Wienerberger Aktie: Italcer-Übernahme abgeschlossen
Wienerberger meldet rückläufiges EBITDA und reduziert die Prognose für 2026. Zukäufe stärken Renovierung und Wassermanagement, doch der Wohnungsbau schwächelt.

Kurz zusammengefasst
- Italcer-Übernahme und NEWS-Zukauf vollzogen
- Zweites Quartal mit sinkendem operativem EBITDA
- Jahresziel für 2026 deutlich reduziert
- Aktie rund 39 Prozent unter Jahreshoch
Wienerberger hat seine Übernahmen abgeschlossen – während das operative Geschäft weiter unter Druck steht. Der Baustoffkonzern meldete Mitte August Halbjahreszahlen, die den strategischen Umbau bestätigen: Infrastruktur und Renovierung tragen inzwischen über 60 Prozent der Konzernumsätze und sollen das Geschäft weniger konjunkturabhängig machen. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, wie stark der Wohnungsbau in wichtigen Märkten weiter schwächelt.
Zukäufe sollen Zyklus abfedern
Im zweiten Quartal hat Wienerberger die Übernahme der italienischen Keramikgruppe Italcer sowie den Zukauf der NEWS Group abgeschlossen. Beide Deals stärken die Position im Renovierungs- und Wassermanagementgeschäft – jenen Bereichen, die das Unternehmen künftig weniger abhängig vom klassischen Neubau machen sollen.
Die Italcer-Transaktion war bereits im Februar angekündigt worden: Wienerberger übernahm zunächst 50 Prozent plus eine Aktie an dem Keramikproduzenten mit Standorten in Italien und Spanien, der 2025 rund 350 Millionen Euro Umsatz erzielte. Eine Kaufoption für die restlichen Anteile ist für 2027 vorgesehen. Mittelfristig soll die Beteiligung mehr als 100 Millionen Euro zum EBITDA beitragen.
Die Strategie ist eine Reaktion auf einen Markt, der sich seit Monaten schwierig zeigt. Der Umsatz im zweiten Quartal stieg zwar um 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, getragen von organischem Wachstum und den Akquisitionen. Das operative EBITDA brach im selben Zeitraum jedoch um 9 Prozent auf 230 Millionen Euro ein.
Für das erste Halbjahr insgesamt stand ein Umsatzplus von 4 Prozent auf 2.434 Millionen Euro einem EBITDA-Rückgang von 15 Prozent auf 326 Millionen Euro gegenüber, die Marge sank auf 13,4 Prozent. Der Nettogewinn blieb dabei nahezu unverändert.
Guidance deutlich gekappt
Besonders schwer wiegt die Anpassung der Jahresprognose: Wienerberger rechnet für 2026 nur noch mit einem operativen EBITDA von rund 700 Millionen Euro, ursprünglich waren 810 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden.
Grund ist die anhaltend schwache Wohnungsnachfrage in den USA, Kanada und Großbritannien, verbunden mit anhaltendem Kostendruck. Die Diversifizierung über Zukäufe kompensiert diesen Effekt bislang nicht vollständig – sie soll ihn strukturell erst über mehrere Jahre abfedern.
Vor diesem Hintergrund bleibt auch der Führungswechsel an der Spitze relevant, auch wenn er inzwischen rund einen Monat zurückliegt: Der langjährige Vorstandschef Heimo Scheuch hatte aus gesundheitlichen Gründen sein Mandat vorzeitig niedergelegt, sein Nachfolger als Interims-CEO ist Gerhard Hanke, zuvor COO für Zentral- und Osteuropa. Seither hat die Aktie rund 11,2 Prozent verloren.
Dass Management und Aufsichtsrat an die eigene Strategie glauben, unterstreichen mehrere Insider-Käufe: Hanke erwarb Mitte August Wienerberger-Aktien, Aufsichtsratsmitglied Peter Steiner folgte gegen Ende des Monats. Solche Käufe gelten üblicherweise als Vertrauenssignal, ändern aber nichts an den operativen Risiken, die aus der schwachen Baukonjunktur in mehreren Kernmärkten resultieren.
Am Markt zeigt sich die angespannte Lage deutlich: Die Aktie notiert aktuell bei 19,05 Euro und damit rund 39 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 31,34 Euro, das Anfang Januar markiert wurde. Der Kursverlauf spiegelt damit sowohl die Führungskrise als auch die gesenkte Ertragsprognose wider – zwei Belastungsfaktoren, die sich in den vergangenen Wochen überlagert haben.
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