Xiaomi EV: Die Lücke zum Jahresziel wächst
Xiaomi EV erreicht nur 34 Prozent des Jahresziels von 550.000 Einheiten. Der neue Sky Nomad soll die Auslieferungen im zweiten Halbjahr nahezu verdoppeln.

Kurz zusammengefasst
- Nur 34 Prozent des Jahresziels erreicht
- Neuer Sky Nomad als Hoffnungsträger
- SU7-Auslieferungen brechen um 48 Prozent ein
- Aktie fällt trotz Monatsplus um fünf Prozent
Vier Monate in Folge liefert Xiaomi mehr als 30.000 Elektroautos aus. Klingt nach Kontinuität. Doch die Halbjahresbilanz zeigt: Bei 185.055 ausgelieferten Fahrzeugen sind erst rund 34 Prozent des Jahresziels von 550.000 Einheiten erreicht.
Wieder einmal nennt Xiaomi EV keine exakte Zahl für Juli, keine Aufschlüsselung nach Modellen. Die vage Formulierung wiederholt sich seit Monaten. Genau das macht die Situation brisant: Um das Jahresziel noch zu schaffen, müsste Xiaomi die monatlichen Auslieferungen in der zweiten Jahreshälfte auf fast 60.000 Einheiten hochschrauben. Das wäre nahezu eine Verdopplung des aktuellen Tempos.
Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Kursrutsch von 5,00 Prozent auf 3,23 Euro. Auf Monatssicht steht trotzdem ein Plus von 30,69 Prozent zu Buche – die Erholung seit dem Tief Ende Juni bleibt intakt.
Die entscheidende Kennzahl: 60.000 pro Monat
Ob Xiaomi den nötigen Sprung schafft, hängt maßgeblich vom neuen Modell Sky Nomad ab. Der Wagen wurde am 30. Juli offiziell vorgestellt und markiert als zweite Fahrzeugreihe den Einstieg in Extended-Range-Elektroantriebe. Charttechnisch bewegt sich die Aktie mit einem RSI von 57,7 in neutralem Terrain – oberhalb des 50-Tage-Durchschnitts, aber noch 13,27 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Die mittelfristige Erholung ist also noch nicht abgeschlossen.
Bullisches Szenario: Sky Nomad als Wachstumstreiber
Für Optimisten zählt zunächst die Stabilität der Produktion. Vier Monate über 30.000 Einheiten zeigen: Die Lieferketten laufen zuverlässig, auch wenn das Tempo für das Jahresziel nicht reicht.
Der Sky Nomad hat die Straßentests bereits durchlaufen. Sein Extended-Range-Antrieb soll gezielt die Reichweitenängste vieler EV-Käufer adressieren. Sollte das Modell ähnlich einschlagen wie einst die YU7, könnte sich das Auslieferungstempo im vierten Quartal spürbar beschleunigen.
Hinzu kommt ein struktureller Faktor: Xiaomi ist früher Investor beim Speicherchip-Hersteller CXMT, dessen Börsengang zuletzt für positive Stimmung sorgte. Parallel dazu liegt laut Hongkonger Börsenaufsicht ein hoher Anteil der Aktie short – rund 1,45 Milliarden Aktien. Überraschend gute Auslieferungszahlen könnten hier eine Eindeckungsrallye auslösen und den Kurs zusätzlich treiben.
Bärisches Szenario: Die SU7 schwächelt
Die Kehrseite: Eine Verdopplung der monatlichen Lieferrate binnen weniger Monate ist ambitioniert. Ein einzelnes neues Modell dürfte diese Lücke kaum allein schließen.
Die Flotte zeigt bereits eine deutliche Divergenz. Die YU7 lieferte im ersten Halbjahr 104.559 Einheiten und trägt das Wachstum praktisch allein. Die SU7-Limousine kam dagegen nur auf 80.496 Einheiten – ein Rückgang von 48,30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein schwächelndes Kernmodell bei gleichzeitig steigenden Zielvorgaben belastet die operative Marge im Autogeschäft.
Zusätzlichen Druck bringt die Smartphone-Sparte. Ab September will Qualcomm seine Snapdragon-Prozessoren verteuern. Speicherbausteine machen bei günstigen Modellen bereits einen erheblichen Teil der Produktionskosten aus. Der Kostendruck könnte die Konzernmarge insgesamt treffen – noch bevor sich der Effekt im Autogeschäft überhaupt zeigt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 57,44 Prozent unterstreicht: Kursausschläge in beide Richtungen bleiben wahrscheinlich.
Ausblick
Hält Xiaomi die 30.000er-Marke monatlich und liefert der Sky Nomad tatsächlich zusätzliches Volumen, spricht mehr für eine schrittweise Annäherung an das Zwischenziel. Automatisch gesichert wäre das Jahresziel von 550.000 Einheiten damit trotzdem nicht.
Bricht die Nachfrage nach der SU7 dagegen weiter ein, ohne dass die neue Modellreihe den Rückgang auffängt, dürfte die Lücke zum Jahresziel weiter wachsen – mit entsprechendem Druck auf die Aktie.
Der nächste konkrete Prüfstein: die detaillierte monatliche Auslieferungsstatistik der China Passenger Car Association. Sie wird zeigen, ob die 60.000-Einheiten-Marke im zweiten Halbjahr überhaupt in Reichweite rückt. Genauso entscheidend wird sein, wie sich die Bruttomarge im EV-Segment angesichts der Chip-Preiserhöhungen ab September entwickelt – ablesbar frühestens in den Zahlen zum dritten Quartal.
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