Wienerberger Aktie: EBITDA-Prognose um 110 Millionen gesenkt
Wienerberger reduziert das EBITDA-Ziel auf 700 Millionen Euro. Halbjahresgewinn, Führungswechsel und US-Vergleich erhöhen den Druck.

Kurz zusammengefasst
- Jahresziel beim EBITDA deutlich reduziert
- Wohnungsneubau belastet Nordamerika und Großbritannien
- Heimo Scheuch tritt als CEO zurück
- US-Vergleich über 52,4 Millionen Dollar
Wienerberger hat die Prognose für das laufende Jahr deutlich zurückgenommen. Das Unternehmen erwartet nun ein operatives EBITDA von rund 700 Millionen Euro statt der ursprünglich angepeilten 810 Millionen Euro. Grund ist der schwache Wohnungsneubau in den USA, Kanada und Großbritannien, der die Ergebnisse mit etwa 100 Millionen Euro belastet.
Die Halbjahreszahlen zeigen das Ausmaß des Gegenwinds. Der Umsatz stieg zwar um 4 Prozent auf 2.434 Millionen Euro, doch das operative EBITDA brach um 15 Prozent auf 326 Millionen Euro ein.
Noch deutlicher fiel der Rückgang beim EBIT aus: Mit 60 Millionen Euro lag es um 70 Prozent unter dem Vorjahreswert, die Marge sackte auf 13,4 Prozent. Im zweiten Quartal allein wuchs der Umsatz um 13 Prozent auf 1.409 Millionen Euro, während das operative EBITDA um 9 Prozent auf 230 Millionen Euro nachgab.
Führungswechsel als zusätzliche Belastung
Verschärft wird die Lage durch den überraschenden Rückzug von Langzeit-CEO Heimo Scheuch, der aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurücktrat, nachdem er den Konzern mehr als 17 Jahre geführt hatte. Die Aktie hat seither rund 10 Prozent verloren.
Interimistisch übernahm Gerhard Hanke die Konzernspitze. Er bringt mehr als 25 Jahre Erfahrung im Unternehmen mit, war zwischen 2021 und 2025 Finanzvorstand und zuletzt COO für Zentral- und Osteuropa sowie Deputy Chairman des Vorstands.
Zusatzbelastung durch US-Vergleich
Neben dem operativen Gegenwind kommt eine juristische Altlast hinzu: Die Tochtergesellschaft Pipelife Jet Stream einigte sich in drei US-Kartellklagen auf einen Vergleich über insgesamt 52,4 Millionen US-Dollar, ohne Schuldeingeständnis. Die Zahlung wird für 2026 erwartet und als Einmaleffekt außerhalb des operativen EBITDA ausgewiesen – belastet damit aber die Bilanz zusätzlich in einem ohnehin schwierigen Jahr.
Um die Profitabilität zu stabilisieren, setzt der Konzern auf Preiserhöhungen von 5 Prozent bis Jahresende sowie auf das „Fit for Growth“-Programm, das 2026 einen Ergebnisbeitrag von 25 Millionen Euro liefern soll, mit stärkerem Effekt im zweiten Halbjahr.
Bei der Verschuldung strebt das Unternehmen bis Jahresende ein Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA von 2,8 an, das bis Ende 2027 auf 2,4 sinken und langfristig bei 2,0 liegen soll.
Kursbild spiegelt die Ergebniskrise
Am Kapitalmarkt hat sich die Eintrübung längst niedergeschlagen. Die Aktie notiert aktuell bei 19,31 Euro und liegt damit 38 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 31,34 Euro, das erst Anfang Januar erreicht wurde.
Seit Jahresbeginn beträgt der Kursverlust 37 Prozent. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 25,14 Euro klafft eine Lücke von 23 Prozent, ein Zeichen dafür, wie tief der mittelfristige Abwärtstrend inzwischen reicht.
Auch die im April abgeschlossenen Übernahmen von Italcer, einem italienischen Anbieter von Keramikfliesen, und der schwedischen NEWS Group, die auf nachhaltige Abwasserlösungen spezialisiert ist, konnten die operative Schwäche bislang nicht kompensieren – beide Zukäufe erfüllten laut Unternehmensangaben zwar die Erwartungen, wiegen aber den Einbruch im nordamerikanischen und britischen Neubaugeschäft nicht auf.
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