Interviewmit Eduard Altmann

Vonovia Aktie: Während Berlin sondiert, müssen Wohnungsverkäufe Schulden senken

Eduard Altmann sieht den Wert von Vonovias Wohnungsbestand, knüpft ein faires Kursniveau aber an konsequenten Schuldenabbau.

Eduard Altmann ·
Interview mit Eduard Altmann über Vonovia
Im Bild: Eduard Altmann

Kurz zusammengefasst

  • Verkaufserlöse sollen Schulden reduzieren
  • Dividende darf Entschuldung nicht bremsen
  • Rund 25 Euro als fairer Wert
  • Berliner Vergesellschaftung bleibt politisch offen

In Berlin verhandeln Linke, Grüne und SPD über eine mögliche Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände. Vonovia plant zugleich Portfolioverkäufe, während höhere Zinsen die Finanzierung verteuern. Wie viel Spielraum bleibt da für die Dividende? Eduard Altmanns Blick auf die Verwendung der Verkaufserlöse ist hier besonders gefragt.

Vonovia (DE000A1ML7J1) — Schlusskurse 13.04.2026 bis 09.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 09.10.2026.

Vonovia (DE000A1ML7J1) — Schlusskurse 13.04.2026 bis 09.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 09.10.2026.

Stock World Redaktion: Angenommen, Vonovia verkauft Wohnungen in Milliardenhöhe und kann damit die Dividende halten: Wäre das ein Beleg für gutes Management?

Eduard Altmann: Nur wenn nach den Verkäufen auch die Schulden spürbar sinken. In einem knappen Wohnungsmarkt bringt der Bestand verlässliche Mieten; wer Wohnungen abgibt, verliert diese Einnahmen dauerhaft.

Der Zinsanstieg kommt von außen, die Verwendung der Erlöse liegt beim Management. Mucic hat Entschuldung angekündigt, doch seine Bilanz bei Vonovia ist noch zu kurz, um ihm dafür Vorschusslorbeeren zu geben. Die Dividende darf den Schuldenabbau nicht dirigieren.

Stock World Redaktion: Sie sagen: „Die Dividende darf den Schuldenabbau nicht dirigieren.“ Würde Vonovia mit einer Kürzung nicht gerade das Vertrauen beschädigen, das Mucic für seine Pläne braucht?

Eduard Altmann: Sie machen Vertrauen an einer Ausschüttung fest. Ich würde es daran messen, ob Vonovia nach einem Verkauf finanziell weniger verwundbar ist. Wegen der langen Zinsbindung schlagen höhere Finanzierungskosten nur allmählich durch; gerade diese Zeit sollte das Management nutzen. Eine gehaltene Dividende hilft wenig, wenn die Schuldenlast stehen bleibt.

Stock World Redaktion: In Berlin drängt die Linke nach ihrem Wahlsieg auf die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne. Die SPD lehnt das bisher ab. Wie weit trägt Ihre Rechnung, falls sich diese Haltung ändert?

Eduard Altmann: Die politische Unsicherheit gehört in die Bewertung. Derzeit bremst die SPD die Pläne, und zwischen Sondierungen und einer Umsetzung liegt ein erheblicher Weg. Meine Einschätzung müsste ich aufgeben, sobald die SPD einen verbindlichen Weg zur Vergesellschaftung mitträgt. Dann wäre der Berliner Bestand anders zu beurteilen.

Stock World Redaktion: Welchen Wert hat Vonovias Wohnungsbestand für Sie angesichts der Schulden und der begrenzten Möglichkeiten, Mieten anzuheben?

Eduard Altmann: Mein faires Niveau liegt auf Sicht von zwölf Monaten bei rund 25 Euro, praktisch beim Analysten-Konsens. Dahinter steht ein belastbares Vermietungsgeschäft: Wohnraum ist knapp, und Vonovias Größe hilft bei Verwaltung und Instandhaltung.

Die Mietregeln begrenzen jedoch, was sich daraus verdienen lässt. Bei rund 40 Milliarden Euro Nettofinanzschulden ist das faire Niveau für mich an konsequente Entschuldung gebunden. Ohne sie bleibt auch ein guter Bestand teuer finanziert.

Stock World Redaktion: Buch verkaufte kurz vor seinem Abschied Aktien, und Mucic hat bei Vonovia noch kaum eine eigene Bilanz. Geben Sie dem neuen Chef zu viel Kredit?

Eduard Altmann: Blindes Vertrauen wäre fehl am Platz. Buchs Verkauf vor dem Abschied sagt mir wenig über Vonovias heutige Lage. Bei Mucic zählt, wohin das Geld aus den Wohnungsverkäufen tatsächlich fließt. Worte entschulden niemanden.

Stock World Redaktion: Wenn Sie rund 25 Euro nur bei konsequenter Entschuldung für fair halten: Wie lautet Ihr Urteil über Vonovia heute?

Eduard Altmann: Vonovias Wohnungen sind ein starkes Geschäft. Den Ausschlag gibt für mich jetzt die Mittelverwendung, und dafür fehlt unter Mucic noch der Beleg. Ich sehe erheblichen Wert im Bestand, gewichte die Schuldenfrage aber höher als das Dividendenversprechen.

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Vonovia Aktie

16,35 EUR

+ 0,01 EUR +0,03 %
KGV 3,72
KUV 2,39
Sektor Liegenschaften
Div.-Rendite 7,71 %
Marktkapitalisierung 14,87 Mrd. EUR
Ø Kursziel 25,98 EUR
ISIN: DE000A1ML7J1 WKN: A1ML7J

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