Während der DAX feiert, bröckelt bei der Commerzbank die Zinsmarge
Höhere Einlagenkosten belasten die Commerzbank-Marge; bei Diageo stützt ein besser als erwartetes Umsatzwachstum den Kurs.

Kurz zusammengefasst
- Commerzbank-Gewinn steigt im dritten Quartal
- Jahresziel beim Zinsüberschuss auf 8,5 Milliarden Euro gesenkt
- Diageo-Umsatz wächst organisch um 0,6 Prozent
- Hellofresh-Aktie steigt im Tagesverlauf um 14 Prozent
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
ein Rekordgewinn schützt an der Börse nicht vor fallenden Kursen. Der DAX hat heute ein neues Rekordhoch markiert und stieg im Tagesverlauf bis knapp 26.700 Punkte. Treiber sind der Sieg der US-Demokraten in beiden Kongresskammern, ein um rund 12 Prozent gefallener Ölpreis und die Hoffnung auf eine Begrenzung des Iran-Kriegs.
Gut gelaunt ist trotzdem nicht jeder. Ausgerechnet die Commerzbank wird trotz Rekordgewinn abgestraft. Und die Notenbanken drehen den Zins nach oben, obwohl das Öl fällt. Beides betrifft Ihr Depot direkter, als ein Indexrekord vermuten lässt.
Commerzbank verdient Rekord, die Börse winkt ab
Die Commerzbank hat im dritten Quartal 45 Prozent mehr verdient als vor einem Jahr, das Gewinnziel für das Gesamtjahr bleibt bestätigt. Trotzdem notiert die Aktie am Nachmittag rund 3 Prozent unter dem Vortag. Warum straft die Börse ein solches Ergebnis ab? Die Antwort steckt im Kleingedruckten.
Die Commerzbank senkt ihr Jahresziel für den Zinsüberschuss auf rund 8,5 Milliarden Euro, weil der Wettbewerb um Einlagen die Margen drückt. Gemeint ist der Betrag, den eine Bank mit Krediten mehr einnimmt, als sie Sparern an Zinsen zahlt. Zudem lagen operatives Ergebnis und Nettogewinn knapp unter der Erwartung der Analysten.
RBC Capital Markets spricht von enttäuschenden Geschäftstrends und belässt die Aktie auf „Sector Perform“ mit Kursziel 41 Euro. Für Aktionäre zählt ohnehin längst die Übernahme: UniCredit hat sich Zugriff auf knapp 50 Prozent der Anteile gesichert. Der eigentliche Kurstreiber ist nun die Frage, ob UniCredit für die volle Kontrolle eine Prämie an die Minderheitsaktionäre zahlt. Der Rekordgewinn dagegen ist eingepreist.
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Die Bank of England erhöht, das Öl fällt
Die Bank of England hat den Leitzins heute um 25 Basispunkte auf 4,00 Prozent erhöht, zum ersten Mal seit August 2023. Ein Basispunkt ist ein Hundertstel Prozentpunkt. Catherine Mann wollte sogar einen größeren Schritt.
Wo ist der Haken? Die Notenbank unterstellt in ihrer Prognose einen Ölpreis von 108 Dollar, die Sorte Brent notiert aber bereits unter 100 Dollar. Die Märkte preisen für 2027 weitere Zinsschritte in London ein, Ebury hält das für übertrieben. In den USA hält Richmond-Fed-Präsident Thomas Barkin weitere Erhöhungen für nötig, aber in gemächlichem Tempo.
Im Euroraum stiegen die Erzeugerpreise, also die Preise ab Werk, im September um 11,1 Prozent zum Vorjahr. Die Zinspolitik reagiert auf die Inflation von gestern, nicht auf das Öl von heute. Hilft das wenigstens den Banken? Nur, wenn sie ihre Marge behalten, und die Commerzbank zeigt gerade, wie der Einlagenwettbewerb diesen Hebel aushöhlt.
Diageo verkauft teurer, nicht mehr
Der Spirituosenkonzern Diageo liefert die robuste Konsum-Story des Tages. Organisch, also aus eigener Kraft und ohne die ostafrikanische Tochter EABL gerechnet, wuchs der Umsatz im ersten Geschäftsquartal um 0,6 Prozent. Analysten hatten ein Minus von 0,4 Prozent erwartet. Auch Nordamerika schrumpfte deutlich weniger als befürchtet.
Woher kommt das Plus? Aus Preisen und Produktmix, nicht aus der Menge. Vorstandschef Dave Lewis, Spitzname „Drastic Dave“, will kräftig sparen und streicht Stellen. Die Trendwende bei Tequila und Crown Royal, die zuletzt verloren, erwartet er erst gegen Geschäftsjahresende.
Die Diageo-Aktie legte zu und markierte ein neues 52-Wochen-Hoch, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 23 Prozent. Wer hier einsteigt, kauft keine Wachstumsgeschichte, sondern die Wette, dass ein Sanierer einen Weltmarktführer mit Preismacht wieder auf Kurs bringt. Wo die Grenze dieser Preismacht liegt, zeigt Guinness: Die Marke verlor in britischen Pubs zuletzt Marktanteile an billigere Konkurrenten wie Murphy’s.
Telekom, Hellofresh, Bechtle: Die Erwartung entscheidet
Die Deutsche Telekom legte starke Quartalszahlen vor und will die Dividende um 10 Prozent anheben. Trotzdem verlor die Aktie rund 2 Prozent, der Markt hatte sich offenbar mehr erhofft. Das ist die typische Falle eines defensiven Qualitätswerts, einer Aktie, auf die man sich gern verlässt: Wer stets liefert, wird für „nur gut“ bestraft.
Hellofresh ist das Gegenbeispiel. Der Kochboxenanbieter überraschte mit einem höheren operativen Gewinn, weil er die Marketingkosten gesenkt hat. Die Hellofresh-Aktie springt im Verlauf um 14 Prozent, bei einem Börsenwert von nur noch rund 420 Millionen Euro. Bechtle hob die Ergebnisprognose an und notiert ebenfalls fester.
Die Botschaft der Berichtssaison ist unbequem für alle, die nur auf Qualität schauen. Nicht das absolute Ergebnis entscheidet über den Kurs, sondern der Abstand zur Erwartung. Die Commerzbank passt genau in dieses Muster.
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Unterm Strich
Der DAX-Rekord ist ein Geschenk der US-Wahl und des Ölpreises, kein Zeugnis deutscher Stärke. Die DIHK meldet, dass jedes vierte Unternehmen Stellen abbauen will. Das IWH zählt im Oktober 83 Prozent mehr Firmenpleiten als vor der Krise.
Morgen um 8 Uhr liefert die deutsche Industrieproduktion für September den nächsten Realitätstest, erwartet wird ein leichtes Minus von 0,2 Prozent. Und wer in Banken investiert ist, sollte die Zinsmarge im Auge behalten, nicht den Rekordgewinn.
Beste Grüße,
Ihr Eduard Altmann
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