Wer Preise diktiert, braucht keine Ölpreise zu fürchten
Die Berichtssaison zeigt, wie Unternehmen mit Preismacht steigende Kosten in Gewinn verwandeln, während andere leiden. Der Markt differenziert scharf zwischen Gewinnern und Verlierern.

Kurz zusammengefasst
- Maschinenbau sendet erstmals positive Signale
- S&P 500 erwartet sechstes starkes Gewinnquartal
- Luxusmarkt bestraft fehlende Exklusivität hart
- Nischenplayer wie DroneShield boomen unabhängig
Liebe Leserinnen und Leser,
am Wochenende schrieb ich, der Ölmarkt preise möglicherweise einen Frieden ein, der nicht hält. Die Antwort kam am Montag: Der Iran hat die Straße von Hormus erneut geschlossen. Brent-Rohöl bewegt sich in Richtung 96 Dollar, der DAX gab bis zum Mittag rund ein Prozent ab und notiert bei 24.441 Punkten.
Wer nur auf diese Schlagzeilen starrt, verpasst die eigentliche Geschichte dieses Montags. Denn während die breiten Indizes nachgeben, sortiert der Markt mit chirurgischer Präzision aus – zwischen Unternehmen, die steigende Kosten erleiden, und solchen, die sie durch Preismacht in Gewinn verwandeln. Die Berichtssaison liefert dafür gerade die Belege, Bilanz für Bilanz.
Der Maschinenbau meldet sich zurück
Ausgerechnet das Sorgenkind der deutschen Industrie liefert den stärksten Lichtblick. Das PwC-Maschinenbau-Barometer für das erste Quartal 2026 sendet die ersten durchweg positiven Signale seit vier Jahren. Die Branche insgesamt rechnet noch mit einem leichten Umsatzrückgang von 0,7 Prozent – doch die einzelnen Führungskräfte erwarten für ihre eigenen Unternehmen ein Wachstum von 2,2 Prozent. Dieser Optimismus-Spread ist bemerkenswert: Die Branche traut sich selbst mehr zu als dem Kollektiv.
Noch aufschlussreicher sind die Strukturdaten darunter. Der Fachkräftemangel, jahrelang das Wachstumshemmnis Nummer eins, ist auf 51 Prozent gefallen – den niedrigsten Wert seit 2018. Die Kapazitätsauslastung liegt bei 81 Prozent. Die Industrie hat sich verschlankt, automatisiert und auf die neue Realität eingestellt. Am Donnerstag hatte Heidelberger Druckmaschinen noch die EBITDA-Marge von 8,0 auf 6,6 Prozent zusammengestrichen. Am Montag zeigt Wacker Chemie, dass es auch anders geht: Die Aktie legt rund 2 Prozent zu, während der DAX fällt. Der Grund: angehobene Jahresumsatzziele. Wer in der Nische unersetzlich ist, kann Preise diktieren.
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185 Milliarden Dollar Gewinnrevision
Diese Logik gilt auch jenseits des Atlantiks. Für den S&P 500 erwarten die Analysten ein Gewinnwachstum von 12,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr – das sechste Quartal in Folge mit zweistelligen Zuwächsen. Die Gewinnschätzungen für den Tech-Sektor wurden seit Jahresbeginn auf 185,7 Milliarden Dollar nach oben revidiert. Das ist keine Euphorie, das sind harte Revisionen auf Basis realer Auftragsbücher.
Aber nicht nur Software und Halbleiter tragen diese Entwicklung. UnitedHealth öffnet morgen seine Bücher, der Konsens liegt bei rund 110 Milliarden Dollar Quartalsumsatz. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten steht bei rund 363 Dollar, die Empfehlung ist eindeutig: Kaufen. Der eigentliche Hebel liegt in den neuen Raten für „Medicare Advantage“ ab 2027, die dem Konzern rund eine Milliarde Dollar an zusätzlichem Betriebsgewinn bringen könnten. Größe und regulatorische Stellung erlauben es, inflationäre Kostensteigerungen nicht nur aufzufangen, sondern in Marge zu verwandeln. Dass der Gesundheitssektor insgesamt in Bewegung bleibt, zeigt Eli Lilly: Der Konzern gab am Montag die Übernahme von Kelonia Therapeutics bekannt, um sich bei CAR-T-Zelltherapien zu positionieren.
Die Dreiteilung des Luxus
Wie schnell fehlende Preismacht bestraft wird, zeigt der Luxussektor – und zwar differenzierter, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Kering, der Mutterkonzern von Gucci, verzeichnete im ersten Quartal einen Umsatzrückgang von 14 Prozent. Die Aktie hat seit Jahresbeginn ein Fünftel ihres Wertes verloren, das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei absurden Werten jenseits der 400. Die Kunden verweigern die aufgerufenen Preise für eine Marke, deren Strahlkraft verblasst.
Hermès gab am Montag im Sog der Nahost-Nachrichten zwar um 14 Prozent nach, liegt auf Jahressicht aber immer noch 30 Prozent im Plus. LVMH hält sich mit einem KGV von 22 grundsolide. Die Lektion ist klar: Echte Exklusivität funktioniert auch unter Druck. Wer nur das Label verkauft, nicht das Produkt, wird vom Markt aussortiert.
Superchips und Drohnenabwehr
Wo Nachfrage auf begrenztes Angebot trifft, verlieren Makro-Sorgen ihre Relevanz. In Asien schloss der Nikkei am Montag mit einem Plus von 0,6 Prozent. SK Hynix sprang um 3,4 Prozent – die Meldung, dass der südkoreanische Chiphersteller die Massenproduktion von KI-Chips für Nvidias neue „Vera Rubin“-Architektur startet, übertrumpft jede Ölpreis-Debatte.
In einer völlig anderen Nische bewegt sich DroneShield. Das Unternehmen aus Sydney legte am Montag vorläufige Zahlen vor, die man zweimal lesen muss: Die Zahlungseingänge stiegen um 361 Prozent auf einen Rekordwert von 77,4 Millionen Australische Dollar. Die Projektpipeline liegt bei 2,2 Milliarden AUD, verteilt auf mehr als 300 Deals in über 60 Ländern. Wenn Regierungen weltweit aufrüsten, fragen sie nicht nach dem aktuellen Leitzins. Am Mittwoch folgt das finale Zahlenwerk.
Die Quittung am anderen Ende
Zum Kontrast ein Blick auf Galeria. Die Warenhauskette lockt derzeit mit massiven Rabatten im Netz. Gleichzeitig verdichten sich Berichte, dass im April bei mehreren Vermietern die Mietzahlungen ausgeblieben sind. Es ist die logische Konsequenz: Wer weder ein einzigartiges Produkt noch die Fähigkeit besitzt, steigende Kosten weiterzugeben, wird von Erzeuger- und Energiepreisen erdrückt.
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Behalten Sie in den kommenden Tagen also weniger die Ölpreise im Blick als die Margen. Morgen liefert UnitedHealth, am Mittwoch DroneShield. Es sind diese Bilanzen, nicht die Brent-Kurve, die zeigen, wer die aktuelle Lage wirklich meistert.
Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann