Volkswagen Aktie: RBC senkt Kursziel auf 120 Euro
RBC Capital Markets reduziert das Kursziel für VW-Vorzüge auf 120 Euro, hält aber an der Kaufempfehlung fest. Analysten sehen Belastungen durch China und Europa.

Kurz zusammengefasst
- Kursziel leicht auf 120 Euro gesenkt
- Kaufempfehlung für VW bleibt bestehen
- China-Geschäft und Europa-Wettbewerb belasten
- VW-Aktie notiert 29 Prozent unter Jahresstart
Die Analysten von RBC Capital Markets bleiben bei Volkswagen optimistisch, werden aber vorsichtiger. Tom Narayan senkte das Kursziel für die Vorzugsaktie von 121 auf 120 Euro, beließ die Einstufung jedoch bei „Outperform“.
Der Analyst passte seine Modelle an die jüngsten Quartalszahlen an und verweist auf anhaltende Belastungen durch das China-Geschäft sowie den harten Wettbewerb in Europa. Zugleich sieht er Volkswagen von der eigenen Elektroauto-Strategie profitieren.
Die Einschätzung reiht sich in ein breiteres Bild ein: Auch für den Rivalen BMW senkte Narayan am selben Tag das Kursziel, von 62 auf 60 Euro, mit ähnlicher Begründung – schwacher China-Absatz und zunehmender Preisdruck in Europa. Für europäische Autobauer insgesamt zeichnet RBC damit ein vorsichtigeres Bild, ohne die grundsätzliche Kaufempfehlung für Volkswagen infrage zu stellen.
Kurs bleibt unter Druck
Am Kapitalmarkt zeigt sich die schwierige Lage weiterhin deutlich. Die Volkswagen-Vorzugsaktie schloss am Freitag bei 73,88 Euro, ein Plus von 0,9 Prozent auf Tagesbasis.
Auf Sicht von sieben Handelstagen steht dennoch ein Minus von 3,3 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn beläuft sich der Rückgang auf 29 Prozent. Damit notiert das Papier rund 32 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro, das im Dezember erreicht wurde, und liegt nur noch knapp 7 Prozent über dem 52-Wochen-Tief vom 1. Juli.
Das RBC-Kursziel von 120 Euro würde gegenüber dem aktuellen Niveau eine deutliche Aufwärtsbewegung bedeuten – ein Anspruch, den die Aktie angesichts der Schwäche der vergangenen Monate erst noch einlösen muss.
Strukturkrise der Branche belastet das Sentiment
Hinter der Zurückhaltung der Analysten steht eine tiefere Problematik der gesamten deutschen Autoindustrie. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sank die Beschäftigung in der Branche im ersten Halbjahr 2026 auf 691.500 Mitarbeiter, ein Rückgang von 42.300 Stellen oder 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr – der niedrigste Stand seit 2005. Zulieferer verzeichneten dabei einen Beschäftigungsrückgang von 7,6 Prozent, Hersteller von 6,1 Prozent.
Der Verband der Automobilindustrie warnt vor bis zu 225.000 verlorenen Arbeitsplätzen bis 2035. Bei Volkswagen selbst sind laut Berichten aktuell rund 50.000 Stellen offen, während Porsche bis 2032 mit einem Abbau von 5.000 und BMW von 8.000 Arbeitsplätzen rechnet. Der Ernst-&-Young-Analyse zufolge ist die Restrukturierung der Branche noch längst nicht abgeschlossen.
Diese strukturelle Erneuerungskrise, angetrieben durch chinesische Konkurrenz und US-Zölle, bildet den Hintergrund, vor dem RBC seine Modelle für den gesamten Sektor nach unten korrigiert. Für Volkswagen kommt hinzu, dass der Konzern nach einem Bericht von Ende Juli einen milliardenschweren Plan konkretisiert – nähere Details dazu wurden bislang nicht veröffentlicht.
Ausblick
Anleger stehen damit vor einem zwiespältigen Bild: Analysten bewerten die langfristige Elektrostrategie von Volkswagen positiv, senken aber ihre kurzfristigen Kursziele wegen des China-Geschäfts und des europäischen Wettbewerbsdrucks.
Solange sich die Beschäftigungs- und Absatzzahlen der Branche nicht stabilisieren, dürfte die Aktie in ihrer Handelsspanne zwischen dem 52-Wochen-Tief und dem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 76,66 Euro verharren.
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