Während Siemens Energy abstürzt, sichern sich Glencore und Almonty Rohstoffe
Siemens Energy verliert deutlich, während Almonty und Glencore Lieferzugänge vereinbaren. Die Deutsche Börse profitiert von wachsender Nervosität.

Kurz zusammengefasst
- Siemens-Energy-Aktie fällt um sieben Prozent
- Almonty vereinbart Ruanda-Partnerschaft für Tungsten
- Glencore sichert Bauxit-Vermarktung in Guinea
- Deutsche Börse gewinnt bei höherer Volatilität
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
sieben Prozent Kursverlust an einem einzigen Nachmittag, während zwei Rohstoffkonzerne tausende Kilometer entfernt milliardenschwere Lieferverträge unterschreiben: Der heutige Handelstag zeigt, wie unterschiedlich der Markt gerade zwei Spielarten der Rohstoff- und Energiewelt bewertet. Auf der einen Seite die Energiewende-Infrastruktur, die unter der Last enttäuschter Auftragserwartungen ächzt. Auf der anderen Seite Konzerne, die sich Zugriffsrechte auf Tungsten und Bauxit sichern, als gäbe es kein Morgen ohne sie. Beide Geschichten gehören zusammen, auch wenn sie auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben.
Siemens Energy: Der Ausverkauf trifft die Energiewende-Story
Siemens Energy notiert am Nachmittag bei 133,80 Euro, rund 7 Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag (143,92 Euro) – der Handel läuft noch. Damit liegt die Aktie gut 30 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 195,38 Euro, das erst Ende April erreicht wurde. Auf Monatssicht hat der Titel bereits 17 Prozent verloren; seit Jahresbeginn steht immerhin noch ein Plus von 11 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, wie schnell sich Jahresgewinne in solchen Phasen auflösen können. Die Konzernmutter Siemens gibt mit knapp 1,7 Prozent auf 259,60 Euro deutlich moderater nach, was zeigt: Der Ausverkauf konzentriert sich auf die Energiesparte. Auch Wasserstoff-Spezialist Nel ASA gab nach, hält sich im Jahresverlauf mit einem kleinen Plus aber vergleichsweise stabil.
Was den Ausverkauf besonders macht, ist sein Timing. Er fällt zusammen mit einer Umfrage der IG Metall Küste, die es in sich hat: Weniger als 20 Prozent der Betriebsräte in der Windindustrie erwarten für 2026 noch steigende Auftragseingänge – vor einem Jahr waren es 60 Prozent. Gleichzeitig liegt die Auslastung der 34 befragten Betriebe mit 27.700 Beschäftigten bei 95 Prozent, vier Punkte höher als im Vorjahr. Genau das ist die klassische Konstellation vor einem Auftragsloch: Die Werke arbeiten ihre vollen Bücher ab, aber Nachschub bleibt aus. Die IG Metall warnt bereits vor Stellenabbau infolge der EEG-Reform. Für Anleger, die auf die Energiewende als strukturelles Langfristthema gesetzt haben, ist das kein Grund zur Panik, aber ein Warnsignal: Die Story bleibt intakt, doch der Weg dorthin wird holpriger, als es die Kursrallye der vergangenen zwei Jahre suggeriert hat.
Während Windkraft-Zulieferer unter schrumpfenden Auftragsbüchern leiden und Rohstoffkonzerne sich gleichzeitig Zugriffsrechte auf kritische Metalle sichern, zeigt sich einmal mehr, wie unterschiedlich sich einzelne Zukunftsbranchen entwickeln können. Ein kostenloser Spezial-Report von Top-Analyst Mike Rückert stellt fünf Aktien aus Energie, Gesundheit und Hightech vor, die von genau solchen Verschiebungen profitieren könnten. Jetzt Report sichern
Almonty Industries: Tungsten wird zur geopolitischen Währung
Während Energiewerte unter Druck geraten, sichern sich Rohstoffkonzerne handfeste Verträge. Almonty Industries (NASDAQ: ALM) hat mit der Regierung Ruandas eine verbindliche Vereinbarung geschlossen: Der Staat erhält 25 Prozent an einem neuen Gemeinschaftsunternehmen namens Almonty Rwanda, im Tausch gegen die Shyorongi-Konzession und eine Verarbeitungslizenz. Almonty selbst hält die restlichen 75 Prozent. Geplant ist zunächst eine mobile Verarbeitung und der Export von Tungsten-Erz, bis in Ruanda eine feste Anlage entsteht – flankiert von einem Rahmenabkommen des US-Außenministeriums aus dem Jahr 2025. Der Zeitplan ist konkret: Ab dem 1. Januar 2027 soll die Partnerschaft die Tungsten-Lieferkette für den US-Verteidigungssektor absichern.
