Gold: Goldman senkt Ziel auf 4.900 Dollar
Geopolitische Entspannung belastet Gold kurzfristig, doch massive Notenbankkäufe bieten dem Markt eine stabile Basis.

Kurz zusammengefasst
- Friedensfahrplan senkt Risikoprämie
- Goldman Sachs senkt Kursziel deutlich
- Zentralbanken kaufen 244 Tonnen Gold
- Fed-Kurs bleibt dominierender Faktor
Der US-iranische Friedensfahrplan aus der Schweiz hat Gold kurzfristig belastet — und gleichzeitig eine Erholung ausgelöst. Paradoxer kann ein Markt kaum reagieren.
Geopolitik: Entspannung als zweischneidiges Schwert
Die Gipfelgespräche in Burgenstock endeten mit einer konkreten Einigung: Beide Seiten vereinbarten einen 60-Tage-Fahrplan für einen endgültigen Deal. Die Straße von Hormus bleibt für diesen Zeitraum zollfrei offen. Kämpfe im Libanon sollen eingestellt werden. US-Vizepräsident JD Vance bestätigte, der Iran lasse IAEA-Inspektoren wieder ins Land.
Für Gold ist das ein gemischtes Signal. Nachlassende Kriegsängste senken die geopolitische Risikoprämie. Fallende Ölpreise dämpfen die Inflation — und damit den Druck auf die Fed, die Zinsen anzuheben. Beides belastet den Goldpreis. Der Kurs schloss gestern bei 4.209,80 Dollar je Unze, rund 7 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt und seit Jahresbeginn im Minus.
Fed-Kurs und die Bankenmeinungen
Der hawkishe Ton der Federal Reserve bleibt der dominierende Faktor. Neun der 19 Fed-Mitglieder rechnen mit mindestens einer Zinserhöhung in diesem Jahr. Märkte preisen eine mögliche Anhebung bereits für September ein.
Goldman Sachs reagierte am 19. Juni mit einer deutlichen Kurszielsenkung: von 5.400 auf 4.900 Dollar je Unze. Die Bank verschob ihre Erwartungen für Zinssenkungen auf Juni und Dezember 2027 — zuvor hatte sie mit Dezember 2026 und März 2027 gerechnet. Das ist kein kleines Signal: Goldman gehörte zu den konstruktivsten Goldstimmen der Wall Street.
Andere Häuser bleiben deutlich bullischer. Wells Fargo sieht Gold 2026 in einer Spanne von 6.100 bis 6.300 Dollar. JPMorgan hält an 6.300 Dollar fest, UBS an 6.200 Dollar. Die Divergenz zwischen Goldman und dem Rest ist auffällig.
Strukturelle Käufer halten dagegen
Zentralbanken kauften im ersten Quartal 2026 insgesamt 244 Tonnen Gold. Die Volksbank Chinas erwarb allein im Mai knapp 10 Tonnen — der 19. Monat in Folge. Laut einer Umfrage des World Gold Council planen 45 Prozent der befragten Notenbanken, ihre Reserven im kommenden Jahr auszubauen. Keine einzige plant Verkäufe.
Das ist der strukturelle Boden unter dem Markt. Kurzfristige Risikoprämien können fallen — die Nachfrage der Notenbanken bleibt.
PMI und PCE als nächste Weichenstellung
Heute veröffentlicht das Statistikamt die Einkaufsmanagerindizes für Industrie und Dienstleistungen. Am 25. Juni folgen der Kern-PCE-Preisindex für Mai und die BIP-Revision für das erste Quartal. Fallen die PCE-Daten höher als erwartet aus, dürfte das den restriktiven Fed-Kurs zementieren. Ein schwächerer Wert würde Spielraum für eine Erholung schaffen — der RSI liegt aktuell bei 38, technisch nahe an überverkauftem Terrain.
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