Volkswagen Aktie: Vier Werke zur Abstimmung am Donnerstag

Volkswagen erwägt die Schließung von vier Standorten und einen massiven Stellenabbau. Der Vorstand will die Pläne notfalls gegen den Aufsichtsrat durchsetzen.

Eduard Altmann ·
Volkswagen Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Schließung von vier Werken geplant
  • Stellenabbau könnte 100.000 Jobs betreffen
  • Vorstand will notfalls Aufsichtsrat überstimmen
  • VW-Aktie erholt sich von 52-Wochen-Tief

Vier Werke dicht machen. Bis zu 100.000 Jobs streichen. Notfalls den eigenen Aufsichtsrat überstimmen. Das ist der Plan, über den Volkswagens Vorstand an diesem Donnerstag entscheidet — und er sprengt alles, was der Konzern bisher angekündigt hat.

Am Dienstag schloss die VW-Aktie bei 75,78 Euro. Auf Wochensicht steht ein Plus von 7,64 Prozent, seit Jahresbeginn aber ein Minus von 28,58 Prozent. Erst am 1. Juli fiel das Papier auf ein 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro. Seither hat sich der Kurs um rund 9,5 Prozent erholt, bleibt aber 30,54 Prozent unter dem Rekordhoch vom Dezember.

Der Plan hinter der Sitzung

Auf der Streichliste stehen laut Medienberichten die VW-Standorte Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk Neckarsulm. Die Produktion dort könnte auslaufen, sobald die aktuellen Modelle nicht mehr gefertigt werden. Der Stellenabbau würde die bisher kommunizierten 50.000 Kürzungen bis 2030 deutlich übertreffen.

Brisant: Insidern zufolge könnte Vorstandschef Oliver Blume die Pläne notfalls über eine außerordentliche Hauptversammlung durchsetzen — auch gegen den Willen des Aufsichtsrats. Das Land Niedersachsen als zweitgrößter Aktionär und die Arbeitnehmervertreter haben bereits Widerstand angekündigt. Der Konflikt zwischen Vorstand und Kontrollgremium könnte damit eskalieren, noch bevor die Sitzung überhaupt beginnt.

Absatzkrise trifft auf chinesische Konkurrenz

Die Sparpläne kommen nicht aus heiterem Himmel. Volkswagen verkaufte im ersten Quartal 2026 weltweit 2,0 Millionen Fahrzeuge — 7 Prozent weniger als im Vorjahr. BMW musste im gleichen Zeitraum ebenfalls Rückgänge hinnehmen, verlor aber nur 3,5 Prozent und legte in Deutschland sogar um 7,0 Prozent zu.

Der eigentliche Druck kommt aus China. BYD steigerte seinen Absatz in Deutschland im ersten Quartal um über 600 Prozent auf 9.121 Neuzulassungen. Im April kamen bereits über 4.700 weitere Zulassungen hinzu. Tesla meldete für das zweite Quartal ein weltweites Absatzplus von 25 Prozent, in Deutschland stiegen die Neuzulassungen im Juni um 317,6 Prozent.

Porsche als zusätzliche Baustelle

Auch die Sportwagentochter Porsche kämpft. Seit Januar führt Michael Leiters, zuvor bei McLaren, das Unternehmen — Blume sollte sich dadurch voll auf den VW-Konzern konzentrieren können. Die Rechnung ging bislang nur bedingt auf: Porsche leidet unter schwacher Nachfrage in China und musste Projekte wie die Batterietochter Cellforce und Porsche eBike Performance einstampfen.

Die Kosten für den Strategiewechsel bei Porsche belaufen sich 2026 auf rund 3,1 Milliarden Euro. Der Sparkurs trifft auch Zulieferer: Porsche entzieht dem langjährigen Partner Weber Magdeburg zum Ende September alle Aufträge. Für das Unternehmen bedeutet das den wahrscheinlichen Weg in die Insolvenz ab Oktober — und für 140 Beschäftigte den Verlust ihrer Jobs.

Charttechnik zeigt Erholung unter Vorbehalt

Der RSI der VW-Aktie liegt bei 38,2 und signalisiert einen neutralen bis leicht überverkauften Zustand. Zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand minus 10,82 Prozent — der kurzfristige Abwärtstrend bleibt intakt. Die Erholung seit dem Tief Anfang Juli ändert daran bislang wenig.

Parallel zum Sparprogramm setzt Volkswagen auf neue Modelle. Der ID.3 Neo soll 2026 mit überarbeitetem Design, verbessertem Infotainment und einer Reichweite von bis zu 630 Kilometern kommen. Ob das reicht, um verlorene Marktanteile zurückzuholen, bleibt offen — der Verband der Automobilindustrie fordert derweil bereits tiefgreifende Reformen für die gesamte Branche.

Die Entscheidung fällt an diesem Donnerstag. Setzt sich der Vorstand durch, drohen vier deutschen Werken das Aus und der Belegschaft der größte Stellenabbau in der Firmengeschichte.

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