Vulcan Energy Aktie: 46 Prozent unter Oktober-Hoch
Vulcan Energy treibt das Lionheart-Projekt voran, doch die Aktie verliert weiter an Wert. Finanzierung und Abnahmeverträge sind gesichert.

Kurz zusammengefasst
- Bohrung LSC-2 erreicht Zieltiefe
- Finanzierungspaket über 2,2 Milliarden Euro
- 72 Prozent der Produktion abgesichert
- Hochtief und VanEck erhöhen Anteile
Operativer Fortschritt auf der einen Seite, anhaltender Verkaufsdruck auf der anderen. Vulcan Energy Resources liefert beim Lionheart-Lithiumprojekt in Deutschland Meilenstein für Meilenstein — doch die Aktie notiert bei 2,14 Euro, rund 46 Prozent unter ihrem Oktober-Hoch von 3,98 Euro.
Bohrungen laufen, Elektrolyseanlage entsteht
Die sechste Bohrung am Standort, LSC-2, hat ihre Zieltiefe von 3.000 Metern erreicht. Fertigstellungsarbeiten und Fließtests stehen noch im laufenden Quartal an. Produktionsbohrung LSC-1 liefert bereits Förderraten von 105 bis 125 Litern pro Sekunde.
Im Industriepark Höchst in Frankfurt installiert Vulcan derzeit einen kommerziellen Elektrolyseur. Parallel laufen Arbeiten am Standort Landau. Die Bohrtochter Vercana plant, in der zweiten Hälfte 2026 ein zweites Bohrgerät in Betrieb zu nehmen. Produktionsstart: zweite Hälfte 2028.
2,2 Milliarden Euro — aber mit Bedingungen
Ende Mai 2026 schloss Vulcan das Finanzierungspaket für Lionheart ab. Das Volumen beträgt 2,2 Milliarden Euro. Es setzt sich zusammen aus rund 1,185 Milliarden Euro Fremdkapital, 529 Millionen Euro Eigenkapital und 204 Millionen Euro staatlichen Zuschüssen. Hinzu kommen 364 Millionen Euro an Liquiditätsreserven in der Bilanz.
Zu den Kreditgebern zählen die Europäische Investitionsbank, fünf Exportkreditagenturen — darunter Bpifrance und Export Finance Australia — sowie sieben Geschäftsbanken wie BNP Paribas, ING und UniCredit.
Das Kapital fließt nicht auf einmal. Abrufe sind an konkrete Fortschritte in Beschaffung, Bau und Inbetriebnahme geknüpft. Jede Verzögerung trifft die Liquidität direkt.
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Abnahmeverträge sichern Erlöse
Rund 72 Prozent der geplanten Produktion sind bereits über Festpreis- oder Mindestpreisverträge abgesichert. Stellantis hat 128.000 Tonnen über zehn Jahre gesichert. LG Energy Solution nimmt 31.000 Tonnen über sechs Jahre ab, Umicore ebenfalls 23.000 Tonnen im gleichen Zeitraum, Glencore zwischen 36.000 und 44.000 Tonnen über acht Jahre.
Die EU hat Lionheart als strategisches Projekt unter dem Critical Raw Materials Act eingestuft. Das beschleunigt Genehmigungsverfahren und öffnet weitere Finanzierungswege. Rhineland-Pfalz hat die Lithiumförderabgabe bis 2030 ausgesetzt.
Hochtief im Aufsichtsrat, VanEck stockt auf
Hochtief hat seine Präsenz in Vulcans Führungsgremium ausgebaut. Roberto Gallardo, Chefstratege des Baukonzerns, wurde in den Vorstand gewählt. Hochtief hatte im Dezember 2025 rund 169 Millionen Euro investiert und hält nun 15,4 Prozent der Anteile.
VanEck Associates hat seinen Anteil auf 6,06 Prozent erhöht — das entspricht knapp 29 Millionen Aktien.
Kurs läuft dem Projekt hinterher
Die Aktie erzählt eine andere Geschichte. Seit Jahresbeginn hat sie rund 18 Prozent verloren und notiert deutlich unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 2,61 Euro. Die Kassenbestände sanken von 523 Millionen Euro Ende des Vorquartals auf 364 Millionen Euro zum 31. März — weitere 63 Millionen Euro stecken in Sicherheitsleistungen und gesperrten Mitteln.
Die nächsten Impulse kommen aus dem Kalender: LSC-2-Fließtestergebnisse werden im zweiten Quartal erwartet, das Quartalsupdate für den Juni-Zeitraum folgt am 30. Juli, der Halbjahresbericht am 11. September. Niedrigere Zinsen — die EZB tagt am 10. und 11. Juni — würden die Kapitalkosten für ein langfristiges Infrastrukturprojekt wie Lionheart spürbar senken und könnten die Bewertung stützen. Bis dahin bleibt der Markt skeptisch, obwohl das Projekt operativ auf Kurs liegt.
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