Stellantis Aktie: Box-on-Wheels feiert Weltpremiere

Stellantis meldet Umsatzwachstum und starke US-Verkäufe, kämpft in Europa und Kanada jedoch mit Kurzarbeit, Tarifgesprächen und Zollrisiken.

Dieter Jaworski ·

Kurz zusammengefasst

  • Aktie legt heute 3,7 Prozent zu
  • Nordamerika treibt das Umsatzwachstum
  • Europa bleibt von Kurzarbeit geprägt
  • Tarifgespräche in Kanada haben begonnen

Manchmal erzählt ein Aktienkurs mehr über den Zustand eines Konzerns als jede Pressemitteilung. Heute steigt Stellantis um 3,7 Prozent auf 4,72 Euro – ein kräftiger Sprung, der aber nichts daran ändert, dass das Papier seit Jahresanfang die Hälfte seines Wertes verloren hat und nur knapp acht Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 4,38 Euro notiert. Wer die Nachrichtenlage der letzten Tage durchgeht, versteht, warum die Anleger zwischen Hoffnung und Ernüchterung pendeln.

Da ist zum einen das große Bild: Ein Konzern, der sich neu sortiert. CEO Antonio Filosa, seit dem Führungswechsel Ende August im Amt, tritt am 10. September auf der Jefferies Global Industrials Conference in New York auf – ein klassischer Termin, um Investoren die Richtung zu erklären.

Gleichzeitig baut Stellantis sein Kommunikations- und Markenmanagement um: Stephanie Hartgrove wird Chief Communications Officer, Clara Ingen-Housz übernimmt die Public-Policy-Strategie, Arnaud Belloni wird CEO von FIAT, Abarth und Lancia sowie Marketingchef für Europa. Das ist mehr als Personalkosmetik – es ist der Versuch, nach einem schwierigen Jahr wieder eine klare Erzählung zu liefern.

Zwei Geschwindigkeiten: Nordamerika zieht, Europa hinkt

Das zeigt sich exemplarisch in den Zahlen. Im zweiten Quartal 2026 legte der Umsatz um 13 Prozent auf 43,5 Milliarden Euro zu, getrieben von einem Plus von 32 Prozent in Nordamerika.

Die USA verzeichneten im August das vierte Quartal in Folge Wachstum: 108.040 verkaufte Fahrzeuge, ein Plus von 1,3 Prozent – während der Gesamtmarkt um 6,3 Prozent einbrach. Ram, Jeep, Chrysler und Dodge trugen das Wachstum, der Marktanteil liegt bei 7,4 Prozent. Das ist die Seite der Geschichte, die Mut macht.

Europa dagegen bleibt die Problemzone. Und hier liegt die eigentliche Frage, die diesen Konzern umtreibt: Kann ein Autobauer, dessen Heimatmarkt schwächelt, sich über den Rest der Welt gesundschrumpfen? In Atessa in den Abruzzen investiert Stellantis eine Milliarde Euro in ein neues leichtes Nutzfahrzeug, den Ducato-Nachfolger – eine der größten Einzelinvestitionen des Konzerns in Europa.

Doch bis dahin stehen 1.550 Arbeiter in Kurzarbeit, mindestens bis Juli 2026. Kommende Woche stehen Gespräche in Brüssel an. Es ist das alte Muster der europäischen Autoindustrie: Investitionen in die Zukunft, während die Gegenwart auf Kurzarbeitergeld läuft.

Handelspolitik als Damoklesschwert

Auch in Kanada zeigt sich, wie sehr Stellantis inzwischen zum Spielball der globalen Zollpolitik geworden ist. Die Gewerkschaft Unifor hat heute Verhandlungen mit dem Konzern begonnen, mit dem Ziel eines Abschlusses bis zum 11. September. Sie fordert eine jährliche Lohnerhöhung von drei Prozent über drei Jahre und verlangt Schutz für das Werk in Brampton, wo bereits 2.200 Mitarbeiter entlassen wurden.

Der Hintergrund: Zolldrohungen von US-Präsident Trump belasten die nordamerikanische Lieferkette, obwohl Stellantis seit 2022 mehr als acht Milliarden Dollar in Kanada investiert hat. Wenn Politik zum größeren Risikofaktor wird als das eigentliche Geschäft, verändert das die Kalkulation jedes Autobauers.

Nicht alles ist Krisenmanagement. Auf der IAA Transportation in Hannover zeigt Stellantis Pro One heute die Weltpremiere seines autonomen Lieferkonzepts „Box-on-Wheels“ für die letzte Meile, ergänzt um ein Live-Debüt des Smart Compact Van. Und der Konzern beginnt, Batterien für vollelektrische und Plug-in-Hybrid-Modelle selbst aufzuarbeiten – ein Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft, der auch Kosten sparen soll.

Was bleibt, ist ein Konzern in Bewegung: neue Führung, neues Kapital für Europa, robuste US-Zahlen, aber ein Tarifstreit in Kanada und eine Beteiligung an Leapmotor, die zeigt, wie sehr sich die Machtverhältnisse in der E-Mobilität nach China verschieben – Leapmotor lieferte im August über 103.000 Fahrzeuge aus, ein Plus von mehr als 80 Prozent.

Stellantis hält 21 Prozent an diesem chinesischen Herausforderer, der in Europa gerade zum Rekordhalter wird. Der Konzern wettet offenbar darauf, von beiden Seiten des Strukturwandels zu profitieren – als etablierter Hersteller und als Anteilseigner der Konkurrenz, die ihn eigentlich herausfordert.

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Stellantis Aktie

4,70 EUR

+ 0,19 EUR +4,19 %
KGV
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 52,20 Mrd. EUR
Ø Kursziel 6,95 EUR
ISIN: NL00150001Q9 WKN: A2QL01

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