Bitcoin: Zinsangst trifft Sparkassen-Start

Höhere Inflation und ETF-Abflüsse belasten Bitcoin, während Sparkassen den Kryptokauf für Privatkunden ermöglichen.

Dr. Robert Sasse ·
Ein Smartphone mit einem Krypto-Marktchart in einer modernen Sparkassen-Filiale bei natürlichem Licht. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Bitcoin zeitweise unter 82.000 Dollar
  • US-Inflation steigt im September auf 3,7 Prozent
  • Abflüsse aus Bitcoin- und Ethereum-ETFs
  • Sparkassen ermöglichen Kryptokäufe per App

Bitcoin kommt nicht von der Stelle. Am Dienstag rutschte die Kryptowährung zeitweise unter 82.000 Dollar, erholte sich dann aber wieder auf rund 83.200 Dollar. Dahinter steht weniger ein Krypto-Thema als der Blick auf Ölpreis und Notenbank.

Öl und Inflation stützen die Zinssorgen

Die Ölpreise ziehen wieder an. Angriffe auf saudi-arabische Infrastruktur und anhaltende Risiken im Nahen Osten halten die Energiemärkte unter Spannung. Die US-Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7 Prozent zum Vorjahr, nach 3,4 Prozent im August.

Das nährt die Sorge, dass die Fed weniger Spielraum für Lockerungen hat. Bei ihrer Sitzung am 27. und 28. Oktober sehen Marktdaten eine Zinserhöhung mit 18 Prozent Wahrscheinlichkeit. Für Dezember preisen Händler eine solche Anhebung mit 75 Prozent ein. Straffere Finanzierungsbedingungen belasten tendenziell risikoreiche Anlagen wie Bitcoin.

Die Altcoins traf es zeitweise ebenfalls. Ethereum, XRP und Solana verloren zwischen 0,8 und 1,3 Prozent.

ETF-Abflüsse und neue Zugänge

Institutionelle Käufer halten sich zurück. Bis zum 19. Oktober flossen aus Spot-Bitcoin-ETFs 228,4 Millionen Dollar ab, aus Ethereum-ETFs sogar 320,1 Millionen Dollar. Marktbeobachter beschreiben die Lage eher als langsames Ausbluten denn als Liquidationskaskade.

Dem steht neuer Zugang für Privatanleger gegenüber. Erste Sparkassen bieten ihren Kunden in der App den Kauf von Bitcoin, Ether, XRP und Solana an. Das Angebot kommt von der Dekabank, weitere Institute sollen folgen. Die Sparkassen selbst stufen Kryptowährungen weiter als hochspekulativ ein.

Auch am Derivatemarkt tut sich etwas. Blockchain.com startete Optionshandel auf Bitcoin und mehrere Altcoins mit Laufzeiten von bis zu einer Woche. Der Einsatz entspricht dem maximalen Verlust. Parallel bewirbt sich das Unternehmen um US-Lizenzen für Derivate und Prediction Markets.

Chartlage zeigt Widerstandskraft

Technisch gibt es Lichtblicke. Bitcoin verteidigte wichtige Unterstützungen zweimal, selbst nach dem Inflationsschock und milliardenschweren Liquidationen wurden Rücksetzer rasch aufgekauft. Krypto-Experte Oliver Michel sieht darin ein Signal, dass sich der Markt für einen Ausbruch sammeln könnte. Fallende Anleiherenditen und ein schwächerer Dollar könnten zusätzlichen Rückenwind liefern.

Den nächsten Test liefert die Fed-Sitzung Ende Oktober. Danach rücken die Oktober-Verbraucherpreise in den Blick. Sie zeigen, ob die energiegetriebene Teuerung anhält und die Zinserwartungen weiter nach oben treibt.

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