ITM Power Aktie: Goldman bleibt hart!
£215,6 Millionen Liquidität stehen einem bereinigten EBITDA-Verlust gegenüber; das 150-MW-Vorhaben ist noch nicht endgültig beschlossen.

Kurz zusammengefasst
- CEO verkauft Aktien zur Steuerzahlung
- £20,2 Millionen bereinigter EBITDA-Verlust
- £215,6 Millionen liquide Mittel zum Jahresende
- Investitionsentscheidung zum Wasserstoffprojekt für 2027 angestrebt
Bei ITM Power stehen Umsetzungsrisiken, Mittelabfluss und Bewertung im Mittelpunkt der kritischen Einordnung. Goldman Sachs bestätigte Medienberichten zufolge am Dienstag aus diesen Gründen seine Verkaufsempfehlung. Heute beträgt die Tagesveränderung der Aktie -3,1%. Daraus lässt sich allerdings kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Analystenurteil und Kursbewegung ableiten.
Die heute veröffentlichte Mitteilung zu Aktiengeschäften von CEO Dennis Schulz liefert einen weiteren Einordnungspunkt. Sie beschreibt einen steuerlich begründeten Verkauf nach der Ausübung von Optionen, keinen Verkauf ohne genannten Anlass.
Steuerzahlung erklärt den Aktienverkauf
Schulz übte am Dienstag und Mittwoch insgesamt 672.516 Optionen aus und verkaufte anschließend 354.476 Aktien zur Begleichung von Steuerverbindlichkeiten. Danach hielt er 517.894 Aktien.
Der ausdrücklich genannte Verwendungszweck ist für die Bewertung wichtig. Die Transaktion allein belegt keine veränderte Einschätzung der Geschäftsperspektiven durch den Vorstandschef. Ebenso wenig widerlegt sie die wirtschaftlichen Risiken, auf die sich die Verkaufsempfehlung stützt.
Bereits gestern hatte ITM Power aufgeschobene Aktienbonus-Zuteilungen an CEO Dennis Schulz, CFO Amy Grey und CTO Simon Bourne gemeldet. Hinzu kam die Ausübbarkeit früher zugeteilter Optionen. Diese Vergütungsmeldungen sind von der operativen Geschäftsentwicklung zu unterscheiden.
Liquidität trifft auf anhaltende Verluste
Die am Montag veröffentlichten vorläufigen Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2026 zeigen beide Seiten der finanziellen Lage. ITM Power erzielte £43,6 Millionen Umsatz und verbuchte einen bereinigten EBITDA-Verlust von £20,2 Millionen. Zum Geschäftsjahresende verfügte das Unternehmen über liquide Mittel von £215,6 Millionen.
Der vorhandenen Liquidität steht damit weiterhin ein operativer Verlust gegenüber. Für Anleger ist diese Unterscheidung entscheidend: Ein hoher Kassenbestand ist nicht mit einem profitablen Geschäft gleichzusetzen.
Der Vertragsauftragsbestand belief sich auf £144,0 Millionen. Davon waren nach Unternehmensangaben 83% profitabel. Das spricht für eine andere Ergebnisqualität dieses Auftragsbestands als die weiterhin negative bereinigte EBITDA-Bilanz des gesamten Geschäftsjahres.
Projektpotenzial ist noch keine Umsetzung
Zusätzliches Potenzial bietet das vor rund zwei Wochen gemeldete Hydropulse-Vorhaben mit einer europäischen Ölraffinerie. Die Eckpunktevereinbarung betrifft ein geplantes Wasserstoffprojekt mit 150 MW auf Basis der Alpha-Plattform von ITM Power.
Die Parteien arbeiten an einer gemeinsamen technischen Vorplanung. Die endgültige Investitionsentscheidung ist für 2027 angestrebt, der Produktionsbeginn wird 2029 erwartet. Diese Schritte bleiben Zukunftsannahmen und sind keine bereits abgeschlossene Umsetzung.
Damit liegt der entscheidende Gegensatz nicht zwischen einzelnen Aktienkäufen und -verkäufen. Er liegt zwischen vorhandenem Auftrags- und Projektpotenzial einerseits sowie Verlusten und Umsetzungsrisiken andererseits. Genau daran muss sich die wirtschaftliche Entwicklung von ITM Power messen lassen.
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