SAP Aktie: Joule im Schatten?

Eine Studie zeigt Fortschritte bei SAP-KI und S/4HANA, aber nur 3 Prozent melden vollständig KI-gesteuerte Abläufe.

Eduard Altmann ·
Abstrakte Darstellung von künstlicher Intelligenz in einer modernen, professionellen Büroumgebung mit blauem Licht. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Copilot liegt bei 60 Prozent Nutzung
  • SAP Joule erreicht 26 Prozent
  • Nur 3 Prozent melden Vollautomatisierung
  • 67 Prozent sind mit S/4HANA teilweise oder vollständig fertig

SAPs KI-Angebote treffen auf wachsende Nutzung, doch vollständig automatisierte Prozesse bleiben die Ausnahme. Das zeigt eine heute veröffentlichte Studie von Precisely und ASUG zur SAP-Modernisierung. Für Anleger liegt darin eine wichtige Unterscheidung: Die Einführung von KI-Werkzeugen ist noch kein Beleg für eine durchgängige Automatisierung. Gleichzeitig schreitet die Umstellung auf S/4HANA voran.

Joule steht im Wettbewerb

Im SAP-Umfeld nutzen 60 % der befragten Unternehmen Microsoft Copilot. ChatGPT kommt auf 27 %, SAP Joule auf 26 %. SAPs eigener Assistent ist damit unter den Befragten weniger verbreitet als die beiden anderen Angebote.

Die Zahlen beschreiben die Nutzung bei den befragten Unternehmen, nicht die daraus entstehenden Erlöse. Für die Einordnung von SAPs KI-Strategie ist diese Trennung entscheidend: Verbreitung allein beantwortet weder die Frage nach wiederkehrender Nutzung noch nach dem wirtschaftlichen Beitrag.

Zudem bleibt der Automatisierungsgrad begrenzt. Zwar setzen 46 % KI für automatisierte und menschlich unterstützte Aufgaben ein. Vollständig KI-gesteuerte Prozesse melden jedoch lediglich 3 %. Bei der KI-gestützten Entwicklung skalieren bislang 7 % die Automatisierung.

Damit zeichnet die Untersuchung eher das Bild eines schrittweisen Umbaus als einer bereits abgeschlossenen Transformation. Für SAP eröffnet das weitere Anwendungsmöglichkeiten. Zugleich muss das Unternehmen zeigen, dass seine Angebote über einzelne Assistenzfunktionen hinaus in betriebliche Abläufe hineinwachsen können.

Migration schafft Bedarf und Reibung

Bei der S/4HANA-Migration sind 67 % der befragten Unternehmen teilweise oder vollständig fertig. Weitere 23 % erwarten den Abschluss innerhalb von 24 Monaten. Die Umstellung ist damit weit vorangeschritten, aber keineswegs flächendeckend abgeschlossen.

Die verbleibenden Aufgaben betreffen insbesondere gewachsene Systemlandschaften und die Qualität der Unternehmensdaten. Beides ist auch für KI-Anwendungen relevant, die auf Geschäftskontext und verlässliche Informationen angewiesen sind.

Als größte Migrationshürde nennen 53 % die Anpassungen an SAP ECC. Für 83 % ist die Bereinigung der SAP-Stammdaten wichtig. Bei der Automatisierung sehen 52 % die größten Schwierigkeiten in Prozesskomplexität und Integration.

Diese Befunde rücken die praktische Umsetzung ins Zentrum. Neue Funktionen allein beseitigen weder individuelle Systemanpassungen noch komplexe Prozessstrukturen. Das für 2027 genannte SAP-ECC-Wartungsende bildet zugleich einen zeitlichen Rahmen für die Modernisierung.

Geschäftskontext als Stärke, Umsetzung als Prüfstein

Forrester sieht im Prozessverständnis und in tabellarischer KI Differenzierungsmerkmale für SAP. Nach der TechEd in Berlin vom 27. bis 29. Oktober kritisiert das Analysehaus allerdings unklare Produktzusammenhänge. Auch bei Joule Studio und Joule Work sieht es Verbesserungsbedarf.

Diese Einschätzung ergänzt die Studienergebnisse: SAP besitzt mit seinem Geschäftskontext einen möglichen Vorteil. Wie überzeugend dieser für Kunden wird, hängt aber auch von verständlichen Angeboten und ihrer Integration in bestehende Abläufe ab.

Für Anleger ist deshalb nicht allein die Zahl neuer KI-Produkte entscheidend. Die heute veröffentlichten Nutzungsdaten zeigen Interesse und Fortschritte, zugleich aber eine deutliche Lücke zur vollständig KI-gesteuerten Prozesswelt. Genau deren schrittweise Schließung wird zum Prüfstein für SAPs KI-Strategie.

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SAP Aktie

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Sektor Technologie
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