Warum der S&P 500 bei 7.165 Punkten steht, obwohl nichts dafür spricht

Der US-Leitindex markiert ein neues Allzeithoch, während hohe Ölpreise und steigende Inflation die Märkte belasten. Die Fed-Sitzung und Quartalszahlen von Tech-Giganten stehen im Fokus.

Eduard Altmann ·
Warum der S&P 500 bei 7.165 Punkten steht, obwohl nichts dafür spricht

Kurz zusammengefasst

  • S&P 500 erreicht neues Rekordhoch
  • Fed-Sitzung unter Powell im Fokus
  • SAP überzeugt mit starkem Gewinnwachstum
  • KI-Investitionen treiben Stellenabbau voran

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern beschrieb ich, wie das Kapital innerhalb des Technologiesektors die Etage wechselt – von der Software hinunter zur Hardware. Dieses Bild stimmt weiterhin. Doch wenn man an diesem Wochenende einen Schritt zurücktritt und das Gesamtpanorama betrachtet, drängt sich eine größere Frage auf: Wie kann ein Aktienmarkt Rekorde schreiben, während gleichzeitig 13 Millionen Barrel Rohöl pro Tag dem Weltmarkt fehlen?

Der S&P 500 schloss am Freitag bei 7.165 Punkten – ein neues Allzeithoch. Brent notiert hartnäckig über 105 Dollar. Die US-Inflation kletterte im März auf 3,3 Prozent. Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose halbiert. In Pakistan verhandeln an diesem Samstag der iranische Außenminister Abbas Araghtschi und Vertreter Islamabads über eine diplomatische Entschärfung des Hormus-Konflikts. Das sind keine widersprüchlichen Datenpunkte. Es sind die Koordinaten einer Welt, in der Geldpolitik, Geopolitik und Technologie mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten laufen – und die Börse auf die schnellste von ihnen wettet.

Powells letzte Sitzung und Trumps Personalkarussell

Am Dienstag und Mittwoch tritt der Offenmarktausschuss der Fed zusammen. Es wird voraussichtlich eine der letzten Sitzungen unter Jerome Powell. Die Ausgangslage ist unangenehm: Der Ölpreis treibt die Inflation, die Inflation bindet der Fed die Hände. Zinssenkungen, auf die der Markt noch im Januar spekulierte, rücken in weite Ferne.

Parallel dreht sich in Washington das Personalkarussell. Kevin Warsh, Donald Trumps favorisierter Kandidat für die Powell-Nachfolge, zeigte sich in dieser Woche vor dem Senat betont unabhängig. Seine Botschaft: Eher höhere Zinsen zur Inflationsbekämpfung, selbst wenn das Wachstum kostet. Das Weiße Haus reagierte mit einer bemerkenswerten Kehrtwende. Plötzlich steht eine Verlängerung für Powell im Raum, sogar der Name Janet Yellen kursiert wieder. Am Freitag stellte das US-Justizministerium die Ermittlungen gegen Powell ein – ein Signal, das sich kaum zufällig fügt. Die Märkte lesen daraus, was sie lesen wollen: dass die Zinsen nicht steigen werden. Ob diese Lesart trägt, ist eine andere Frage.

Deutschlands halbiertes Wachstum, SAPs verdoppelter Glanz

Für Europa verschärft der hohe Ölpreis ein Problem, das ohnehin existierte. Die Bundesregierung senkte in dieser Woche ihre Wachstumsprognose für 2026 von 1,0 auf 0,5 Prozent. Die Inflationserwartung stieg auf 2,7 Prozent. VDA-Präsidentin Hildegard Müller warnte am Rande der Messe in Peking vor einer massiven Abwanderung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Der Intralogistiker Jungheinrich lieferte den empirischen Beleg: Sein operativer Gewinn brach zum Jahresauftakt ein.

Umso bemerkenswerter, was SAP am Donnerstagabend präsentierte. Der operative Gewinn stieg um 17 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro, die operative Marge erreichte 30,0 Prozent (non-IFRS). Die Aktie legte am Freitag rund sieben Prozent zu. SAP bestätigt damit eine Regel, die sich durch diese gesamte Berichtssaison zieht: Unternehmen mit preissetzender Kraft in der Cloud-Welt entkoppeln sich vom makroökonomischen Umfeld. Wer auf Walldorf gesetzt hat, braucht sich um das deutsche BIP weniger zu sorgen als der Rest der Republik.

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Die KI-Milliarden und ihre Gegenrechnung

Die kommende Woche bringt die Zahlen, auf die der Markt seit Wochen wartet. Microsoft und Meta öffnen am Mittwoch ihre Bücher, Apple folgt am Donnerstag. Die Investitionssummen, die im Raum stehen, sind atemberaubend: Meta plant ein Capex-Budget von 115 bis 135 Milliarden Dollar für 2026 und schloss einen Multimilliarden-Deal mit Amazon über deren Graviton5-Chips ab. Oracle sicherte sich 16 Milliarden Dollar für einen KI-Campus in Michigan.

Doch die Gegenrechnung dieser Investitionen wird immer sichtbarer. Oracle streicht 30.000 Stellen, Amazon trennt sich von mindestens 16.000 Mitarbeitern, Microsoft von knapp 8.800. Die Logik ist brutal und konsistent: Milliarden fließen in Silizium und Kühlung, gespart wird beim Personal. Intel, das am Freitag mit einem Kurssprung von fast 24 Prozent die Rückkehr in die Gewinnzone feierte, profitiert genau von dieser Verschiebung. Die Hardware-Renaissance, die ich gestern beschrieben habe, bekommt durch die Entlassungswellen auf der Software-Seite eine zusätzliche Dimension: Die Tech-Konzerne bauen nicht nur um – sie bauen die Belegschaft der alten Welt ab, um die Infrastruktur der neuen zu finanzieren.

Bitcoin: Vom Spekulationsobjekt zum Allokationsbaustein

Abseits der Earnings-Saison verfestigt sich ein Trend, der vor einem Jahr noch als Randnotiz durchgegangen wäre. Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in den vergangenen neun Handelstagen Zuflüsse von über 2 Milliarden Dollar. Der Bitcoin-Kurs legte im April um 10 Prozent auf über 77.600 Dollar zu. Morgan Stanley hat einen Geldmarktfonds speziell für Stablecoin-Reserven aufgelegt. Das ist keine Spekulation mehr. Das ist institutionelle Vermögensverwaltung, die digitale Assets als festen Allokationsbaustein behandelt.

Was die kommende Woche entscheidet

Drei Termine geben die Richtung vor: die Fed-Sitzung am Dienstag und Mittwoch, die Quartalsberichte von Microsoft und Meta am Mittwoch und Apple am Donnerstag. Die zentrale Frage bleibt, ob die gewaltigen KI-Investitionen bereits reale Erträge abwerfen – oder ob der Markt weiterhin auf Versprechen setzt. Bei 7.165 Punkten im S&P 500, 105 Dollar für ein Barrel Brent und 3,3 Prozent US-Inflation ist der Spielraum für Enttäuschungen gering.

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Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann

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