Vonovia Aktie: Jefferies kappt Kursziel auf 23 Euro
Jefferies reduziert die Bewertung für Vonovia, während politische Konflikte und gerichtliche Mietentscheidungen den Konzern belasten.
Kurz zusammengefasst
- Jefferies senkt das Kursziel auf 23 Euro
- Kaufempfehlung für Vonovia bleibt bestehen
- Aktie liegt nahe dem 52-Wochen-Tief
- Dresdner Gericht stoppt geplante Mieterhöhung
Trotz eines schwachen Marktumfelds traut das Analysehaus Jefferies dem Wohnungskonzern Vonovia mittelfristig eine spürbare Gegenbewegung zu. Die Experten kappten das Kursziel für den DAX-Titel gestern von 28,50 auf 23,00 Euro, hielten jedoch an ihrer Kaufempfehlung fest. Damit attestiert das Haus dem Bochumer Immobilienriesen weiterhin ein deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Bewertungsniveau.
Die Zurückhaltung der Analysten spiegelt die anhaltenden Belastungsfaktoren wider, die den gesamten Immobiliensektor seit Monaten prägen. Das neue Kursziel von 23,00 Euro markiert einen deutlichen Abschlag gegenüber der vorherigen Einschätzung. Die Wohnungspolitik und die Zinsentwicklung gelten branchenweit als wesentliche Unsicherheitsfaktoren.
Kurs bleibt nahe Jahrestief gefangen
Am Kapitalmarkt hinterlassen diese Rahmenbedingungen deutliche Spuren. Die Vonovia-Aktie ging gestern bei 16,65 Euro aus dem Xetra-Handel und weist seit Jahresanfang ein Minus von 32 Prozent auf. Der Titel notiert damit nur 2,9 Prozent über seinem am 8. Oktober markierten 52-Wochen-Tief von 16,18 Euro.
Die Skepsis der Investoren speist sich neben den Zinskosten vor allem aus regulatorischen Risiken in den Kernmärkten des Konzerns. Insbesondere in der Bundeshauptstadt Berlin sieht sich das Unternehmen nach wie vor einer aufgeladenen wohnungspolitischen Gemengelage gegenüber.
Dort erzielte Die Linke bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl im September 25,7 Prozent und forderte im Vorfeld möglicher Koalitionsgespräche mit SPD und Grünen erneut die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen gegen Entschädigung. Medienberichten zufolge betrifft diese Debatte mehr als 200.000 Einheiten im Berliner Stadtgebiet.
Politischer Gegenwind und juristische Bremsen
Dass die Fronten verhärtet bleiben, zeigte sich gestern auch auf personeller Ebene: Ein anberaumter Dialog zwischen Vonovia-Chef Luka Mucic und Linken-Chef Luigi Pantisano platzte kurzfristig, nachdem Streit über die Teilnahme eines Journalisten ausgebrochen war.
Während Die Linke von einer Hinhaltetaktik sprach, verwies Vonovia darauf, dass Medienvertreter bei der Terminanbahnung lediglich in Kopie gesetzt worden seien. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach lehnt Enteignungspläne dagegen weiterhin ab.
Zugleich zeigen sich auch bei Mieterhöhungen spürbare Bremsspuren. An verschiedenen Standorten stießen Forderungen des Konzerns zuletzt auf juristischen Widerstand. So wies das Amtsgericht Dresden eine Klage von Vonovia gegen eine Mieterin rechtskräftig ab, womit ein geplanter Anstieg der Monatsmiete von 669 auf 705 Euro hinfällig wurde.
Auch in Leipzig und Berlin-Tegel scheiterte der Vermieter an formalen Hürden bezüglich Heizkostenabrechnungen oder Zuschlägen für Nahverkehrsanbindungen. Anleger müssen daher abwägen, wie viel politisches und operatives Risiko in den aktuellen Kursen bereits eingepreist ist.
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