Wenn Apple keinen Rabatt bekommt, wird der Engpass zur Story

Speicherchips und Wolfram bestimmen die Kursbewegungen, während defensive Gesundheitswerte überzeugen. Der DAX nähert sich seinem Rekordhoch.

Eduard Altmann ·
DAX Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Apple erhält keine Speicherrabatte
  • DRAM-Preise steigen um 90 Prozent
  • Almonty sichert langfristige Wolfram-Lieferverträge
  • Siemens meldet Rekordquartal und plant Abspaltung

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

sechs Wochen vor dem Start des iPhone 18 Pro bat Apple den chinesischen Speicherhersteller CXMT um Sonderpreise. Die Antwort war ein Nein. Der mächtigste Einkäufer der Tech-Welt bekommt keinen Rabatt – ein kleines Detail, das viel über die abgelaufene Woche verrät. Während sich die große Aufmerksamkeit auf den überraschenden US-Jobverlust und die Fed richtete, bauten abseits der Schlagzeilen andere Werte Substanz auf: Wolfram, Speicherchips, Dialyse-Technik. Der DAX schloss die Woche am Freitag knapp unter seinem am selben Tag markierten Rekordhoch von rund 26.445 Punkten – getragen von starken Einzelzahlen und der Hoffnung auf eine stillhaltende Fed. Wer aber nur auf den Index schaute, hat die eigentliche Geschichte verpasst.

Speicherchips: Wer die Kapazität hat, macht die Preise

Die Szene bei Apple ist mehr als eine Randnotiz. TSMC sitzt derzeit auf rund einer Milliarde Dollar an fertigen A20-Pro-Chips für das iPhone 18 Pro, die mangels LPDDR5X-Speicher nicht verpackt werden können. CXMTs Fertigungskapazität ist längst von chinesischen Hyperscalern und KI-Laboren ausgebucht – das Unternehmen verlangt inzwischen Preise auf dem Niveau von Samsung und SK Hynix, und Apple hat dabei keine Verhandlungsmacht mehr.

Die Zahlen dahinter erklären, warum: Konventionelle DRAM-Vertragspreise sind im ersten Quartal 2026 um rund 90 bis 95 Prozent gestiegen, mobiler LPDDR5X-Speicher legte binnen eines einzigen Quartals um über 80 Prozent zu. Ein 12-GB-LPDDR5X-Paket kostet mittlerweile rund 145 Dollar – 2024 waren es noch etwa 39. Samsung, SK Hynix und Micron kontrollieren gemeinsam über 90 Prozent des DRAM-Marktes. Wer bislang nur auf Nvidia und den Rechenzentren-Boom blickte, hat den eigentlichen Flaschenhals übersehen: Micron zeigte im Wochenverlauf mit einem Plus von gut 7 Prozent relative Stärke, während SK Hynix und Western Digital nachgaben. Für Anleger heißt das: Nicht der KI-Chip diktiert derzeit den Preis, sondern der Speicher dahinter.

Almonty: Aus dem Nischen-Zulieferer wird ein strategischer Player

Ähnliches Muster, anderer Rohstoff: Almonty Industries, Betreiber der südkoreanischen Sangdong-Mine, hat seinen Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders (Plansee Group) deutlich ausgeweitet. Die Laufzeit wurde auf 21 Jahre verlängert, die Liefermenge um 40 Prozent auf 4,41 Millionen MTU erhöht, die Preisbasis um 6,3 Prozent angehoben. Der erwartete Jahresumsatz allein aus Phase I liegt damit bei rund 490 Millionen US-Dollar zum aktuellen APT-Preis. Die Aktie schloss die Woche bei 12,20 Euro (13,70 US-Dollar), die Marktkapitalisierung bei knapp 4 Milliarden Dollar.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Ab dem 27. August verlangt das US-Handelsministerium eine hundertprozentige Inlandsallokation für Wolframschrott – die USA importieren derzeit über die Hälfte ihres Wolframbedarfs. Almonty positioniert sich als westlicher Produzent außerhalb Chinas, und die Analystenhäuser trauen der Aktie entsprechend viel zu: BofA sieht 20 Dollar als Kursziel, DA Davidson 25 Dollar, Cantor Fitzgerald sogar 25,80 Dollar. Auch Fidelity (FMR) hat sich mit 9,6 Prozent an dem Unternehmen beteiligt. Das Angebotsdefizit bei Wolfram ist real – aber der Kurs hat davon bereits einen guten Teil vorweggenommen. Wer einsteigen will, sollte sich der eingepreisten Fantasie bewusst sein.

Fresenius und Qiagen: Defensiv schlägt spektakulär

Während Chip- und Rohstoffmärkte um Kapazität ringen, liefert die Gesundheitsbranche schlicht solide Zahlen. Fresenius hob am Mittwoch seine Gewinnprognose deutlich an und meldete für das zweite Quartal einen Gewinnanstieg. Die Deutsche Bank reagierte prompt mit einem Upgrade auf „Buy“. Die Aktie schloss die Woche bei 47,11 Euro – solide, aber noch mit Abstand zum Februar-Hoch von 52,90 Euro.

