Während Paris mehr zahlt als Washington, werden Bunds zur Zuflucht

Frankreichs Finanzierungskosten steigen, während Bund-Renditen sinken; zugleich belasten Ölpreise und Zinsrisiken einzelne Aktien.

Eduard Altmann ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Französische Rendite erreicht 5,14 Prozent
  • Bund-Renditen gehen gleichzeitig zurück
  • Siemens Energy mit 162 Milliarden Euro Auftragsbestand
  • Brent-Ölpreis liegt über 110 Dollar

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

Frankreich leiht sich heute erstmals seit 2013 teurer Geld als die USA. Gleichzeitig fallen die Renditen deutscher Bundesanleihen, an der Börse kurz Bunds genannt.

Was heißt das für Ihr Depot? Zweierlei: mehr Sicherheit bei Bunds, mehr Risiko bei allem, was in Paris Umsatz macht. Dazu kommen ein Rekordauftragsbuch, das niemand bezahlen will, ein teurer Ölpreis und eine Steuerschätzung, die Berlin freut.

Frankreich zahlt Eurokrisen-Aufschläge

Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen erreichte in der Spitze 5,14 Prozent. So hoch lag sie seit 2002 nicht mehr. Der Abstand zu deutschen Bundesanleihen beträgt knapp 174 Basispunkte, wobei ein Basispunkt ein Hundertstel Prozentpunkt ist. So breit war die Lücke zuletzt im November 2011, mitten in der Eurokrise.

Dahinter steckt eine Mischung aus Haushaltsstreit, Straßenprotesten und Rating-Angst. Am Freitag entscheidet Moody’s über die Bonitätsnote, der Ausblick ist bereits negativ. Warum schlägt das so stark durch? Knapp 55 Prozent der französischen Schulden liegen bei ausländischen Gläubigern, das erklärt den Verkaufsdruck.

An der Börse trifft es Banken und Konsum, BNP Paribas hat im vergangenen Monat kräftig verloren. Carrefour warnte wegen der Unruhen vor dem Gewinn, und UBS senkt das Kursziel auf 15 Euro. Hermès wuchs im dritten Quartal langsamer als erwartet und fiel heute auf den tiefsten Stand seit einem Jahr. Wer französische Bankaktien oder Luxuswerte hält, sollte vor einem Nachkauf das Moody’s-Urteil und den Samstag abwarten.

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Wenn selbst Staatsanleihen aus Paris Aufschläge wie in der Eurokrise zahlen, stellt sich die Frage, wie belastbar klassische Zinsanlagen im Depot noch sind. Der kostenlose Report „Die Zinsillusion platzt“ zeigt, wie Dividenden zur neuen Zinsquelle werden können und wie sich Anleger gegen Inflation und Anleihekrise wappnen. Strategien für das neue Zinsumfeld entdecken

Siemens Energy: Rekordzahlen, fallender Kurs

Siemens Energy liefert Rekordzahlen, und trotzdem fällt die Aktie. Heute ging es im Verlauf auf 127 Euro abwärts, weit unter das Hoch vom April. Rechtfertigen die Geschäftszahlen das? Nein: Der Auftragsbestand wuchs auf 162 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Sondereffekten verdreifachte sich.

Belastend wirken der Zins und die Sorge um KI-Rechenzentren, auch der US-Konkurrent GE Vernova verlor heute deutlich. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis zeigt, wie viele Jahresgewinne der Börsenwert kostet. Für 2026 liegt es geschätzt bei 30 für Siemens Energy, bei GE Vernova bei fast 61. JPMorgan rät mit „Overweight“ zum Kauf, Barclays mahnt Grenzen bei der Marge an.

Öl über 110 Dollar, die Fed unter Zugzwang

Brent notiert über 110 Dollar je Fass, so hoch wie seit Mai nicht. Zugleich spitzt sich die Lage am Golf zu: Huthi-Angriffe trafen einen Flughafen und ein Ölfeld in Saudi-Arabien. Saudi Aramco schickt die Belegschaft seiner Zentrale ins Homeoffice. Der Durchfluss durch Hormus liegt laut Kpler bei 82 Prozent des Vorkriegsniveaus.

Und die Zinsen? Eine Zinserhöhung der Fed im Dezember ist voll eingepreist, die Anleger rechnen also fest damit. Zuvor war die US-Inflation im September auf 3,7 Prozent gestiegen. Gewinner sind Ölförderer wie Exxon und Chevron sowie die Rüstung. Lockheed Martin legte nach Zahlen über den Erwartungen und einem Zehnjahresvertrag für den F-35 im Verlauf 6,1 Prozent zu.

Schindler und Siemens: Rechenzentren füllen die Bücher

Schindler zeigt, dass Industrie mit harten Auftragsdaten noch belohnt wird. Die Partizipationsscheine, eine Aktienform ohne Stimmrecht, stiegen um 7 Prozent. Die Bestellungen für Neuanlagen wuchsen im dritten Quartal um 15,9 Prozent. Das Margenziel für das Jahr hebt Schindler an.

Bei Siemens sieht es auf dem Papier ähnlich aus. Der Auftragseingang stieg in neun Monaten vergleichbar um 14 Prozent, getrieben von Rechenzentren und Industriesoftware. Die Siemens-Aktie gab heute dennoch leicht nach, die Zahlen zum vierten Quartal kommen am 12. November. Halbleiter bleiben die Ausnahme: Lam Research brach nach enttäuschendem Ausblick um 10 Prozent ein.

Deutschland: Der Staat nimmt mehr ein, der Mittelstand zögert

Berlin kann mit mehr Geld rechnen. Die Herbst-Steuerschätzung bringt bis 2030 gut 43 Milliarden Euro mehr als im Mai erwartet. Die Bundesregierung hebt die Wachstumsprognose für 2026 deutlich an, auf 1,3 Prozent. Finanzminister Klingbeil sieht trotzdem keinen Spielraum, denn bessere Konjunktur senkt die erlaubte Kreditaufnahme.

Investieren denn auch die Firmen? Das KfW-Mittelstandspanel dämpft die Euphorie: Nur 40 Prozent der Mittelständler investierten 2025. Die Neuinvestitionen sanken real, also nach Abzug der Preissteigerung, um 3,7 Prozent. Für den DAX heißt das: Der Aufschwung trägt sich über Staat und Export, nicht über die Breite der Unternehmen.

Unterm Strich

Zwei Termine zählen in den nächsten Tagen mehr als jede Quartalszahl: das Moody’s-Urteil über Frankreich am Freitag und die Proteste am Samstag. Hält der Aufschlag zu Bunds über 170 Basispunkten, bleiben französische Banken und Luxuswerte unter Druck. Bundesanleihen wären dann weiter gefragt.

Bei Siemens Energy und Schindler zeigt sich, dass volle Auftragsbücher nur dort honoriert werden, wo die Marge mitwächst und das Zinsrisiko nicht dominiert. Den nächsten Zinstermin setzt die Fed am Mittwoch, dem 28. Oktober.

Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann

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