Vonovia Aktie: Zins-Schock zur Halbzeit?

Vonovia bewertet Immobilienportfolio neu. Höhere Zinsen könnten Substanzwert belasten. Halbjahreszahlen am 5. August als Richtungsentscheid.

Dr. Robert Sasse ·
Vonovia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Portfolio-Neubewertung Ende Juni
  • EZB-Zinserhöhung belastet Immobilienwerte
  • Operatives Geschäft zeigt Stabilität
  • Halbjahresbericht am 5. August

Ende Juni bewertet Vonovia sein gesamtes Immobilienportfolio neu. Das Timing ist heikel. Erst Mitte Juni hat die Europäische Zentralbank die Zinsen angehoben. Der Einlagensatz liegt nun bei 2,25 Prozent.

Höhere Zinsen drücken den rechnerischen Wert von Immobilien. Genau das muss die anstehende Halbjahresbilanz abbilden. Die Aktie reagierte zuletzt mit einem leichten Kursanstieg auf 21,28 Euro. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein klares Minus von fast 12 Prozent auf der Anzeigetafel. Vom 52-Wochen-Hoch bei gut 30 Euro ist das Papier weit entfernt.

Die entscheidende Frage: Wie tief fällt der Substanzwert?

Im Zentrum steht der Nettovermögenswert. Ende des ersten Quartals wies Vonovia hier gut 46 Euro je Aktie aus. Beim aktuellen Kurs wird die Aktie mit einem massiven Abschlag gehandelt.

Steigende Marktzinsen entwerten Immobilienportfolios direkt über höhere Diskontierungssätze. Wie stark schlägt der jüngste Zinsschritt der EZB nun durch? Die Börse rätselt, ob der extreme Substanzabschlag stabil bleibt oder sich weiter vergrößert. Die Antwort liefert der Halbjahresbericht. Er wird auch offenlegen, ob Vonovia die steigenden Zinslasten kontrollieren kann.

Bullisches Szenario: Starkes Fundament, knapper Wohnraum

Das operative Geschäft sendet bislang keine Krisensignale. Im ersten Quartal stiegen die Mieten organisch um vier Prozent. Die Auslastung lag bei fast 98 Prozent. Fast alle Mieter zahlen pünktlich.

Für das Gesamtjahr peilt das Management ein operatives Ergebnis von rund drei Milliarden Euro an. Strukturell profitiert der Konzern vom deutschen Wohnungsmangel. Experten erwarten für dieses Jahr nur gut 200.000 neue Wohnungen. Benötigt werden laut Studien weit über 300.000.

Die Folge: Städtische Mieten dürften weiter steigen. Wertet Vonovia das Portfolio im Juni nur moderat ab, könnte sich der aktuelle Kursabschlag als übertrieben erweisen. Die Ratingagentur S&P stützt diese These mit einer stabilen Bonitätsnote.

Bärisches Szenario: Teure Schulden, verfehlte Ziele

Auf der anderen Seite türmt sich ein massiver Schuldenberg. Kurzfristig werden Anleihen im Wert von 2,3 Milliarden Euro fällig. Bis Ende 2027 klettert dieser Berg auf über fünf Milliarden Euro.

Jede Refinanzierung zu den nun höheren Zinsen kostet direkt Gewinn. Das zeigte sich bereits Anfang des Jahres. Der bereinigte Gewinn sank um gut sieben Prozent auf 365 Millionen Euro. Die Zinslast frisst das operative Wachstum auf.

Außerdem verfehlt Vonovia eigene Langfristziele. Das Verhältnis von Nettoschulden zu operativem Gewinn liegt bei 13,7. Angepeilt ist ein Wert unter 12. Auch die Verschuldungsquote von über 45 Prozent reißt die internen Vorgaben. Ein neues Finanzierungsinstrument schürt parallel dazu Verwässerungsängste bei Aktionären.

Ausblick: Der August als Scheideweg

Solange das Mietgeschäft wächst und die Wohnungen voll sind, bricht das operative Fundament nicht weg. Entscheidend wird das Ausmaß der anstehenden Portfolio-Abwertung. Kippt der Substanzwert massiv nach unten, lässt sich der Bewertungsabschlag an der Börse kaum noch aufholen.

Am 5. August präsentiert Vonovia die Halbjahreszahlen. Der Markt wird genau auf den Verschuldungsgrad und die Finanzierungskosten schauen. Ein kurzfristiger Risikofaktor bleibt die nächste EZB-Sitzung im Juli.

Experten preisen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 37 Prozent für einen weiteren Zinsschritt ein. Für Vonovia käme das zur absoluten Unzeit. Hält der Portfoliowert den aktuellen Zinsen jedoch stand, könnte die derzeitige Kursschwäche eine übertriebene Risikoprämie darstellen.

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Vonovia Aktie

21,44 EUR

+ 0,76 EUR +3,68 %
KGV 5,11
Sektor Liegenschaften
Div.-Rendite 5,99 %
Marktkapitalisierung 17,20 Mrd. EUR
ISIN: DE000A1ML7J1 WKN: A1ML7J

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