Weizen auf Dreijahreshoch, Öl im Sinkflug: Warum sich die Inflation nur verschiebt
Rohöl sinkt wegen Hormuz-Entspannung, Agrarpreise ziehen an. Die Inflationsdynamik verschiebt sich von Energie zu Nahrungsmitteln und Metallen.

Kurz zusammengefasst
- Weizen erreicht Dreijahreshoch
- Ölpreis fällt dritten Tag
- Deutsche Bank auf Elfjahreshoch
- Qiagen-Übernahmegerüchte kursieren
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
7,19 Dollar kostet ein Scheffel Weizen an der Chicago Board of Trade – so viel wie seit Mai 2024 nicht mehr. Gleichzeitig fällt Rohöl bereits den dritten Handelstag in Folge. Wer daraus schließt, die Inflationsgefahr sei gebannt, irrt: Sie wandert nur vom Öltank aufs Feld. Genau dieses Nebeneinander – fallende Energiepreise, steigende Agrarpreise, eine Deutsche Bank auf Elfjahreshoch – verrät heute mehr über die Realwirtschaft als jeder Blick auf Nvidia.
Hormuz-Entspannung drückt den Ölpreis
Iran und Oman verhandeln über einen temporären Schifffahrtskorridor durch die Straße von Hormuz, dazu sollen Minenräumungen vereinbart worden sein – seither fällt Rohöl den dritten Handelstag in Folge. Brent notiert bei rund 87 Dollar, WTI knapp unter 80 Dollar; beide Sorten haben binnen einer Woche im hohen einstelligen Prozentbereich verloren. US-Präsident Trump erklärte die Meerenge für weitgehend entschärft und drohte Teheran mit „Zero Tolerance“ bei neuen Minen. Washington setzt nun offenbar stärker auf Sanktionen statt Militärschläge; US-Diplomaten kehren in Nahost-Botschaften zurück. Die Öltransporte durch Hormuz liegen derzeit bei rund 5 Millionen Barrel täglich – vor dem Konflikt waren es über 20 Millionen. Für Anleger zählt der Zweitrundeneffekt: Sinkende Energiepreise nehmen Druck von der Inflation und trugen den DAX zuletzt auf ein neues Rekordhoch. Profiteur Nummer eins ist der Versorger Eon, den Berenberg hochgestuft hat und der spürbar zulegte. Wer Öl-nahe Positionen hält, sollte die Hormuz-Entwicklung als Belastungsfaktor einpreisen; wer auf sinkende Energiekosten setzt, findet in europäischen Versorgern und Industriewerten die Gegenseite des Trades.
Der Kontrapunkt: Weizen und Stahl ziehen an
Während Öl fällt, explodieren andere Rohstoffe. Der Dezember-Weizenkontrakt kletterte wie erwähnt auf 7,19-1/4 Dollar je Scheffel. Auslöser sind Reparaturarbeiten am NKHP-Terminal in Noworossijsk, die die Schwarzmeer-Häfen bis zu vier Monate belasten könnten, sowie ein leicht verschlechterter Zustand des US-Sommerweizens, der zuletzt bei 51 Prozent lag. Parallel zog die Salzgitter-Aktie um mehr als sieben Prozent an. Das ist die eigentliche Botschaft des Tages: Die Inflationsgeschichte ist nicht vorbei, sie verschiebt sich nur – weg vom Öl, hin zu Agrarrohstoffen und Industriemetallen. Wer die Hormuz-Entspannung als generelles „Inflation erledigt“-Signal liest, übersieht, dass sich am Feld und in der Stahlindustrie gerade neue Preisdynamiken aufbauen.
PCE-Daten stabil, Gold bleibt in Rekordnähe
Der US-PCE-Preisindex für Juli bestätigte die Erwartungen: Die Jahresrate verharrt bei 3,7 Prozent, die Kernrate bei 3,3 Prozent. Das nimmt zwar Unsicherheit aus dem Markt, beantwortet aber nicht die Frage, ob die Fed im September senkt – laut CME FedWatch preist der Markt dafür rund 60 Prozent Wahrscheinlichkeit ein. Gold korrigierte im Zuge dessen von seinen jüngsten Rekordständen auf gut 4.600 Dollar, bleibt damit aber in Rekordnähe. Die Kombination aus fallendem Öl, stabiler Kerninflation und Zinssenkungshoffnung ist für Goldanleger grundsätzlich konstruktiv – der Rückschlag liest sich eher als Verschnaufpause denn als Trendwende.
Dass der Goldpreis trotz der jüngsten Korrektur auf rund 4.600 Dollar in Rekordnähe bleibt, ist kein Zufall – die Kombination aus stabiler Kerninflation und Zinssenkungsfantasie spricht für weiter tragfähige Notierungen. Ein kostenloser Report erklärt, warum Zentralbanken ihre Goldreserven seit Jahren gezielt ausbauen und was Anleger über den grundlegenden Unterschied zwischen Gold und Geld wissen sollten. Report zum Gold-Boom anfordern
Deutsche Bank auf höchstem Niveau seit 2014
Die Deutsche-Bank-Aktie zog um rund vier Prozent an und markierte damit ihr höchstes Niveau seit 2014. Das ist mehr als eine Randnotiz: Es zeigt, dass der europäische Bankensektor vom aktuellen Umfeld – sinkende Energiekosten, stabile Inflationsdaten, Zinssenkungsfantasie – überproportional profitiert. Wer im DAX bislang nur auf Tech- und Industriewerte gesetzt hat, sollte registrieren, dass sich die Rotation innerhalb des Index verbreitert.
Qiagen: Übernahmefantasie ohne Bestätigung
Am Nebenwerte-Markt kursieren Gerüchte über ein mögliches Übernahmeangebot für Qiagen bei 50 Dollar je Aktie – umgerechnet knapp 43 Euro und damit gut 15 Prozent über dem aktuellen Kursniveau. Die Aktie selbst reagierte bislang nur moderat, ein Zeichen, dass der Markt die Gerüchte noch nicht als belastbar einstuft. Für spekulative Anleger gilt: beobachten, nicht schon als Fakt handeln.
Unterm Strich
Die entscheidende Bewegung dieser Woche liegt nicht im Chip-Sektor, sondern im Dreiklang aus fallendem Öl, hartnäckigen Agrarpreisen und der Zinsfrage der Fed. Wer sein Depot auf die Realwirtschaft ausrichtet, sollte Energie-, Agrar- und Finanzwerte parallel im Blick behalten – die Signale zeigen diese Woche in drei unterschiedliche Richtungen, und genau das macht sie relevant.
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Beste Grüße,
Ihr Eduard Altmann
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