Wienerberger Aktie: Guidance auf 700 Millionen gekürzt

Wienerberger verzeichnet nach Führungswechsel und schwachen Quartalszahlen einen deutlichen Kursverlust. Der operative Gewinn sank um 9 Prozent, die Jahresprognose wurde gekappt.

Andreas Sommer ·
Moderne Baustelle in der Abenddämmerung mit Fokus auf Baumaterialien und architektonische Strukturen. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Kurs rutscht Richtung 52-Wochen-Tief
  • CEO-Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen
  • Gewinn bricht um 70 Prozent ein
  • Jahresprognose deutlich gesenkt

Die Aktie von Wienerberger notiert am Freitag bei 19,37 Euro und verliert im Tagesverlauf 1,4 Prozent. Damit rückt der Titel dicht an sein 52-Wochen-Tief von 19,00 Euro heran, das erst am Dienstag erreicht wurde. Der Kurs liegt inzwischen 40 Prozent unter dem Jahreshoch vom 25. August 2025. Anleger verarbeiten damit gleich zwei Nachrichten binnen weniger Tage: einen überraschenden CEO-Wechsel und schwache Quartalszahlen.

Scheuch tritt zurück, Hanke übernimmt

Am 10. August gab Wienerberger bekannt, dass Heimo Scheuch aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung als Vorstandsvorsitzender zurücktritt. Scheuch hatte den Baustoffkonzern mehr als 17 Jahre geführt. Interimistisch übernimmt Gerhard Hanke, bislang COO für Zentral- und Osteuropa sowie stellvertretender CEO, die Führung.

Das Unternehmen teilte mit, eine strukturierte Suche nach einem langfristigen Nachfolger eingeleitet zu haben. Aufsichtsratsmitglied Peter Steiner kaufte laut einer Pflichtmitteilung am 20. August Wienerberger-Aktien – ein Signal, das in Zeiten des Führungswechsels Beachtung findet.

Gewinn bricht ein, Guidance gekappt

Zwei Tage nach der Personalie folgte am 12. August der Quartalsbericht, der die Talfahrt der Aktie zusätzlich befeuerte. Der Konzernumsatz stieg im zweiten Quartal 2026 zwar um 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Das operative EBITDA sank jedoch um 9 Prozent auf 230 Millionen Euro, die Marge schrumpfte von 20,3 auf 16,3 Prozent.

Noch deutlicher fiel der Rückgang beim Gewinn nach Steuern aus: Er brach von 103 Millionen auf 31 Millionen Euro ein, der Gewinn je Aktie sackte von 0,93 auf 0,28 Euro ab.

Als Ursachen nannte das Unternehmen ein schwaches Wohnungsneubaugeschäft in Nordamerika und Großbritannien sowie geopolitisch bedingte Kosteninflation. Auch der freie Cashflow gab von 124 auf 83 Millionen Euro nach, während die Nettoverschuldung binnen Jahresfrist von 2,0 auf 2,4 Milliarden Euro anstieg. Wienerberger senkte daraufhin seine Jahresguidance für das operative EBITDA 2026 von ursprünglich über 800 Millionen auf 700 Millionen Euro.

Strategischer Umbau läuft weiter

Trotz der schwachen Zahlen treibt Wienerberger seine Transformation hin zu Infrastruktur- und Renovierungslösungen voran, die nach Unternehmensangaben inzwischen mehr als 60 Prozent des Konzernumsatzes ausmachen.

Zukäufe wie Terreal im Jahr 2024, Italcer 2026 sowie der im April abgeschlossene Erwerb der schwedischen NEWS Group, die auf nachhaltige Abwasserlösungen spezialisiert ist, stehen für diesen Kurs. Fernab des operativen Geschäfts sorgte zudem eine dreijährige Partnerschaft mit den österreichischen Skisprung-Nationalteams ab der Saison 2026/27 für mediale Präsenz der Marke.

Analysten reagierten bereits im Vorfeld der Zahlen skeptisch: Citi stufte die Aktie am 22. Juli von „Buy“ auf „Neutral“ herunter und senkte das Kursziel von 30 auf 22 Euro. Für Anleger bleibt der 2. September ein Termin, an dem sich das Management auf der Commerzbank & ODDO BHF Corporate Conference in Frankfurt erstmals nach dem Führungswechsel und der Gewinnwarnung öffentlich positionieren dürfte.

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Wienerberger Aktie

17,60 EUR

– 0,60 EUR -3,30 %
KGV 32,50
KUV 0,42
Sektor Grundlegende Materialien
Div.-Rendite 5,28 %
Marktkapitalisierung 1,92 Mrd. EUR
Ø Kursziel 22,40 EUR
ISIN: AT0000831706 WKN: 852894

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