Novo Nordisk Aktie: ZEUS-Studie lässt Ziltivekimab scheitern
Novo Nordisk verzeichnet nach gescheiterter Herzstudie einen massiven Kursverlust. Analysten bewerten den Rückschlag unterschiedlich, während die Pipeline außerhalb des Kerngeschäfts unter Druck gerät.
Kurz zusammengefasst
- Kursrutsch nach Studienpleite
- Analysten uneins über Ausmaß
- Weitere Biotech-Werte betroffen
- Rechtsstreit mit Lilly läuft
Ein gescheiterter Herzmedikament-Test hat Novo Nordisk am Freitag fast neun Prozent Kurswert gekostet. Die Aktie schloss bei 40,90 Euro, rund 25 Prozent unter dem Jahreshoch von 54,86 Euro aus dem Januar. Analysten sind sich uneinig, wie schwer der Rückschlag wirklich wiegt.
Studie verfehlt ihr Ziel
Das Mittel Ziltivekimab sollte in der Studie ZEUS zeigen, dass es bei Patienten mit Arterienverkalkung, chronischer Nierenerkrankung und erhöhten Entzündungswerten schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse verhindert. Der Wirkstoff zeigte zwar eine biologische Wirkung. Eine statistisch relevante Reduktion von Herztod, nicht-tödlichem Infarkt oder Schlaganfall blieb aber aus.
Die Reaktion der Wall Street fällt gespalten aus. Jefferies und Citi halten den Kursrutsch für übertrieben, gemessen am kleinen Beitrag des Medikaments zum Gesamtgeschäft von Novo Nordisk. Jefferies warnt aber gleichzeitig vor einem tieferen Problem: Der Studie zufolge verliere Novo eine seiner glaubwürdigsten Wachstumschancen außerhalb des Übergewichtsgeschäfts. Das Unternehmen bleibe damit stärker auf die Vermarktung seiner Adipositas-Produkte und auf externe Innovationen angewiesen.
Für einen Erfolg hätte Ziltivekimab das Risiko um mindestens 20 Prozent senken müssen, so Jefferies. Die Bank bezeichnet das Ergebnis als „strategisch negativ“ – damit falle eine Wachstumschance weg, die jährlich mehr als 10 Milliarden Dollar hätte einbringen können. J.P. Morgan beließ sein Rating dagegen unverändert. Die uneinheitliche Reaktion zeigt, wie wenig Geduld der Markt mit Novos Pipeline außerhalb des GLP-1-Kerngeschäfts noch hat.
Kleinere Biotech-Werte geraten mit
Der Schock reichte über Novo Nordisk hinaus. Auch die Aktien von Monte Rosa Therapeutics und BioAge Labs brachen ein, weil Anleger ähnliche Entzündungshemmer-Programme neu bewerteten. Citi berichtete von einem Kurseinbruch von über 60 Prozent bei BioAge Labs allein wegen der ZEUS-Nachricht.
Pipeline unter Druck
Novo Nordisk erklärte, der Rückschlag ändere nichts an der Gewinnprognose für 2026. Im dritten Quartal wird das Unternehmen dennoch eine zahlungsunwirksame Abschreibung verbuchen. Forschungschef Martin Holst Lange versucht zu beruhigen: Das Scheitern von Ziltivekimab ändere nichts am strategischen Bekenntnis zur Herz-Kreislauf-Forschung.
Der Rückschlag reiht sich aber in eine Serie von Pipeline-Enttäuschungen, die die Stimmung 2026 belastet haben. Zuvor war bereits die CagriSema-Studie im Vergleich zu Eli Lillys Konkurrenzprodukt gescheitert. Zwei weitere Spätphasen-Studien zu Ziltivekimab, Hermes und Artemis, sollen in der ersten Hälfte 2027 abgeschlossen werden. Sie liefern den nächsten Prüfstein für die Herz-Kreislauf-Sparte.
Rechtsstreit mit Lilly läuft weiter
Auch juristisch bleibt Novo Nordisk gefordert. Ein Bundesrichter in Trenton verhandelt am 27. August über den Antrag des Unternehmens, Eli Lillys landesweite Werbekampagnen per einstweiliger Verfügung zu stoppen. Novo wirft Lilly vor, in der Werbung für Zepbound und Mounjaro veraltete Vergleichsdaten zu nutzen. Der Ausgang könnte beeinflussen, wie aggressiv beide Konzerne ihre konkurrierenden GLP-1-Produkte bis Jahresende vermarkten dürfen.
Charttechnisch steht die Aktie an einem Wendepunkt. Sie notiert praktisch exakt am 50-Tage-Durchschnitt von 40,90 Euro und knapp über dem 200-Tage-Durchschnitt von 40,35 Euro. Der RSI von 41,8 zeigt: Überverkauft ist der Titel noch nicht, trotz des Rückschlags vom Freitag. Die kommenden Wochen bringen mit der Anhörung in Trenton und weiteren Kommentaren zur Pipeline-Strategie neue Anhaltspunkte dafür, wie belastbar Novos Wachstumsgeschichte jenseits des Abnehmgeschäfts wirklich ist.
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