Vonovia Aktie: Linke bekräftigt Enteignungspläne
Vonovia verliert an der Börse, während Enteignungsforderungen in Berlin auf rechtliche Hürden treffen und das Zinsumfeld die Bewertung dämpft.

Kurz zusammengefasst
- Vonovia-Aktie fällt auf 17,41 Euro
- Linke bekräftigt Forderung nach Vergesellschaftung
- Enteignungspläne stoßen auf mehrere Hürden
- Bereinigtes EBITDA steigt um 2,4 Prozent
Die Aktien von Vonovia geben heute um 2,0 Prozent auf 17,41 Euro nach. Hintergrund der Zurückhaltung am Markt ist der Ausgang der Berliner Abgeordnetenhauswahl von gestern, aus der Die Linke mit 25,7 Prozent der Stimmen als Siegerin hervorging. Die Partei bekräftigte im Zuge des Wahlerfolgs ihre Forderung, große Wohnungsunternehmen zu vergesellschaften.
Hohe Hürden für Enteignungspläne
Die Hauptstadt hat für den Wohnungskonzern erhebliche Bedeutung. Im strategischen Bestand von Vonovia stehen rund 138.000 Berliner Wohnungen, die zur Jahresmitte mit etwa 23,5 Milliarden Euro bewertet waren. Die Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, fordert neben Enteignungen gegen Entschädigung auch einen Mietendeckel für landeseigene Wohnungen und beruft sich dabei auf den Volksentscheid aus dem Jahr 2021.
Marktbeobachter verweisen jedoch auf erhebliche rechtliche, finanzielle und politische Barrieren für derartige Vorhaben. Auch im politischen Berlin regt sich Widerstand: SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach äußerte am Wahlabend erhebliche Zweifel an der Umsetzbarkeit und erklärte, er gehe nicht davon aus, dass Enteignungen am Ende zustande kämen.
Der Wohnungskonzern setzt derweil auf Dialog. Vonovia-Chef Luka Mucic erklärte gegenüber Reuters, das Unternehmen stehe einer künftigen Berliner Landesregierung als konstruktiver Gesprächspartner zur Verfügung. Der Konzern verstehe sich bei der Wohnraumversorgung ausdrücklich als Teil der Lösung.
Belastendes Zinsumfeld dämpft Bewertung
Unabhängig von der Berliner Landespolitik steht die Immobilienbranche vor grundlegenden Herausforderungen durch das Zinsumfeld. Analyst Jonathan Kownator von Goldman Sachs stufte die Aktie am 7. September von Buy auf Neutral ab und reduzierte das Kursziel von 29,50 auf 21,20 Euro. Der Experte verwies auf eine vorsichtigere Stimmung auf Branchenkonferenzen infolge der Zinsentwicklung, wenngleich das Mietwachstum intakt bleibe.
Das operative Geschäft zeigte sich zuletzt robust. Im ersten Halbjahr 2026 steigerte Vonovia das bereinigte EBITDA um 2,4 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro, getragen von einer stabilen Vermietung. Detaillierte Einblicke in den weiteren Geschäftsverlauf folgen am 4. November 2026, wenn der Konzern die Zwischenbilanz für das dritte Quartal vorlegt.
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