Während der DAX auf der Stelle tritt, fordert Vaxcyte Pfizer und Merck heraus

VAX-31 erfüllt die Studienziele; zugleich vereinbaren Roche, GE HealthCare und Novartis milliardenschwere Healthcare-Deals.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • VAX-31 übertrifft Vergleichsimpfstoffe bei vier Serotypen
  • Vaxcyte-Aktie steigt zeitweise um 57 Prozent
  • Roche-Tochter erhält weltweite AL050-Rechte
  • Novartis schließt Lizenzdeal über bis zu 7,775 Milliarden Dollar

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

ein Biotech-Unternehmen mit gut 8 Milliarden Dollar Börsenwert stellt heute zwei Pharmariesen in den Schatten. Vaxcyte hat mit seinem Pneumokokken-Impfstoff VAX-31 alle primären Ziele der zulassungsrelevanten Phase-3-Studie erreicht, die Aktie sprang zeitweise um mehr als die Hälfte.

Dazu kommen drei weitere Healthcare-Transaktionen mit Roche, GE HealthCare und Novartis als Akteuren. Während Europas Börsen richtungslos um die 25.000er-Marke im DAX pendeln, entsteht die Kursfantasie heute in Laboren und bei Lizenzverträgen.

Vaxcyte: Ein 31-fach-Impfstoff fordert die etablierten Produkte heraus

Der Datensatz ist so sauber, wie ihn sich Investoren nur wünschen können. Die Studie OPUS-1 mit 4.047 Teilnehmern zeigte für VAX-31 bei allen 28 geteilten Serotypen eine Nicht-Unterlegenheit gegenüber Prevnar 20 von Pfizer und Capvaxive von Merck. Bei drei eigenen Serotypen plus dem Stamm 20B erreichte der Kandidat sogar Überlegenheit. Das Sicherheitsprofil war vergleichbar, schwere impfstoffbedingte Nebenwirkungen gab es nicht.

Die Vaxcyte-Aktie stieg am Montag im frühen US-Handel zeitweise um bis zu 57 Prozent, nachdem vor den Daten rund 10 Prozent des Streubesitzes leerverkauft waren. Guggenheim hob das Kursziel von 116 auf 125 Dollar an und bleibt bei „Buy“. Jefferies-Analyst Roger Song sieht den Markt für Erwachsenen-Impfstoffe bei 3 bis über 6 Milliarden Dollar.

Wer jetzt einsteigt, kauft allerdings einen langen Zeitplan. Weitere Phase-3-Daten aus OPUS-2 und OPUS-3 folgen erst im ersten Halbjahr 2027. Den Zulassungsantrag in den USA plant Vaxcyte für das erste Halbjahr 2028. Die eigentliche These lautet daher nicht „Umsatz ab morgen“, sondern: Vaxcyte hat sich mit einem einzigen Datensatz vom spekulativen Entwickler zum potenziellen Übernahmeziel für genau jene Konzerne gewandelt, deren Produkte es gerade geschlagen hat.

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Roche, GE HealthCare, Novartis: Drei Deals, ein Muster

Die Großen kaufen heute gezielt Zugang statt ganze Firmen. Roche-Tochter Genentech sichert sich die weltweiten Rechte am Parkinson-Wirkstoff AL050 von Alector. Alector erhält 100 Millionen Dollar vorab und bis zu 1,17 Milliarden Dollar an Meilensteinzahlungen plus gestaffelte Lizenzgebühren.

Die Alector-Aktie legte vorbörslich um 55 Prozent zu, die Finanzierung des Unternehmens reicht nun bis 2029 statt 2027. Ein Webinar zur Pipeline ist für den 13. Oktober angesetzt.

GE HealthCare zahlt 945 Millionen Dollar in bar für SOFIE Biosciences, einen Hersteller radioaktiver Substanzen für die Bildgebung. GE HealthCare bekommt damit 15 Produktionsstandorte mit 21 Zyklotronen in den USA und die US-Rechte am Phase-III-Tracer FAPI-74. Der Abschluss ist für das erste Halbjahr 2027 geplant, bereits im ersten vollen Jahr soll der Zukauf das Ergebnis je Aktie bereinigt steigern.

Den größten Scheck schreibt Novartis. Novartis hat mit dem chinesischen mRNA-Spezialisten Abogen Biosciences eine Lizenzpartnerschaft mit einem Gesamtwert von bis zu 7,775 Milliarden Dollar geschlossen – ein Rekord für chinesische mRNA-Auslizenzierungen. Bank of America erwartet zudem höhere Umsätze von Novartis im dritten Quartal.

Die Novartis-Aktie notiert aktuell bei knapp über 125 Euro leicht im Plus, liegt auf Monatssicht aber noch rund 9 Prozent zurück. Für Anleger im Pharmasektor zeigt der Tag: Die Bilanzen der Konzerne werden in frühe Pipeline-Optionen investiert, nicht in teure Komplettübernahmen.

Deutsche Telekom: 2,5 Milliarden Euro KI-Einsparung und ein Angreifer mit 10-Euro-Tarif

Die Deutsche Telekom will ihre indirekten Kosten bis 2030 um rund 2,5 Milliarden Euro unter das Niveau von 2023 drücken, als Zwischenziel gelten 1,1 Milliarden Euro bis 2027. Der KI-Umsatz mit Geschäftskunden soll von rund 250 Millionen Euro in diesem Jahr auf 800 Millionen Euro zum Ende des Jahrzehnts wachsen.

