Während Bayer glänzt, reißt TeamViewer die Softwarewerte mit

TeamViewer senkt die Umsatzprognose, während Bayer nach einem Gewinnanstieg höhere Jahresziele für operativen Gewinn und Barmittelzufluss setzt.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • TeamViewer erwartet 2026 leicht sinkende Umsätze
  • MWB Research stuft TeamViewer auf Halten
  • Infineon und Qualcomm vereinbaren Fahrzeugtechnik
  • Bayer erhöht Ziele für Gewinn und Barmittelzufluss

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

der Markt bewertet die Ausblicke der Unternehmen heute höchst unterschiedlich. Gekappte Prognosen bei TeamViewer und Hugo Boss treffen die Börse dort, wo deutsche Depots besonders schwer gewichtet sind: bei Software und Konsum. Zalando zeigt, dass Umsatz allein keine Marge rettet.

Den Gegenpol liefert Bayer mit angehobenen Jahreszielen. Dazwischen ordnet sich die Autowelt neu, und morgen steht BMW auf dem Prüfstand. Heute straft der Markt ganze Branchen, wo nur einzelne Firmen schwächeln. Genau dort lohnt sich der zweite Blick.

TeamViewer zieht die Software nach unten

TeamViewer hat die Umsatzprognose gekappt, und die Börse reagiert hart. Die Aktie verliert im Verlauf 26 Prozent und ist nicht weit von ihrem Rekordtief aus dem April entfernt. Statt zu wachsen, soll der Umsatz 2026 nun währungsbereinigt leicht sinken.

Firmenchef Oliver Steil verweist auf Investitionszurückhaltung, einen verzögerten US-Staatsauftrag und Schwäche in Europa. MWB Research streicht die Kaufempfehlung, stuft auf Halten ab und senkt das Kursziel von 8,90 auf 7,00 Euro. Begründet wird das mit wachsender KI-Konkurrenz. Die DZ Bank sieht Abwanderungen bei Großkunden.

Der Markt bestraft zugleich den ganzen Sektor: SAP verliert gut zwei Prozent, Nemetschek knapp vier Prozent. Sitzt SAP damit im selben Boot? Nein, denn TeamViewer verliert Kunden an KI-Werkzeuge, während SAP die Plattform verkauft, auf der diese Werkzeuge laufen. Wer beide in einen Topf wirft, verwechselt Sippenhaft mit Analyse.

Mode verkauft sich, aber nur mit Rabatt

Hugo Boss senkt sein Ziel für den operativen Gewinn 2026 auf 250 bis 300 Millionen Euro. Das liegt deutlich unter dem Wert des Vorjahres. Schon im dritten Quartal ging der Umsatz zurück, bei der Marke HUGO besonders stark.

Gibt es Lichtblicke? Immerhin bleibt Hugo Boss vom Umsatz nach Abzug der Warenkosten mehr übrig als zuvor, und die Lager wurden spürbar abgebaut. Mehrheitsaktionär Frasers Group hält allerdings direkt 50,08 Prozent und hat sich über Finanzinstrumente weitere Anteile gesichert. Bei dieser Eigentümerstruktur sind nur wenige Aktien frei handelbar, die Kursfantasie ist entsprechend begrenzt.

Warum fällt Zalando, obwohl der Umsatz über den Erwartungen lag? Der Grund ist die Rohertragsmarge, also der Anteil am Umsatz, der nach den Warenkosten übrig bleibt. Sie fiel im dritten Quartal auf 38,7 Prozent, rund zwei Prozentpunkte weniger als im Vorquartal. Dazu passt der deutsche Einzelhandel, dessen Umsätze im September real sanken, während der Onlinehandel zulegte.

Das Muster dahinter: Die Kunden kaufen, aber nur mit Rabatt. Das drückt bei Modehändlern auf die Marge, egal ob stationär oder online.

Der Wert im Auto wandert zum Chip

Infineon und Qualcomm haben heute eine Technikvereinbarung für Zentralrechner in softwaredefinierten Fahrzeugen geschlossen. Gemeint sind Autos, deren Funktionen weitgehend über Software gesteuert werden. Ein Sicherheitsbaustein von Infineon überwacht dabei die Qualcomm-Plattform Snapdragon Ride, dazu liefert Infineon Stromversorgungschips, Ethernet-Bausteine und Speicher.

Die Infineon-Aktie gewinnt im Verlauf 3,5 Prozent, nachdem sie zuvor in kurzer Zeit 17 Prozent verloren hatte. Vom Juni-Hoch ist sie weiterhin weit entfernt. Die Kooperation zeigt, wohin die Wertschöpfung im Auto wandert: zum Chip und zur Software, weg von der klassischen Mechanik.

Morgen früh berichten BMW und Continental, und die Erwartungen an BMW sind niedrig. Im Automobilgeschäft erwarten die Analysten eine Marge weit unter dem eigenen Zielkorridor. Der operative Konzerngewinn soll laut Konsens auf rund 1,7 Milliarden Euro fallen, etwa 24 Prozent weniger als im Vorjahresquartal.

Bayer und Mercedes gehen in zwei Richtungen

Bayer liefert heute den Kontrast zur Tristesse bei Software und Konsum. Nach einem Gewinnanstieg im dritten Quartal hebt Konzernchef Bill Anderson die Jahresziele für den operativen Gewinn und den Barmittelzufluss an. Die Aktie springt im Verlauf um knapp acht Prozent und markiert mit 54,00 Euro den höchsten Stand seit einem Jahr.

Kommt man jetzt noch rechtzeitig? Binnen zwölf Monaten hat sich der Bayer-Kurs mehr als verdoppelt, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 45 Prozent. Wer heute einsteigt, zahlt den vollen Preis für eine Erholung, die an der Börse bereits weitgehend eingepreist ist.

Mercedes-Benz räumt derweil im Nebengeschäft auf und verkauft sein europäisches Ladenetz an den Betreiber Electra. Der übernimmt 47 Ladeparks, die Standorte in Nordamerika und China bleiben vorerst bei Mercedes. Die Aktie notiert leicht im Minus und nicht weit über ihrem Jahrestief vom 8. Oktober. Seit Jahresbeginn hat sie 32 Prozent verloren, passend zu einer Branche, die ihr Kapital auf das Kerngeschäft konzentriert.

Unterm Strich

Heute wurde jeder Ausblick genau gewogen. TeamViewer wurde für die gesenkte Prognose hart bestraft, Bayer für die angehobene belohnt. Bei Software lohnt die Unterscheidung zwischen Firmen, die Kunden an KI verlieren, und den Plattformen dahinter. Bei Bayer steckt dagegen schon viel Zuversicht im Kurs.

Morgen zeigt sich mit BMW, Continental, Fresenius, Vonovia und Qualcomm, ob die Schwäche im Automobilsektor ein Einzelfall bleibt. Am Donnerstag folgt der Auftragseingang der Industrie für September: Nach einem Einbruch von 10,6 Prozent im August erwarten Volkswirte ein Plus von 4,3 Prozent. Dazu kommt heute Nacht das Ergebnis der US-Zwischenwahlen, das die Richtung an der Wall Street vorgeben wird.

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Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann

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