Für Anleger ist das mehr als eine Randnotiz aus Zentralafrika. Es zeigt, wie sich geopolitische Lieferketten-Politik direkt in Unternehmensverträge übersetzt. Tungsten ist ein kritisches Metall für Rüstung und Hochtechnologie, und wer sich früh vertragliche Zugriffsrechte sichert, positioniert sich für eine Nachfrage, die strukturell und nicht zyklisch wächst.
Glencore: Bauxit-Deal in Guinea, Aktie nahe Rekordhoch
Auch Glencore baut seine Rohstoffbasis systematisch aus. Über eine Vereinbarung mit Nimba Mining sichert sich der Konzern die Vermarktungsrechte für 10 bis 12 Millionen Tonnen Bauxit jährlich, über fünf Jahre und mit einem Gesamtvolumen von bis zu 60 Millionen Tonnen. Die Transaktion umfasst eine Finanzierung von mehr als 300 Millionen US-Dollar; Guinea strebt zusätzlich Investitionen in eine Alumina-Raffinerie und die Energieversorgung des Landes an.
Der Kurs spiegelt das Vertrauen der Anleger: Die Glencore-Aktie notiert bei 6,88 Euro, knapp unter dem am 9. September erreichten 52-Wochen-Hoch von 7,38 Euro – seit Jahresbeginn ein Plus von 48 Prozent. Der Bauxit-Deal fügt sich in ein größeres Muster: Rohstoffkonzerne sichern sich derzeit physischen Zugriff auf Vorprodukte für Aluminium und Batteriemetalle, statt sich auf den Spotmarkt zu verlassen. Für Glencore-Aktionäre ist das ein weiterer Baustein einer Diversifizierungsstrategie, die sich im Kursverlauf bereits ausgezahlt hat.
Deutsche Börse: Profiteur der Nervosität
Ein interessanter Gegenpol zum breiten Marktrückgang: Die Deutsche-Börse-Aktie legt um rund 2,4 Prozent auf 283,60 Euro zu und liegt damit nur noch etwa 3 Prozent unter ihrem im August erreichten 52-Wochen-Hoch von 292,80 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Kursgewinn von 27 Prozent zu Buche. Auch internationale Börsenbetreiber wie Nasdaq oder Euronext ziehen mit.
Die Logik dahinter ist simpel: Hohe Marktvolatilität – befeuert durch die Debatte um das KI-Entwicklungstempo und die mit Spannung erwartete Fed-Sitzung am Mittwoch – treibt die Handelsvolumina nach oben. Laut einer Reuters-Umfrage erwarten 86 von 101 befragten Ökonomen dort eine Zinsanhebung auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Von dieser Unsicherheit profitieren Börsenbetreiber überproportional, während Industriewerte unter dem Ausverkauf leiden. Für Anleger, die ihr Depot gegen Marktschwankungen absichern wollen, ist das ein Beleg dafür, dass Börsenbetreiber-Aktien eine gewisse Gegenläufigkeit zum breiten Markt bieten können.
Unterm Strich
Der heutige Handelstag zerlegt die Energiewende in ihre Bestandteile: Wind- und Wasserstoff-Infrastruktur gerät unter Druck, weil die Auftragsbücher der Zulieferer sich leeren, während die Rohstoffe, die diese Infrastruktur überhaupt erst möglich machen, immer knapper und damit begehrter werden. Almonty und Glencore kaufen sich heute Zugriffsrechte, die in fünf oder zehn Jahren den Unterschied machen könnten. Siemens Energy dagegen zahlt heute den Preis dafür, dass der Markt die kurzfristige Auftragslage plötzlich ernster nimmt als die langfristige Story. Bis zur Fed-Entscheidung am Mittwoch dürfte diese Gemengelage anhalten. Wer in Energiewende-Werten investiert ist, sollte deshalb genauer auf die Auftragslage der Zulieferer schauen als auf den Tageschart.
Beste Grüße,
Ihr Eduard Altmann
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