Vonovia Aktie: Merz kontert Berlin
Nach dem Berliner Wahlergebnis fällt Vonovia, während Merz ein Bundesgesetz gegen Enteignungen anstrebt. Zinsen erhöhen den Druck zusätzlich.

Kurz zusammengefasst
- Linke erzielt 25,7 Prozent in Berlin
- Vonovia fällt zeitweise um 2,3 Prozent
- Merz bekräftigt geplantes Schutzgesetz
- Zehnjährige Bundesanleihen rentieren mit 3,47 Prozent
Der Wahlsieg der Linken in Berlin schickt die Vonovia-Aktie auf Talfahrt – und die Bundesregierung reagiert prompt mit einer Gegenoffensive. Kanzler Friedrich Merz bekräftigte am Montag Pläne für ein Bundesgesetz, das Enteignungen privater Wohnungskonzerne auf Landesebene verhindern soll. Ob das die Anleger wirklich beruhigt, ist eine andere Frage.
Berlin-Wahl belastet, Kanzler springt ein
Die Linke gewann die Abgeordnetenhauswahl in Berlin mit 25,7 Prozent deutlich. Spitzenkandidatin Elif Eralp macht daraus keinen Hehl: Sie will die Enteignung großer Wohnungskonzerne gegen Entschädigung zur zentralen Bedingung für Koalitionsverhandlungen machen – gestützt auf einen Volksentscheid aus dem Jahr 2021.
Die Vonovia-Aktie reagierte prompt. Im Tagesverlauf ging es um bis zu 2,3 Prozent nach unten, der Titel markierte mit 17,29 Euro sein tiefstes Niveau seit Juni 2023. Zum Handelsschluss blieb ein Minus von 1,2 Prozent, während der Dax um mehr als ein Prozent zulegte – ein klares Signal, dass der Ausverkauf vonovia-spezifisch war, nicht marktbreit.
Merz stellte sich am Wahlabend demonstrativ auf die Seite der Wohnungskonzerne. Das im Juli zwischen Union und SPD vereinbarte Gesetzesvorhaben solle „relativ schnell“ umgesetzt werden und private Wohnungsgesellschaften vor Vergesellschaftung auf Landesebene schützen. Dem Kanzler geht es dabei nach eigenen Worten auch um ein Signal an internationale Investoren: Deutschland enteigne kein privates Eigentum.
Zweifel an der Wirkung bleiben
Ob das Gesetz der Aktie nachhaltig hilft, ist fraglich. Die Linke dürfte das Thema unabhängig vom Bundesgesetz weiter politisch und medial vorantreiben – zumal offen ist, ob Eralp überhaupt regieren kann. Rechnerisch wäre auch ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD ohne die Linke möglich, SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach rechnet nicht mit einer Enteignung.
Hinzu kommt die geschwächte politische Position von Merz selbst nach jüngsten Wahlschlappen, was die Durchsetzung des Vorhabens erschweren könnte. Vonovia-Chef Luka Mucic positionierte sich derweil als Teil der Lösung und verwies auf den hochgefahrenen Neubau des Konzerns.
Belastend wirkt zusätzlich das Zinsumfeld: Zehnjährige Bundesanleihen rentieren mit 3,47 Prozent und werden damit zur ernsten Konkurrenz für Immobilienaktien. Goldman Sachs hatte bereits Anfang September seine Kaufempfehlung für Vonovia gestrichen und verwies trotz solider operativer Trends auf die Zinsbelastung.
Die Analysten-Kursziele liegen aktuell zwischen 20 und 34 Euro – eine große Spanne, die zeigt, wie unterschiedlich der Markt die politischen und finanziellen Risiken gewichtet.
Für die Vonovia-Aktie bleiben damit zwei Baustellen parallel offen: die politische Debatte um Enteignung in Berlin und der strukturelle Gegenwind durch steigende Zinsen. Beide Themen dürften den Kurs in den kommenden Wochen weiter prägen.
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