Im ersten Halbjahr 2026 wickelte ein KI-Chatbot bereits 2,6 Millionen Kundenservice-Anrufe ab. Bei T-Mobile US sank das Anrufaufkommen um 55 Prozent. Mit Nvidia und SAP plant die Telekom über 1 Milliarde Euro Investitionen in eine „Industrial AI Cloud“ in München.

Goldman Sachs senkte das Kursziel zwar von 40 auf 38 Euro, bestätigte aber „Buy“ und wertet die höheren Sparziele als kurspositiv. Die Telekom-Aktie reagiert bislang verhalten und notiert bei rund 26,70 Euro, nach einem Minus von gut 6 Prozent auf Monatssicht.

Interessant ist die Flanke: Ex-Aufsichtsrat Lars Hinrichs startet mit Simsalasim einen Mobilfunkanbieter für 10 Euro im Monat mit unbegrenztem Datenvolumen in rund 100 Ländern, rein per eSIM im Telefónica-Netz.

Simsalasim beschäftigt rund zwei Dutzend Mitarbeiter und zahlt knapp 80.000 Euro monatlich für KI-Dienste, die rund 100 Programmierer ersetzen. Die Telekom nutzt KI, um Kosten zu senken – Hinrichs nutzt sie, um den Preis zu senken, und genau diese zweite Lesart erklärt, warum der Markt die Milliarden-Sparziele bislang nicht feiert.

Freeport-McMoRan: Grasberg kommt zurück, Kupfer über 6,50 Dollar

Der Kupferriese meldet Fortschritte an seiner wichtigsten Baustelle. Freeport-McMoRan produzierte im dritten Quartal rund 830 Millionen Pfund Kupfer und 230.000 Unzen Gold.

Verkauft wurden voraussichtlich nur rund 750 Millionen Pfund Kupfer und 100.000 Unzen Gold, unter anderem weil 60.000 Unzen aus Indonesien ins vierte Quartal rutschen. Der realisierte Kupferpreis soll über 6,50 Dollar je Pfund liegen, die Netto-Cashkosten etwa 5 Prozent über der Juli-Schätzung von 2 Dollar.

Die Mine Grasberg läuft nach dem Vorfall vom September 2025 mit rund 140.000 Tonnen Erz pro Tag wieder auf 67 Prozent des alten Niveaus. Bis Mitte 2027 sollen 80 Prozent erreicht werden, bis Ende 2027 die volle Kapazität. Die Schmelze in Indonesien wurde Ende August neu gestartet.

Für Kupfer-Anleger ist das die zentrale Botschaft: Das Angebot aus der größten Störung des Marktes kehrt planmäßig zurück, doch die Preisspanne über 6,50 Dollar hält trotzdem – ein Hinweis darauf, wie knapp das Metall tatsächlich ist. Die vollständigen Quartalszahlen folgen am 27. Oktober, eine Entscheidung zur Verdopplung der Mine Bagdad bis Jahresende.

E-Autos boomen, Tesla legt um 268,7 Prozent zu, die Autobauer verzagen

Die Kaufprämie füllt die Zulassungsstatistik, aber nicht die Stimmung der deutschen Hersteller. Im September wurden in Deutschland 88.599 reine Elektroautos neu zugelassen, ein Plus von 94,7 Prozent zum Vorjahr und ein Marktanteil von 34,5 Prozent. Benziner brachen um 29,2 Prozent ein, Diesel um 20,1 Prozent.

Tesla steigerte seine Zulassungen um 268,7 Prozent auf 12.552 Fahrzeuge, BYD legte um 85,6 Prozent zu. Volkswagen verlor als Marktführer 6,1 Prozent. Bereits 100.000 Anträge auf die staatliche Kaufprämie von bis zu 6.000 Euro sind bewilligt, weniger als 15 Prozent entfallen auf chinesische Hersteller.

Gleichzeitig brach das Ifo-Geschäftsklima der deutschen Autoindustrie im September um 13 Punkte auf minus 35 ein. Nachfrage und Stimmung laufen also auseinander, und der Grund steht in den Marktanteilen: Die Prämie wirkt, aber sie wirkt für ausländische Marken fast so stark wie für deutsche.

Tesla meldete zudem weltweit 486.532 Auslieferungen im dritten Quartal, 5 Prozent über dem Konsens, aber 2 Prozent unter dem Vorjahr. Die Tesla-Aktie legt am Montag um rund 2 Prozent zu und liegt auf Monatssicht etwa 10 Prozent vorn, im Jahr bleibt ein Minus von 14 Prozent.

Unterm Strich

Dieser Montag zeigt ein klares Muster: Bewegung entsteht dort, wo ein einzelner Datenpunkt eine Bewertung neu sortiert, nicht im Index. Die kommenden Wochen bringen Termine mit Hebel. ASML legt am 14. Oktober Zahlen vor, der Konsens erwartet einen Gewinnsprung von 94 Prozent je Aktie zum Vorjahresquartal.

Die US-Berichtssaison beginnt mit PepsiCo, die Großbanken folgen in der Woche darauf, Freeport am 27. Oktober. Dass der Euro am Montag erstmals seit Mai 2025 unter 1,12 Dollar fiel, stützt die Dollar-Erlöse von Vaxcyte bis Freeport in Euro-Depots – und erklärt, warum amerikanische Einzelgeschichten derzeit mehr bewegen als europäische Indizes.

Beste Grüße,

Ihr Eduard Altmann

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