Bemerkenswert ist weniger die einzelne Zahl als die Konstanz: In einem Markt, der zwischen Rekordjagd und Zins-Nervosität schwankt, liefert der Konzern verlässliche operative Verbesserung – ein Gegengewicht für Depots, die zu stark auf konjunkturabhängige Auto- und Maschinenbauwerte setzen. Qiagen passt ins Bild: Der Diagnostikspezialist übertraf mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 0,62 Dollar die eigene Prognose, hielt die operative Marge bei 29,4 Prozent stabil und bestätigte den Jahresausblick. Die Aktie schloss bei 36,36 Euro.

Siemens: Der Rekord ist da, die Kursfantasie auch schon

Siemens meldete ein Rekord-Quartal: Auftragseingang plus 13 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro, Umsatz plus 8 Prozent auf 20,8 Milliarden, der Industriegewinn sprang um ein Viertel auf 3,5 Milliarden – getragen vom anhaltenden Rechenzentren-Boom. Die Prognose für den Gewinn je Aktie im laufenden Geschäftsjahr wurde auf 11,20 bis 11,50 Euro angehoben. Zusätzlich konkretisiert sich die Healthineers-Abspaltung: 30 Prozent der Aktien sollen Anfang 2027 an die Aktionäre gehen.

Die Aktie zog am Freitag an und schloss bei 280,60 Euro – nur einen Steinwurf vom Wochenhoch bei 291,25 Euro entfernt. Der Auftragsbestand von 132 Milliarden Euro ist beeindruckend, doch genau hier liegt die Frage für Anleger: Der Kurs hat einen Großteil der guten Nachrichten bereits eingepreist. Wer noch nicht investiert ist, sollte eher auf einen Rücksetzer warten, als der Rekordmeldung nachzulaufen.

Der aktuelle Rechenzentren-Boom, der Siemens gerade seinen Rekord-Auftragseingang beschert, hat eine Kehrseite, die viele Anleger noch unterschätzen: den Kampf um Strom. Genau darum geht es im Live-Webinar „Der Gigawatt-Code: Deutschlands letzte Energie-Hoffnung!“, zu dem Chefanalyst Felix Baarz morgen um 18:00 Uhr einlädt. Er ordnet ein, warum Siemens Energy diese Woche mit 17,7 Milliarden Euro Auftragseingang und einer angehobenen Jahresprognose auffiel, während der US-Wettbewerber GE Vernova mit schwachen Zahlen einen branchenweiten Ausverkauf auslöste – und was das seit Juli geltende Energieeffizienzgesetz für Rechenzentren bedeutet, deren installierte Leistung laut Bitkom bis 2030 von rund 3.000 auf 5.000 Megawatt wachsen soll. Baarz benennt dabei auch die Aktie, die er als stillen Gewinner dieses Wettlaufs um Netzkapazität sieht. Wer wie bei Siemens beobachtet hat, dass der Kurs Rekordmeldungen oft schon vorwegnimmt, findet hier eine Gelegenheit, sich vor der nächsten Bewegung zu positionieren, statt ihr nachzulaufen. Jetzt zum Webinar anmelden

Der Job-Bericht, der die Fed-Wette kippte

Den Rahmen für die Woche setzte ein Ereignis, das bereits gestern die Kurse von Infineon und SAP bewegte: Die US-Wirtschaft verlor im Juli überraschend 23.000 Stellen, während Ökonomen mit einem Plus von rund 85.000 gerechnet hatten. Mai und Juni wurden zusätzlich um zusammen 103.000 Stellen nach unten revidiert. Die Arbeitslosenquote sank zwar auf 4,1 Prozent – allerdings nur, weil die Erwerbsquote auf 61,4 Prozent fiel. Am Terminmarkt rutschte die Wahrscheinlichkeit einer September-Zinserhöhung auf unter 50 Prozent, obwohl mehrere Fed-Vertreter zuvor noch für höhere Zinsen gegen hartnäckige Inflation plädiert hatten.

Für europäische Depots ist die Botschaft zweigeteilt: Ein schwächerer Dollar – der Euro kletterte über 1,15 – belastet exportstarke DAX-Konzerne, während die Aussicht auf eine pausierende Fed die Bewertungen insgesamt stützt. Genau diese Gegenläufigkeit erklärt, warum der DAX trotz enttäuschender US-Daten in Richtung Rekordmarke lief.

Unterm Strich

Die Woche zeigt ein klares Muster: Preismacht liegt derzeit bei denen, die den Engpass kontrollieren – CXMT bei Speicherchips, Almonty bei Wolfram – und bei denen, die verlässlich liefern, ohne dass es jemand erwartet hat, wie Fresenius und Qiagen. Wer dagegen wie Siemens spektakulär, aber erwartungsgemäß performt, wird vom Kurs bereits vorab belohnt und trägt damit ein höheres Enttäuschungsrisiko. Für die kommende Woche bleibt der 27. August im Blick: An diesem Tag greift das US-Exportverbot für Wolframschrott – mehr als eine Randnotiz für jeden, der auf strategische Rohstoffe setzt.

Für den Rest des Samstags: Legen Sie die Kurszettel weg, die Engpässe laufen auch ohne Ihre Beobachtung weiter.

Beste Grüße,

Ihr Eduard Altmann

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