Infineon Aktie: Quantenchips und Zinsdruck
Infineon skaliert mit ZuriQ eine Quantenchip-Architektur; hohe Renditen und Ölpreise belasteten den Aktienkurs im Mittwochshandel.
Kurz zusammengefasst
- Quantenchip-Architektur im 3x3-Format erprobt
- Partner wollen mehr Qubits integrieren
- Aktie zeitweise gut drei Prozent schwächer
- KI-Rechenzentren als zusätzliches Umsatzfeld
Infineon arbeitet an der Zukunft der Rechentechnik, doch der Markt schaut heute auf Zinsen und Ölpreis. Der Chipkonzern erweitert seine Kooperation mit ZuriQ, einer Ausgründung der ETH Zürich. Die Aktie gibt trotzdem nach.
Quantenchips aus dem Labor in die Fertigung
Die Machbarkeit einer neuartigen Chip-Architektur in einer 3×3-Anordnung ist nachgewiesen. Im nächsten Schritt wollen die Partner die Technologie auf deutlich mehr Qubits hochskalieren. Infineon bringt Prozessentwicklung und Halbleiterexpertise ein.
ZuriQ setzt auf eine zweidimensionale Penning-Mikrofallenarchitektur statt auf eindimensionale Ionenketten. Elektrische und magnetische Felder bewegen die Ionen direkt über den Chip. Weil komplexe Verbindungsstrukturen entfallen, lassen sich größere Qubit-Anordnungen leichter realisieren.
ZuriQ-Chef Pavel Hrmo spricht davon, die Fortschritte „skalierbar und industriell nutzbar“ zu machen. Kursrelevant ist das kurzfristig kaum, es erweitert aber das Technologieportfolio.
Makro drückt auf die Chipwerte
Die Aktie rutschte im Mittwochshandel zeitweise um gut 3 Prozent auf rund 62,40 Euro und zählte zu den schwächsten DAX-Werten. Eine Unternehmensnachricht steckt nicht dahinter. Belastend wirken steigende Ölpreise nach Angriffen der Huthi-Miliz auf Energieanlagen von Saudi Aramco sowie hohe Anleiherenditen.
Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren bei rund 5,3 Prozent. Die Inflation in der Eurozone lag im September bei 3,8 Prozent. Hohe Zinsen schmälern den Gegenwartswert künftiger Gewinne, was hoch bewertete Chipwerte besonders trifft. Vor dem Fed-Protokoll halten sich Anleger zudem zurück.
Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von rund 65 Prozent zu Buche.
KI-Geschäft als Kern der Story
Rückenwind lieferte zuletzt Marvell: Der US-Konzern hob sein Umsatzziel für 2028 von 18 auf 20 Milliarden Dollar an. Mehr KI-Rechenzentren bedeuten mehr Bedarf an Leistungshalbleitern, die den Strom für Prozessoren regeln.
Bei Infineon liegt das Umsatzziel für KI-Rechenzentren im abgelaufenen Geschäftsjahr bei mehr als 1,6 Milliarden Euro. Das ist allerdings nur rund ein Zehntel des erwarteten Jahresumsatzes von 16,3 Milliarden Euro. Auto und Industrie tragen den Rest.
Analysten bleiben überwiegend positiv. Barclays sieht die Aktie bei einem Kursziel von 90 Euro, Jefferies bei 96 Euro. Die Spanne der Kursziele reicht von 60 bis 102 Euro.
Charttechnik: Ausbruch auf dem Prüfstand
Am 2. Oktober gelang der Sprung über die Marke von 60,8 Euro, an der die Aktie seit Anfang September mehrfach gescheitert war. Fällt der Kurs darunter zurück, wäre der Ausbruch gescheitert, und die 200-Tage-Linie bei 55,9 Euro rückte wieder in den Blick.
Nach oben liegt der nächste Widerstand bei 65,5 Euro, knapp darüber verläuft bei 66,8 Euro die 100-Tage-Linie. Zum Rekordhoch von 88,8 Euro fehlen rund 37 Prozent. Die Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr bringen dann Klarheit über Jahresziele und Ausblick.
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