Wienerberger Aktie: 70 Prozent EBIT-Einbruch

Wienerberger verzeichnet Umsatzplus, aber deutlichen Ertragsrückgang. Trotz schwacher Aktie und Führungswechsel stocken Insider ihre Anteile auf.

Felix Baarz ·

Kurz zusammengefasst

  • Aufsichtsrat und CEO kaufen Aktien
  • Umsatzplus bei sinkendem EBITDA
  • Führungswechsel belastet Aktienkurs
  • Kurs nahe 52-Wochen-Tief

Wienerberger kommt an der Börse nicht zur Ruhe. Während der Kurs nahe dem 52-Wochen-Tief verharrt, kaufte Aufsichtsrat Peter Steiner am Donnerstag vergangener Woche erneut Aktien des Baustoffkonzerns – ein Signal, das angesichts der jüngsten Geschäftszahlen Beachtung verdient.

Insider setzen auf die Aktie

Die Meldung über Steiners Aktienkauf wurde als Pflichtinformation veröffentlicht. Bereits zuvor hatte Interims-CEO Gerhard Hanke eine eigene Aktientransaktion gemeldet, ebenfalls als Pflichtmitteilung. Dass gleich zwei führende Köpfe des Unternehmens in einer Phase schwacher Kursentwicklung zugreifen, lässt sich als Vertrauensbeweis lesen – auch wenn die operativen Zahlen zuletzt wenig Anlass zu Optimismus gaben.

Umsatz wächst, Ertrag bricht ein

Für das zweite Quartal 2026 meldete Wienerberger einen Umsatzanstieg um 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Das operative EBITDA sank im selben Zeitraum auf 230 Millionen Euro.

Für das erste Halbjahr insgesamt weist der Konzern einen Umsatz von 2,434 Milliarden Euro aus, ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das operative EBITDA fiel um 15 Prozent, das EBIT brach sogar um 70 Prozent ein.

Diese Diskrepanz zwischen wachsendem Umsatz und schrumpfendem Ertrag erklärt der Konzern mit einer strategischen Verschiebung: Wienerberger richtet sich stärker auf Infrastruktur und Renovierung aus, während der klassische Wohnbau schwach bleibt.

In der Mitteilung zu den Halbjahreszahlen aktualisierte das Unternehmen seine Jahresaussage entsprechend und verwies auf anhaltend schwache Wohnbaumärkte bei gleichzeitig robuster Nachfrage in den Bereichen Renovierung und Infrastruktur.

Führungswechsel als Belastungsfaktor

Vor rund zwei Wochen hatte Wienerberger den vorzeitigen Rückzug von CEO Heimo Scheuch aus persönlichen Gesundheitsgründen bekanntgegeben. Gerhard Hanke übernahm interimistisch die Führung. Seither hat die Aktie rund 8,2 Prozent verloren – ein Umstand, der die Käufe von Hanke und Steiner in einem bemerkenswerten Licht erscheinen lässt: Statt sich in der Umbruchphase zurückzuhalten, bauen beide ihre Positionen aus.

Kurs bleibt unter Druck

Der Schlusskurs vom Dienstag lag bei 19,69 Euro, nach einem Plus von 1,2 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Jahressicht steht die Aktie mit 35 Prozent im Minus, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 31,42 Euro vom 26. August 2025 beträgt 37 Prozent.

Zum 52-Wochen-Tief von 19,00 Euro, erreicht am 19. August 2026, sind es dagegen nur noch 3,6 Prozent – der Kurs notiert also nahe seinem Jahrestiefpunkt.

Am 17. August senkte Oddo BHF das Kursziel für Wienerberger, beließ die Einstufung jedoch bei Neutral. Es handelt sich um die bislang jüngste erfasste Analystenreaktion auf die veränderte Geschäftslage.

Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Ein wachsender Umsatz trifft auf einbrechende Margen, ein Führungswechsel auf demonstrative Insider-Käufe. Ob die Neuausrichtung auf Renovierung und Infrastruktur die Schwäche im Wohnbau langfristig kompensieren kann, wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.

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Wienerberger Aktie

19,85 EUR

+ 0,26 EUR +1,33 %
KGV 34,64
KUV 0,46
Sektor Grundlegende Materialien
Div.-Rendite 4,92 %
Marktkapitalisierung 2,17 Mrd. EUR
Ø Kursziel 22,62 EUR
ISIN: AT0000831706 WKN: 852894

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