Während Mercedes die Rendite kappt, hebt Coca-Cola die Prognose an
Mercedes erwartet eine Pkw-Marge von 2 bis 3 Prozent, während Coca-Cola seine Gewinnschätzung anhebt und 33,4 Prozent operative Marge erzielt.

Kurz zusammengefasst
- Porsche meldet 1,74 Milliarden Euro operatives Ergebnis
- Nivea-Umsatz sinkt im dritten Quartal um 4,9 Prozent
- Whirlpool verbucht Quartalsverlust und neues Jahrestief
- Süss MicroTec senkt Umsatzziel für 2026
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
die Berichtssaison zeigt heute, wie dünn die Margen in der Realwirtschaft geworden sind. Gemeint ist der Teil vom Umsatz, der am Ende als Gewinn übrig bleibt. Mercedes-Benz kürzt seine Prognose, und Beiersdorf verliert Umsatz. In den USA melden Sherwin-Williams und Whirlpool steigende Kosten bei sinkender Nachfrage.
Es gibt aber Gegenbeispiele, und sie zeigen das Muster des Tages. Wer Preise durchsetzen kann oder seine Kostenbasis bereits umgebaut hat, hält die Marge. Alle anderen zahlen Zölle, Material und die Schwäche in China aus der eigenen Tasche.
Mercedes und Porsche: Zwei Autobauer, zwei Wege
Mercedes-Benz hat seine Jahresprognose am Dienstagvormittag gekappt. Die Pkw-Marge ohne Sondereffekte soll nur noch 2 bis 3 Prozent erreichen, deutlich weniger als bisher versprochen. Als Gründe nennt Mercedes den China-Absatz, der im dritten Quartal um 31 Prozent einbrach, dazu höhere Materialkosten und US-Zölle. Die Mercedes-Aktie notiert nur knapp über ihrem Jahrestief vom 8. Oktober.
Porsche zeigt, wie es aussieht, wenn der Umbau bereits bezahlt ist. Nach neun Monaten steht bei Porsche ein operatives Ergebnis von 1,74 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es nach hohen Restrukturierungskosten nur 40 Millionen; das sind Ausgaben für den Umbau des Konzerns. Die Jahresprognose ist bestätigt, die Porsche-Aktie legt zu.
Wo ist der Haken? Die Auslieferungen von Porsche fielen um 16 Prozent, und Finanzchef Breckner nennt 2027 den Tiefpunkt. Porsche verkauft also eine Margenerholung bei schrumpfendem Absatz, Mercedes dagegen eine Absatzkrise ohne Schutz für die Marge. Bezahlt hat der Markt heute nur Ersteres.
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Beiersdorf und Coca-Cola: Preismacht entscheidet im Regal
Bei Beiersdorf schrumpft das Kerngeschäft weiter. Die Marke Nivea verlor im dritten Quartal 4,9 Prozent Umsatz, nach minus 6,7 Prozent im Vorquartal. Auch die Klebstoffsparte Tesa schrumpfte, weil Halbleiter-Engpässe ihr Elektronikgeschäft bremsen.
Und die Prognose? Beiersdorf lässt sie stehen, peilt aber nur noch eine operative Marge von mindestens 11,8 Prozent an, nach 14 Prozent im Vorjahr. Zugleich stockt der Konzern das Werbebudget im zweiten Halbjahr auf. Beiersdorf steht damit nicht allein: Nach den Zahlen von Nestlé, Reckitt, Hermès und Louis Vuitton warnen Marktbeobachter breit vor Konsumzurückhaltung und Margendruck.
Coca-Cola beweist am selben Tag, dass die Macht über die eigenen Preise in dieser Konjunktur der eigentliche Schutzwall ist. Der Umsatz stieg aus eigener Kraft, also ohne Zukäufe und Währungseffekte, um gut 7 Prozent, die operative Marge kletterte auf 33,4 Prozent. Coca-Cola hebt die Gewinnprognose an, die Aktie notiert nahe ihrem Jahreshoch. Wer Beiersdorf dagegen als günstigen Nachzügler kauft, setzt auf einen Nivea-Umbau ohne Garantie.
Amerikas Industrie zahlt die Zölle selbst
Sherwin-Williams ist das präziseste Thermometer für Bau und Renovierung in den USA. Der Umsatz stieg im dritten Quartal und übertraf die Erwartungen. Doch die Bruttomarge fiel um 140 Basispunkte, wobei ein Basispunkt ein Hundertstel Prozentpunkt ist. Konzernchefin Heidi Petz sieht gedämpfte Nachfrage bis ins Jahr 2027.
Whirlpool liefert die härtere Version derselben Geschichte. Der Hausgerätehersteller schrieb im dritten Quartal einen Verlust, obwohl ein Gewinn erwartet war. Allein die Zölle kosteten Whirlpool 225 Basispunkte Marge. Die Aktie markierte heute ein neues Jahrestief und liegt 64 Prozent unter dem Stand vom Jahresbeginn.
Auch Boeing rutschte auf ein Jahrestief, obwohl der Quartalsverlust weit kleiner ausfiel als im Vorjahr. Wer hält dagegen? Der Motorsporthersteller Polaris übertraf die Erwartungen deutlich und hob seine Jahresprognose an.
Die Lehre für das Depot: Zyklische Industrie, deren Geschäft stark mit der Konjunktur schwankt, ist in den USA keine Wette auf eine ganze Branche mehr. Es kommt auf die einzelne Firma an, auf ihre Zollbelastung und darauf, ob sie Preise durchsetzt.
Deutsche zweite Reihe: Hier wird gekürzt, dort investiert
Auch im deutschen Mittelstand reißen heute Prognosen. Süss MicroTec senkt das Umsatzziel für 2026 auf 405 bis 425 Millionen Euro, nach 503 Millionen im Vorjahr. Die Fertigung am Stammsitz Garching wird eingestellt und nach Zhubei in Taiwan sowie nach Sternenfels verlagert. Die Aktie von Süss MicroTec gab im Verlauf deutlich nach.
Cancom kürzt ebenfalls sein Umsatzziel. Infineon geht den entgegengesetzten Weg und investiert bis 2034 rund 1,1 Milliarden Euro in Villach, und zwar in Leistungshalbleiter aus Galliumnitrid. Die Infineon-Aktie legt im Verlauf zu.
Wie rau ist das Umfeld? Allianz Trade erwartet für 2026 rund 25.900 Firmenpleiten in Deutschland. Das wäre der höchste Stand seit 13 Jahren.
Unterm Strich
Die Zinsentscheide von Fed und EZB am Mittwoch und Donnerstag werden den Margendruck nicht lösen. Diesen Druck dokumentieren heute Mercedes, Beiersdorf, Sherwin-Williams und Whirlpool. Was zählt, steht in den Bilanzen selbst: Preissetzungsmacht wie bei Coca-Cola oder ein bereits abgeschlossener Umbau wie bei Porsche.
In den kommenden Tagen berichten Ford, Exxon Mobil und Intel. Für sie gilt dieselbe Prüffrage. Es geht darum, ob sie Zölle und Materialkosten weitergeben können oder darauf sitzen bleiben.
Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann
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