Vonovia Aktie: Pantisano macht Enteignung zur Koalitionsbedingung

Die Berliner Linke macht die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne zur Koalitionsbedingung. Vonovia-Aktie bleibt trotz stabiler Kursentwicklung politisch unter Druck.

Redaktion Stock-World ·
Moderne Wohnanlage in der Dämmerung als Symbol für die aktuelle Debatte zur Wohnungspolitik. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Linke fordert Enteignung als Koalitionsbedingung
  • Volksentscheid von 2021 bleibt zentrales Thema
  • Vonovia-Aktie trotz politischer Debatte stabil
  • Operative Fortschritte bei Vonovia erkennbar

Der Berliner Wahlkampf treibt Vonovia zurück in die politische Auseinandersetzung. Linken-Chef Luigi Pantisano bekräftigte im ZDF-Sommerinterview am Sonntag seine Forderung, große Wohnungskonzerne zu enteignen. Namentlich nannte er Vonovia und Deutsche Wohnen als Beispiele für Unternehmen, die Rendite über bezahlbaren Wohnraum stellten. Die Bürger hätten längst entschieden, dass sie das nicht wollten, so Pantisano – eine Anspielung auf den Volksentscheid vom 26. September 2021.

Linke macht Enteignung zur Koalitionsbedingung

Co-Parteichefin Ines Schwerdtner geht noch einen Schritt weiter: Für sie ist die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne eine Bedingung für eine etwaige Regierungsbeteiligung der Linken nach der Wahl. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach lehnt das ab und konterte, die Linke solle dann eben allein regieren. Pantisano selbst verweist darauf, dass Koalitionsverhandlungen ohnehin erst nach der Wahl geführt würden. Der Linken-Politiker führt die Partei seit Juni als Co-Vorsitzender, nachdem er auf dem Parteitag mit 53,3 Prozent Zustimmung gewählt wurde.

Krach sorgte am selben Tag für Aufsehen, als er vor dem Russischen Haus in Berlin mit einem Plakat provozierte: „Hier können wir enteignen, liebe Linke!“ – ein Seitenhieb, der laut RT DE die Debatte zusätzlich anheizte. Hintergrund bleibt der Volksentscheid von 2021, bei dem laut einem Bericht von t-online rund 59,1 Prozent der Berliner für eine Vergesellschaftung von Konzernen mit mehr als 3.000 Wohnungen stimmten – betroffen wären rund 220.000 Wohnungen. Der Berliner Senat hat die Umsetzung seither verschleppt. Im März 2026 verabschiedete das Parlament laut t-online ein Vergesellschaftungsrahmengesetz, das erst zwei Jahre nach Verkündung in Kraft treten soll. Eine tatsächliche Enteignung nach Artikel 14 des Grundgesetzes ermöglicht das Gesetz demnach nicht. Parallel arbeitet die Bundesregierung an einem Gesetz, das eine Verstaatlichung von Wohnraum auf Landesebene verhindern soll.

Politisch bleibt die Gemengelage unübersichtlich: In einer Umfrage von Anfang August liegt die Linke mit 21 Prozent knapp vor CDU (19 Prozent) und AfD (18 Prozent), während die SPD von Krach nur auf 12 Prozent kommt. Für Vonovia-Anleger bedeutet das: Ein politisches Risiko bleibt latent im Kurs eingepreist, auch wenn eine tatsächliche Enteignung angesichts der Gesetzeslage kurzfristig unwahrscheinlich erscheint.

Kurs zeigt sich stabil trotz Dauerthema

Die Börse reagierte am Freitag zunächst gelassen: Die Vonovia-Aktie schloss bei 21,07 Euro und legte im Tagesverlauf um 1,54 Prozent zu. Auf Jahressicht bleibt das Papier jedoch deutlich im Minus – seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 14,14 Prozent zu Buche. Die politische Dauerbelastung aus Berlin trifft damit auf einen Titel, der ohnehin unter Druck steht und sich mit rund 28 Prozent Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 29,24 Euro noch immer weit von früheren Niveaus entfernt bewegt.

Analysten sehen operative Verbesserung

Abseits der politischen Debatte verweist eine Analyse von Simply Wall St auf operative Fortschritte: Demnach stiegen Gewinn und Ergebnis pro Aktie von Vonovia im zweiten Quartal beziehungsweise ersten Halbjahr 2026. Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass die Aktie auf Basis dieser Ertragsentwicklung im Vergleich zu ihrem inneren Wert unterbewertet erscheint, auch wenn Kursziel und genaue Bewertungskennziffer nicht eindeutig zu beziffern sind. Für Anleger bleibt damit ein Spannungsfeld bestehen: operative Zahlen, die sich verbessern, stehen einem politischen Risiko gegenüber, das mit dem Berliner Wahlkampf weiter an Fahrt gewinnt. Wie stark sich dieses Risiko am Ende tatsächlich im Geschäft niederschlägt, hängt maßgeblich vom Ausgang der Wahl und der künftigen Koalitionsbildung im Roten Rathaus ab.

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Vonovia Aktie

16,70 EUR

+ 0,30 EUR +1,80 %
KGV 3,87
KUV 2,32
Sektor Liegenschaften
Div.-Rendite 7,62 %
Marktkapitalisierung 15,19 Mrd. EUR
Ø Kursziel 25,61 EUR
ISIN: DE000A1ML7J1 WKN: A1ML7J

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