Volkswagen-Aktie: Wird das zweite Halbjahr zur Belastungsprobe?

Volkswagen kämpft mit gesenkter Audi-Prognose und schwacher Marge. Analysten sehen Chancen, doch die operative Rendite bleibt der kritische Faktor für die Aktie.

Dieter Jaworski ·
Modernes, atmosphärisches Automobil-Montageband in einer industriellen Fertigungshalle bei gedimmtem Licht. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Audi senkt Umsatz- und Margenprognose
  • Konzerngewinn bricht um 33 Prozent ein
  • China-Absatz fällt um 26 Prozent
  • Everllence-Verkauf soll Milliarden bringen

Ausgangslage

Volkswagen steckt mitten in einer schwierigen Phase der Neuordnung – und der Kalender treibt das Thema jetzt zusätzlich an. Erst am 27. Juli senkte die Tochter Audi ihre Guidance für 2026 deutlich: Statt der bislang höheren Erwartung rechnet Audi nun mit einem Umsatz von 58 bis 63 Milliarden Euro und einer operativen Marge von nur noch 5 bis 7 Prozent.

Als Begründung nennt Audi schwache Märkte in China und den USA sowie geopolitische Spannungen. Ein Analyst reagierte prompt und senkte das Kursziel für Volkswagen von 99 auf 90 Euro, beließ das Rating jedoch bei Buy.

Diese Nachricht trifft auf einen Konzern, der bereits mit den eigenen Quartalszahlen zu kämpfen hat. Das Konzernergebnis nach Steuern brach im zweiten Quartal um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro ein, belastet unter anderem durch rund 0,5 Milliarden Euro Kosten für den Produktionsstopp des ID.4 in Nordamerika.

Der China-Absatz fiel im selben Zeitraum um 26 Prozent auf 424.300 Fahrzeuge. Der Aktienkurs notiert aktuell bei 74,06 Euro und damit rund 32 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro aus dem Dezember. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 91,71 Euro beträgt der Abstand 19 Prozent – ein Signal, dass der Abwärtstrend strukturell und nicht nur ein kurzfristiger Ausrutscher ist.

Die entscheidende Frage

Für Anleger läuft fast alles auf eine Kennzahl hinaus: die operative Umsatzrendite. Der Konzern hält an seiner Guidance von 4,0 bis 5,5 Prozent für 2026 fest – trotz der Gewinnrückgänge bei Audi und im Konzern selbst. Im zweiten Quartal lag die operative Umsatzrendite bereits nur bei 4,2 Prozent, im ersten Quartal sogar nur bei 3,3 Prozent.

Ob Volkswagen im zweiten Halbjahr die Marge stabilisieren oder sogar anheben kann, entscheidet maßgeblich, ob die Aktie ihren Boden gefunden hat oder ob weitere Abwärtsrevisionen folgen. Bleibt die Rendite am unteren Rand der Spanne oder fällt sie darunter, dürfte der Markt das als Bestätigung werten, dass die China- und USA-Schwäche tiefer sitzt, als bislang eingepreist.

Bullisches Szenario

Für Optimisten gibt es durchaus Ankerpunkte. Der Auftragseingang bei Elektrofahrzeugen zeigt in Europa mit einem Plus von 50 Prozent im zweiten Quartal eine klare Erholungstendenz, und für die neue ID. Polo Family gingen innerhalb weniger Wochen mehr als 70.000 Bestellungen ein. Das operative Ergebnis im ersten Halbjahr insgesamt legte um 4,5 Prozent zu, getragen von Kostensenkungen im Overhead-Bereich.

Der geplante Verkauf von 51 Prozent der Beteiligung an Everllence an Bain Capital soll dem Konzern rund 7,4 Milliarden Euro einbringen, sofern die Genehmigungen bis Ende 2026 wie angestrebt vorliegen – Kapital, das die Bilanz stärken und Spielraum für die Transformation schaffen würde.

Der Analystenkonsens aus dem Juli sah im Durchschnitt ein deutlich höheres Kursziel als der aktuelle Kurs, getragen von der Mehrheit der Häuser mit Kaufempfehlung.

Bärisches Szenario

Die Risiken sind ebenso konkret. Volkswagen hat die Umsatzguidance für 2026 bereits von einer Spanne um null auf minus 3 bis 0 Prozent gesenkt – ein Rückschritt, der zeigt, dass die Visibilität abnimmt.

Die Personalfrage bleibt ungelöst: Der Aufsichtsrat konnte sich seit dem Ausscheiden von Gunnar Kilian nicht auf einen neuen Personalvorstand einigen, ein Machtkampf zwischen Arbeitnehmervertretern und Eigentümern schwelt weiter. Zusätzlich kursieren unbestätigte Gerüchte über eine Umbesetzung der Vertriebsspitze, die der Konzern bislang dementiert.

Strukturell drohen Werksschließungen in Dresden und Osnabrück sowie ein Stellenabbau von rund 35.000 Arbeitsplätzen bis 2030 – ohne Kündigungen, aber mit erheblichem sozialem Konfliktpotenzial. Die geprüfte Einführung eines Pick-up-Modells für den US-Markt ist bislang nichts weiter als eine Option innerhalb der überarbeiteten Konzernstrategie, kein beschlossenes Projekt.

Ausblick

Solange die operative Umsatzrendite in der Nähe der unteren Guidance-Grenze verbleibt und der Everllence-Deal ohne Verzögerung durchläuft, bleibt das bullische Szenario intakt – der Kurs notiert derzeit nur rund 7 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro, was für Anleger mit langem Atem als Einstiegsniveau gelten könnte.

Rutscht die Marge im dritten Quartal jedoch unter die 4-Prozent-Marke oder verzögern sich die Genehmigungen für Everllence, dürfte der Markt die Guidance erneut in Frage stellen.

Der nächste konkrete Prüfstein ist die Entscheidung des Aufsichtsrats über Sparpaket und Zielbild 2030, die für das Jahresende angestrebt wird – zusammen mit dem angestrebten Abschluss der Everllence-Genehmigungen dürfte dieser Termin darüber entscheiden, ob Volkswagen den Turnaround glaubhaft einleiten kann.

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Volkswagen Aktie

81,18 EUR

– 0,52 EUR -0,64 %
KGV 7,86
KUV 0,13
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite 6,44 %
Marktkapitalisierung 40,70 Mrd. EUR
Ø Kursziel 104,50 EUR
ISIN: DE0007664039 WKN: 766403

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