Während Nordea die Rückkäufe stoppt, bestätigt Danske ihren Kapitalplan

EZB-Prüfung bremst Nordeas Rückkäufe, während Danske eine niedrigere Kernkapitalanforderung meldet.

Eduard Altmann ·

Kurz zusammengefasst

  • Nordea pausiert Rückkäufe bis Prüfungsabschluss
  • Danske bestätigt Kapitalplan bis 2028
  • US-Bankgewinne trotz Prognoseübertreffen unter Druck
  • Zurich Insurance erhält höheres Kursziel

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

eine laufende Kapitalprüfung der EZB kostet die Nordea-Aktie fast acht Prozent. Nicht die Quartalszahlen sind der Grund, sondern die Entscheidung der Bank, ihre Aktienrückkäufe bis zum Ende dieser Prüfung auszusetzen. Das ist die eigentliche Nachricht für Bankaktionäre in Europa: Die Ausschüttungspläne hängen inzwischen weniger am Gewinn als am Segen der Aufseher. Zugleich zeigen die US-Großbanken, dass selbst übertroffene Gewinnprognosen keine Kursgewinne mehr garantieren.

Nordea: Rückkäufe auf Eis, Danske Bank mit Entwarnung

Nordea verdiente im dritten Quartal 1,18 Milliarden Euro, vier Prozent weniger als vor einem Jahr und etwas unter den Erwartungen. Schwankungen im Anleihebuch und eine höhere Risikovorsorge belasteten. Die Jahresziele für 2026 bleiben bestehen, darunter eine Eigenkapitalrendite von über 15 Prozent.

Entscheidend ist aber die Ankündigung, Aktienrückkäufe auszusetzen, bis die EZB ihre Prüfung der Risikoexposition abgeschlossen hat. Laut UBS-Analyst Johan Ekblom ist mit einem Ergebnis nicht vor 2027 zu rechnen. Damit stehen die vom Markt erwarteten Rückkäufe von 250 Millionen Euro für 2026 und 850 Millionen Euro für 2027 in Frage.

Die Nordea-Aktie notiert aktuell bei 15,76 Euro, ein Minus von 7,6 Prozent im Verlauf. Das 52-Wochen-Hoch von 18,11 Euro stammt erst vom 22. September.

Die Analysten halten dennoch an ihren Kaufempfehlungen fest. Jefferies bestätigt „Buy“ mit Kursziel 20,60 Euro und lobt das Wachstum im Firmenkundengeschäft sowie die Kostenkontrolle. UBS bleibt ebenfalls bei „Buy“, obwohl der Vorsteuergewinn den Konsens um zwei Prozent verfehlte.

Wie unterschiedlich die Aufsicht zuschlägt, zeigt der Vergleich im Norden. Danske Bank bestätigte heute ihren Kapitalplan bis 2028 und meldet eine um rund 40 Basispunkte gesenkte Kernkapitalanforderung.

Die schwedische SEB dagegen musste gestern eine um zehn Milliarden Kronen (rund 894 Millionen Euro) höhere Kapitalanforderung wegen Modellmängeln hinnehmen. Wer europäische Banken wegen der Ausschüttungen hält, muss die Aufsichtskalender künftig genauso lesen wie die Quartalsberichte, denn ein Modellbescheid kann ein Jahr Rückkäufe löschen.

Commerzbank: Warten auf Brüssel, Frankfurt und Mailand

Für die Commerzbank wird es ein langer Herbst. Deutsche Bank Research belässt die Aktie heute auf „Hold“ mit Kursziel 42 Euro. Analyst Benjamin Goy erwartet für die Quartalszahlen am 5. November solide Dynamik bei Zins- und Provisionsüberschuss.

Die strategische Unsicherheit bleibt jedoch: Die Genehmigung der UniCredit-Übernahme steht noch aus. UniCredit hat seine eigene Aufsichtsratssitzung zu den Quartalszahlen wegen der Commerzbank-Offerte auf den 8. November verschoben.

Die Commerzbank-Aktie liegt aktuell bei 37,51 Euro, 1,3 Prozent tiefer. Das Hoch von 43,34 Euro vom 16. September ist damit ein gutes Stück entfernt, auf Jahressicht bleibt noch ein Plus von 3,9 Prozent. Das Kursziel der Deutschen Bank lässt also Luft nach oben, aber nur, wenn die Übernahmefrage geklärt wird.

Die Deutsche Bank selbst notiert bei 28,89 Euro und verliert in diesem Jahr 13 Prozent. Ihr Chef Christian Sewing forderte heute als Präsident des Bankenverbandes eine engere Verzahnung der europäischen Kapitalmärkte und den Abbau regulatorischer Doppelungen. Das klingt wie ein Pflichtprogramm, trifft aber angesichts der Nordea-Episode den Kern des Problems: Solange die Aufsicht uneinheitlich wirkt, bleibt die Bewertung europäischer Banken ein Flickenteppich.

US-Banken: Gute Zahlen, aber die Risikovorsorge schreckt

Jenseits des Atlantiks ist die Berichtssaison der Banken fast durch, und das Muster ist eindeutig. Sechs von acht Großbanken übertrafen die Gewinnerwartungen, dennoch fielen die Kurse. Citigroup verlor am Zahlentag 5,6 Prozent, obwohl der Gewinn die Prognose um 7,6 Prozent schlug. Goldman Sachs meldete 17,01 Dollar je Aktie statt erwarteter 13,09 Dollar.

