Vonovia Aktie: Enteignungsangst nahe Mehrjahrestief
Ein Berliner Sondierungspapier sieht eine Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände vor; Vonovias Aktie notierte nahe ihrem Tief seit 2023.

Kurz zusammengefasst
- Vonovia und Deutsche Wohnen wären betroffen
- Entschädigung auf 16 Milliarden Euro begrenzt
- Aktie nahe dem Tief seit 2023
- Koalitionsgespräche könnten die Richtung bestimmen
Ein Sondierungspapier aus Berlin setzt den größten deutschen Vermieter unter Druck. Linke, Grüne und SPD wollen private Wohnungskonzerne ab einer bestimmten Bestandsgröße in Gemeineigentum überführen. Vonovia und die Tochter Deutsche Wohnen wären direkt betroffen.
Was im Papier steht
Konkret sollen Unternehmen mit mehr als 10.000 Wohnungen in der Hauptstadt nur diesen Grundbestand behalten dürfen. Der Rest soll gegen eine Entschädigung von höchstens 16 Milliarden Euro vergesellschaftet werden. Ob die Parteien tatsächlich Koalitionsverhandlungen aufnehmen, entscheiden Grüne und SPD in Kürze.
Die Aktie reagierte prompt. Im frühen Handel notierte sie nur wenige Cent über dem jüngsten Tief seit 2023 bei 16,185 Euro. Zeitweise rutschte sie noch näher an diese Marke, konnte die Verluste im Verlauf aber eingrenzen.
Hängepartie statt schneller Entscheidung
Am Markt rechnen viele mit einem Gang nach Karlsruhe. Sollte das Vorhaben politisch durchgesetzt werden, dürfte das Bundesverfassungsgericht darüber befinden. Anleger fürchten deshalb weniger einen schnellen Eingriff als eine jahrelange Unsicherheit, die Bewertung und Finanzierungsspielräume belasten könnte.
Die Analysten sehen allerdings erheblichen Abstand zum aktuellen Kurs. Die Kursziele von sechs Häusern liegen zwischen 20 und 34 Euro, im Mittel deutlich über dem Marktpreis. Das spricht dafür, dass viele Beobachter die Berliner Pläne nicht als dauerhafte Wertvernichtung einpreisen. Ob sich diese Sicht hält, hängt von den Koalitionsgesprächen ab.
Die Dividende lag zuletzt bei 1,25 Euro je Aktie, was bei dem gedrückten Kurs eine hohe Rendite ergibt. Auf Tradegate notierte das Papier am Morgen mit einem Minus von rund einem halben Prozent.
Als nächster fester Termin steht der Zwischenbericht zum dritten Quartal am 4. November an. Bis dahin dürften die Entscheidungen von Grünen und SPD über die Aufnahme der Koalitionsverhandlungen die Richtung vorgeben.
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