Vom Handelskonflikt zum Handelskrieg?

US-Präsident Trump kündigt 30% Zölle auf europäische Waren an, falls bis August keine Einigung erzielt wird. Die EU kritisiert die Drohung als kontraproduktiv.

Stephan Feuerstein ·
Stadtbild bei Sonnenaufgang, Finanzbezirk.

Kurz zusammengefasst

  • US-Zölle auf EU-Importe bis 1. August verschoben
  • Trump nutzt Zölle regelmäßig als politisches Druckmittel
  • Anleger zeigen sich zunehmend unbeeindruckt von Drohungen
  • EU verurteilt Vorgehen als Verhandlungsblockade

Während in der abgelaufenen Woche noch das „große schöne Gesetz“, wie es Donald Trump bezeichnet hat, die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich gelenkt hat, rücken nun die abermals verschobenen US-Zölle einmal mehr in den Fokus. Zwar hat der US-Präsident nach der ersten Verschiebung im April das Ablaufdatum Mitte vergangener Woche noch einmal bis zum 1. August in die Zukunft verschoben, weitere Verschiebungen soll es allerdings nicht geben. Am Aktienmarkt zeigten sich die Anleger erfreut darüber. Zudem wurde der Optimismus zusätzlich angeheizt, da Trump bis zum Wochenschluss noch keinen der angekündigten Zoll-Briefe geschrieben hat. Man nahm daraufhin an, dass es in Kürze zu einem Deal kommen wird. Am Wochenende hat Trump die Erhebung eines Einfuhrzolls von 30 Prozent auf europäische Produkte auf seiner Plattform „social truth“ verkündet, sollte es bis zum 1. August keine Einigung geben. Von Seiten der EU wurde die Vorgehensweise als kontraproduktiv verurteilt, da die Verhandlungen offenbar schon weit fortgeschritten waren und diese mit der erneuten Drohung nicht einfacher werden.

Politisch, militärisch, wirtschaftlich?

Da Trump Zölle allerdings gerne als Druckmittel beliebig verwendet, stellt man sich auch die Frage, wie belastbar eine tatsächliche Einigung sein wird. Zudem vermischt die amtierende US-Regierung politische, militärische und wirtschaftliche Interessen nach Belieben, so dass im Falle einer Erhebung einer Digitalsteuer (was vor allem US-Unternehmen treffen würde) bereits mit einem Austritt der USA aus der Nato gedroht wurde. Es wäre daher keine Überraschung, wenn nach dem Deal vor dem Deal wäre und es auch in der weiteren Amtszeit des amtierenden US-Präsidenten immer wieder Druck mit Zolldrohungen ausgeübt wird.

Anleger zeigen sich zunehmend unbeeindruckt!

Die Anleger erkennen allerdings eine Regelmäßigkeit im Verhalten Trumps, der nach Ankündigungen immer wieder einen Rückzieher macht. Dies führt dazu, dass das Risiko nach neuen US-Androhungen von den Marktteilnehmern immer weniger ernst genommen wird. Genau da könnte aber ein Problem entstehen. Sollten die Anleger davon ausgehen, dass Trumps Drohungen keinen Glauben mehr geschenkt werden kann, könnte er genau dies unter Beweis stellen. Dies dürfte dann aber eine ähnlich heftige Reaktion wie nach der ersten Ankündigung der „reziproken Zölle“ im April nach sich ziehen.

Stephan Feuerstein
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