Audi-Vertrieb übernimmt künftig Martin Sander, die Kernmarke VW geht an Martin Jahn, bislang bei Skoda tätig. Skoda selbst soll dann von Martina Biene geführt werden. Die Rochade betrifft damit gleich vier Schlüsselpositionen im Vertrieb der wichtigsten Konzernmarken.

Schwache Auslieferungen als Auslöser

Hintergrund des Umbaus sind enttäuschende Geschäftszahlen. Im ersten Halbjahr 2026 sanken die Auslieferungen des Konzerns um 6 Prozent, bei Audi fielen sie um 7 Prozent. Besonders schmerzhaft ist der Rückzug in den USA: Der Marktanteil rutschte von 4 auf 3 Prozent ab. Volkswagen hat dort zudem die Produktion des ID.4 im Werk Chattanooga eingestellt und musste Abschreibungen von 0,5 Milliarden Euro verbuchen. Die Personalrochade an der Vertriebsspitze ist damit eine direkte Reaktion auf die Absatzkrise in einem der wichtigsten Auslandsmärkte.

Auch der heimische Markt liefert keine Entlastung. Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes für Juli 2026 wuchsen die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland zwar insgesamt um 1,2 Prozent auf 268.068 Fahrzeuge, für Volkswagen ging es aber um 7,6 Prozent nach unten. Getragen wurde der Gesamtmarkt vor allem von Elektroautos: Batteriefahrzeuge legten dank Kaufprämie um 61,7 Prozent auf einen Marktanteil von 29,3 Prozent zu, während klassische Verbrenner deutlich verloren. Volkswagen konnte von diesem Trend im Juli nicht profitieren und blieb hinter der allgemeinen Marktentwicklung zurück.

An der Börse zeigt sich der Gegenwind in der Kursentwicklung. Die Volkswagen-Vorzugsaktie notiert aktuell bei 75,30 Euro und verliert am heutigen Donnerstag 1,21 Prozent. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von 27,70 Prozent, der Titel liegt zudem 18,27 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt. Zum 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro, das erst Anfang Juli markiert wurde, bleibt der Abstand mit 8,82 Prozent vergleichsweise gering.

Stellenabbau bei der Entwicklungstochter

Auch jenseits des Vertriebs baut Volkswagen um. Die Entwicklungstochter IAV streicht bis Ende 2027 rund 2000 der etwa 5000 Stellen und will danach mit 2970 Beschäftigten weiterarbeiten. Eine Einigung mit IG Metall und Betriebsrat schließt betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2028 aus, zudem ist ein Freiwilligenprogramm geplant. Die Standorte selbst bleiben erhalten: Gifhorn soll als Entwicklungszentrum gestärkt werden, in Berlin entsteht ein IT-Hub. Der Abbau bei IAV reiht sich damit in die umfassenderen Sparbemühungen des Konzerns ein, ohne die Entwicklungskapazitäten an sich infrage zu stellen.

Parallel zu den Belastungen zeigt der Konzern auch neue Geschäftsfelder. In Kassel erprobt Volkswagen erstmals ferngesteuerte Lkw auf Werksgelände und öffentlichen Straßen, um die Werklogistik effizienter zu gestalten und dem Fahrermangel zu begegnen. Zudem bietet die Energietochter Elli inzwischen Stromhandel für Dritte an und ist seit Abschluss der Testphase rund um die Uhr am Kurzfristmarkt aktiv. Solche Initiativen ändern kurzfristig wenig an der angespannten Absatzlage, signalisieren aber, dass Volkswagen abseits des klassischen Fahrzeuggeschäfts nach neuen Erträgen sucht.

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Volkswagen Aktie

75,56 EUR

– 0,52 EUR -0,68 %
KGV 7,35
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite 6,84 %
Marktkapitalisierung 38,43 Mrd. EUR
ISIN: DE0007664039 WKN: 766403

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