Palantir Aktie: Karp attackiert OpenAI und Anthropic

Alex Karp kritisiert das Token-Preismodell der KI-Rivalen als irreführend und wirbt für mehr Datenkontrolle bei Kunden.

Felix Baarz ·

Kurz zusammengefasst

  • Karp nennt KI-Geschäftsmodelle falsch
  • Kritik an Token-Abrechnungssystemen
  • Trump legt Palantir-Beteiligung offen
  • Aktie erholt sich von Jahrestiefs

Alex Karp hat einen Krieg vom Zaun gebrochen. Der Palantir-Chef nennt das Geschäftsmodell der KI-Rivalen OpenAI und Anthropic „komplett falsch“ — und liefert damit den Hintergrund für eine Woche voller Nachrichten rund um die Aktie.

Palantir notiert bei 112,16 Euro, ein Minus von 1,02 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 113,32 Euro. Anleger verarbeiten gerade Karps öffentlichen Frontalangriff auf die beiden größten KI-Labs der Branche.

Karp geißelt „Tokenmaxxing“

In einem CNBC-Interview attackierte Karp das Preismodell, mit dem Anthropic und OpenAI ihre Kunden abrechnen. Die Kosten für sogenannte Tokens explodieren, sagte er bei „Squawk Box“ — und brachte es auf eine drastische Formel: Unternehmen in den USA würden sich mit dem Tokenverbrauch nur „die Zeit vertreiben“, statt echten Nutzen zu schaffen.

Die Aussage folgt auf ein 9-Punkte-Manifest, das Palantir am Dienstag auf der Plattform X veröffentlichte. Darin wirft der Konzern den Wettbewerbern vor, mit „Tokenmaxxing“ ein fragwürdiges Geschäftsmodell zu betreiben. Die Kernbotschaft: Unternehmen sollen die Kontrolle über ihre eigenen Daten behalten, statt sie an fremde KI-Anbieter abzugeben.

Karp legte nach und warf den führenden KI-Labs vor, ihre Firmenkunden in die Irre zu führen. Sie würden die Risiken ihrer Technologie öffentlich dramatisieren — und gleichzeitig ihre stärksten Modelle an Unternehmen und Regierungen weltweit verkaufen. Bei der nationalen Sicherheit wurde er noch deutlicher: Man könne das Schlachtfeld des Landes doch nicht dem Konsens des Silicon Valley überlassen, das sei „verrückt“.

Die Kritik kommt nicht aus dem Nichts. Karps CNBC-Auftritt drehte sich ursprünglich um die erweiterte Partnerschaft mit Nvidia. Palantir integriert Nvidias Nemotron-Modelle in seine Sovereign-AI-Plattform, gedacht für sichere Einsätze bei Behörden und Unternehmen.

Karp begründete die Nvidia-Kooperation mit einer klaren Kundennachfrage: Firmen wollen die Kontrolle über ihre Rechenleistung, ihre Modelle und ihre Datenbasis behalten. Sie wollen wissen, dass sie „die Produktionsmittel besitzen“ — und nicht an Dritte abgeben.

Analysten verweisen auf die eigentliche Brisanz des Streits. Palantir arbeitet zwar mit mehreren KI-Anbietern zusammen, darunter auch OpenAI. Gleichzeitig konkurriert der Konzern zunehmend mit genau diesen Partnern um lukrative Behörden- und Unternehmensverträge — mit Software, die es Kunden erlaubt, KI-Systeme sicher in den eigenen vier Wänden zu betreiben.

Bemerkenswert ist der Tonwechsel. Karp hatte OpenAI-Chef Sam Altman und Anthropic-Chef Dario Amodei früher als durchdachte Führungspersönlichkeiten gelobt. Seine öffentliche Kritik hat sich in den vergangenen Monaten spürbar verschärft — bereits Anfang des Jahres warf er vielen KI-Firmen vor, nicht zu verstehen, wie unbeliebt sie eigentlich sind.

Trump legt Palantir-Beteiligung offen

Die Woche bekam noch eine politische Note. Aus einer Finanzoffenlegung von US-Präsident Donald Trump geht hervor, dass er Millionenbeträge in Apple und Palantir hält. Laut der am Dienstag veröffentlichten Meldung des Office of Government Ethics besitzt Trump Palantir-Aktien im Wert von mindestens einer Million Dollar.

Die Offenlegung listet insgesamt 418 börsennotierte Beteiligungen auf, dazu Einnahmen aus Hotels, Golfanlagen und Krypto-Geschäften.

Charttechnik bleibt angespannt

Der aktuelle Kurs liegt rund 2,76 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 115,34 Euro und 16,67 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 134,60 Euro. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Plus von 12,84 Prozent zu Buche, auf Monatssicht bleibt aber ein Minus von 8,55 Prozent. Seit Jahresbeginn verliert die Aktie 21,62 Prozent.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 179,98 Euro, erreicht im November 2025, trennen die Aktie noch 37,68 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief bei 93,30 Euro vom 26. Juni 2026 beträgt der Abstand dagegen 20,21 Prozent — die jüngste Erholung hat also bereits Boden gutgemacht.

Der RSI von 51,6 signalisiert ein neutrales Momentum, weder überkauft noch überverkauft. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 64,61 Prozent zeigt aber: Die Aktie reagiert weiterhin heftig auf Schlagzeilen.

Ausblick

Karps öffentliche Attacke gegen das Token-Preismodell ist mehr als eine Nebenbemerkung. Sie spiegelt genau das Geschäftsmodell, das Palantir selbst verkauft: Unternehmen und Regierungen sollen ihre Daten, Modelle und Rechenleistung selbst besitzen, statt sie bei den großen KI-Labs zu mieten.

Karps Argument dahinter: Die führenden KI-Anbieter würden dreifach profitieren — durch Tokengebühren, durch Einblick in das Know-how ihrer Kunden und am Ende durch die Kommerzialisierung genau dieses Wissensvorsprungs. Ob diese Positionierung tatsächlich neue Großaufträge bringt, dürfte sich in den kommenden Quartalszahlen zeigen. Die „AI-Sovereignty“-Erzählung liefert zumindest eine plausible Geschichte für die jüngste Kurserholung von den Tiefs.

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Palantir Aktie

111,96 EUR

– 1,20 EUR -1,06 %
KGV 141,27
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 301,41 Mrd. EUR
ISIN: US69608A1088 WKN: A2QA4J

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