Vonovia Aktie: Die Enteignungs-Drohung!
Berliner Vergesellschaftungspläne belasten Vonovia, während der Konzern mit Veveus sein Dienstleistungsgeschäft ausbaut.
Kurz zusammengefasst
- Rund 220.000 Wohnungen im politischen Streit
- Entschädigungen von acht bis 36 Milliarden Euro
- JPMorgan senkte Vonovias Kursziel auf 26 Euro
- Veveus bündelt externe Immobiliendienstleistungen
Die politischen Sondierungsgespräche im Berliner Abgeordnetenhaus halten die Eigentümer großer Wohnungsbestände in Atem. Medienberichten zufolge sorgte der Verhandlungspoker zwischen SPD, Grünen und Linken auch am heutigen Vormittag für Verunsicherung am Markt. Im Zentrum der Diskussionen steht weiterhin die von Linken und Grünen geforderte Vergesellschaftung von rund 220.000 Wohnungen, während die SPD-Landesführung Enteignungen ablehnt.
Für den Wohnungsriesen Vonovia bedeutet das politische Tauziehen in der Hauptstadt anhaltenden Gegenwind. Zwar legte das Papier am Montag leicht um 0,5 Prozent zu und notierte bei 16,41 Euro, doch der Abstand zum erst am 8. Oktober markierten 52-Wochen-Tief von 16,18 Euro bleibt denkbar gering. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein Minus von 33 Prozent.
Streit über Entschädigungen und Umsetzbarkeit
Die Fronten in den Berliner Koalitionsverhandlungen bleiben verhärtet. Eine tragfähige Einigung über die rechtliche Umsetzung und eine mögliche Finanzierung privater Großbestände zeichnet sich bislang nicht ab.
Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung kam am 6. Oktober zu dem Ergebnis, dass eine Vergesellschaftung das Problem fehlenden Wohnraums nicht löse und den Berliner Landeshaushalt massiv belasten könnte. Je nach Berechnungsmethode bezifferte das Institut die potenziellen Entschädigungszahlungen auf 8 bis 36 Milliarden Euro.
Parallel dazu warnte JPMorgan-Analyst Neil Green am 30. September vor operativen Risiken im Konzern. Er senkte das Kursziel für Vonovia von 34,50 auf 26,00 Euro, beließ die Einstufung jedoch auf „Overweight“.
Green verwies auf die fehlende Zugkraft der Aktie und brachte eine mögliche Dividendenkürzung ins Spiel, sollten größere Immobilienverkäufe ausbleiben. Nach der Ausgabe neuer Bezugsaktien belief sich die Gesamtzahl der Stimmrechte des Unternehmens zum 30. September auf 848.458.878.
Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts und anstehende Quartalszahlen
Um sich unabhängiger vom reinen Vermietungsgeschäft aufzustellen, treibt Vonovia den Ausbau externer Immobilienservices voran. Am 5. Oktober stellte der Konzern auf der Immobilienmesse EXPO REAL die neue Marke Veveus vor.
Unter diesem Namen bündelt das Unternehmen Investment-, Asset-, Property- und Facility-Management für institutionelle Eigentümer und Investoren. Nach Unternehmensangaben bewirtschaftet Vonovia bereits rund 75.000 Wohnungen im Auftrag Dritter. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte der Konzern im Segment Value-add externe Erlöse in Höhe von 79,2 Millionen Euro.
Klarheit über die jüngste operative Entwicklung und den Fortgang der Portfoliomaßnahmen erwarten Marktteilnehmer Anfang nächsten Monats. Vonovia wird seinen Zwischenbericht für das dritte Quartal 2026 am 4. November veröffentlichen. Bis dahin dürften vor allem die Berliner Regierungsbildung und die Zinsentwicklung den Kursverlauf maßgeblich bestimmen.
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