Die Goldman-Aktie gab trotzdem nach, weil die Risikovorsorge für Kreditausfälle von 102 auf 368 Millionen Dollar mehr als verdreifacht wurde. Anleger lesen diese Zahl als Warnsignal für die Kreditqualität, auch wenn die Vorsorgequote mit 0,13 Prozent des Kreditbuchs niedrig bleibt.

Bank of America ist der Sonderfall. Das US-Finanzministerium verhängte eine Strafe von über 1,2 Milliarden Dollar wegen Verstößen gegen Geldwäsche- und Sanktionsvorschriften, darunter eine Rekordstrafe der Bankenaufsicht OCC von 750 Millionen Dollar.

Der Quartalsgewinn fiel um 17 Prozent auf 6,9 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie von 1,08 Dollar verfehlte den Konsens von 1,10 Dollar. JPMorgan verfehlte die Gewinnprognose erstmals seit dem vierten Quartal 2023. Die Bank-of-America-Aktie notiert aktuell bei rund 50,86 Dollar und hat binnen 30 Tagen elf Prozent eingebüßt.

Dazu kommt Regulierungsdruck: Die OCC wirft neun Großbanken Einschränkungen von Konten wegen politischer oder religiöser Ansichten vor, die Verbraucherschutzbehörde CFPB ermittelt. Die These für deutsche Anleger mit US-Bankaktien: Der Zinsüberschuss steigt nach der Fed-Anhebung im September, doch Strafen, Risikovorsorge und ein stockendes Kapitalmarktgeschäft fressen den Vorteil auf.

Die Zinsseite bleibt dabei in Bewegung. Die US-Inflation stieg im September auf 3,7 Prozent, die Kernrate auf 2,6 Prozent. UBS erwartet nach Zinsschritten im September und Dezember eine dritte Erhöhung im März 2027. Für die Fed-Sitzung am 27. und 28. Oktober taxieren die Terminmärkte die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung nur auf rund 30 bis 40 Prozent, auch weil Mary Daly von der San-Francisco-Fed keine Eile sieht.

Versicherer und Nischen: Wohin das Kapital fließt

Während Technologiewerte verkauft werden, suchen Anleger defensive Qualität, und die Versicherer profitieren. Jefferies hob das Kursziel für Zurich Insurance von 520 auf 620 Franken an, die Aktie legte 2,4 Prozent zu.

Die Allianz steht bei 431,50 Euro nur knapp unter dem Rekordhoch von 454,60 Euro vom 3. September. Das operative Ergebnis des ersten Halbjahres von 9,39 Milliarden Euro deckt bereits 54 Prozent der Mitte des Jahresziels von 17,4 Milliarden Euro ab.

Die Solvenzquote der Allianz liegt bei 225 Prozent, ein Rückkauf über 2,5 Milliarden Euro wurde im September abgeschlossen. Die nächste Prüfung folgt mit den Quartalszahlen am 12. November.

Im MDAX und SDAX gibt es abseits der Chipwerte lohnende Einzelgeschichten. Flatexdegiro kündigte einen Aktienrückkauf bis 100 Millionen Euro an und gewann vier Prozent. DocMorris meldete eine Umsatzbeschleunigung im dritten Quartal, die Aktie zog leicht an.

Deutsche Telekom notiert aktuell bei 26,06 Euro und gewinnt drei Prozent, ein typischer Fluchtwert an einem Tag, an dem Infineon 7,5 Prozent verliert und der Kospi in Seoul um rund 8 Prozent einbricht. Der DAX hält sich dagegen nur leicht im Minus über der Marke von 25.000 Punkten.

Lufthansa, Wohnungsmarkt, Tankrabatt: Kurz notiert

Die portugiesische Regierung erteilt Lufthansa den Zuschlag für eine Minderheitsbeteiligung von 44,9 Prozent an der Fluggesellschaft TAP.

Beim Wohnen beschleunigt sich der Mietanstieg: Die Angebotsmieten in 37 Städten stiegen im dritten Quartal um 3,7 Prozent nominal gegenüber dem Vorjahr, in Hamburg um 6,7 Prozent.

Das Ifo-Institut erwartet für 2026 nur noch 185.000 fertiggestellte Wohnungen, ein 15-Jahres-Tief bei einem Bedarf von mindestens 300.000. Die Bundesregierung will in den kommenden Tagen den günstigeren „Gebäudetyp E“ vorstellen, eine bundeseigene Baugesellschaft und schärfere Regeln gegen Mietwucher. Scout24 legte 3,93 Prozent zu.

Der Tankrabatt kommt laut DIW nur zu rund zwei Dritteln bei den Verbrauchern an: Von 16,7 Cent Steuersenkung sanken die Preise in Deutschland nur etwa 10 bis 11 Cent je Liter stärker als in Frankreich.

Unterm Strich

Die Berichtssaison der Banken hat ihren Charakter geändert: Nicht der Gewinn, sondern Risikovorsorge, Strafen und Kapitalbescheide bestimmen die Kursreaktion. Für die Commerzbank wird der 5. November mit den eigenen Zahlen und der 8. November mit UniCredits verschobener Sitzung zum Doppeltermin. Bis dahin spricht viel dafür, die Ruhe bei Versicherern und Rückkäufern wie Flatexdegiro zu nutzen, statt in fallende Bankkurse zu greifen.

Beste Grüße,

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