Thyssenkrupp Aktie: TKMS zieht mit

Thyssenkrupp-Aktie steigt dank TKMS-Rekord auf höchsten Stand seit 2018. Quartalszahlen zeigen Fortschritte, doch Auftragseingang und Stahlsparte bleiben Herausforderungen.

Andreas Sommer ·
Thyssenkrupp Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Aktie erreicht höchsten Stand seit 2018
  • TKMS-Rekord nach Kaufempfehlung von Bernstein
  • Umsatz wächst, Marge bleibt hinter Erwartungen
  • Jahresprognose für EBIT leicht angehoben

Die Aktien von Thyssenkrupp haben am Donnerstag einen neuen Höchststand seit 2018 markiert. Der Kurs kletterte auf 12,975 Euro, ein Plus von 4,6 Prozent. Treiber war nicht nur der eigene Quartalsbericht, sondern vor allem der Höhenflug der Marinewerft-Tochter TKMS, die nach einer Kaufempfehlung von Bernstein Research zeitweise zweistellig zulegte und damit ihr höchstes Niveau seit dem Börsengang im Oktober 2025 erreichte.

Der Rüstungskonzern hat sich damit zum eigentlichen Kurstreiber im Konzernumbau entwickelt. Bernstein sieht deutlich bessere Gewinnchancen für TKMS, gestützt auf neue Großaufträge und ambitionierte Margenziele. Das strahlt auf die Mutter aus — Thyssenkrupp befindet sich schließlich mitten im Umbau zur reinen Finanzholding.

Kostenprogramm zeigt Wirkung

Im dritten Geschäftsquartal 2025/26 wuchs der Umsatz um 8 Prozent auf knapp 8,8 Milliarden Euro, getrieben von erhöhter Nachfrage im Werkstoffgeschäft. Das bereinigte EBIT legte um 18 Prozent auf 183 Millionen Euro zu — allerdings blieb die Marge mit 2,1 Prozent hinter den Erwartungen der Analysten zurück, die mit 2,4 Prozent gerechnet hatten. Unter dem Strich stand dank eines positiven Bilanzeffekts aus dem Verkauf der Hüttenwerke Krupp Mannesmann eine schwarze Null, nach einem Verlust von 278 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

Jefferies-Analyst Tommaso Castello wertete das Quartal als Beleg dafür, dass die Kostenmaßnahmen im widrigen Umfeld greifen. Der Auftragseingang fiel dagegen mit 7,7 Milliarden Euro um ein Viertel geringer aus als im Vorjahr, weil damals zwei Großaufträge das Neugeschäft von TKMS beflügelt hatten. Auch im Automotive-Geschäft gingen die Bestellungen zurück.

Der Konzern passte seine Jahresprognose leicht an: Der Umsatz soll nun definitiv rückläufig ausfallen, um 1 bis 3 Prozent, während bislang auch ein unveränderter Wert für möglich galt. Beim bereinigten EBIT rechnet Thyssenkrupp jetzt mit 600 bis 900 Millionen Euro statt zuvor 500 bis 900 Millionen Euro — die Spanne wurde also am unteren Ende angehoben.

Stahl unter Beobachtung

Bei Steel Europe, von dem der Konzern künftig nur noch einen Minderheitsanteil halten will, bleibt die Zielsetzung konservativ. Das operative Ergebnisziel für das laufende Geschäftsjahr liegt bei 350 bis 400 Millionen Euro — obwohl nach neun Monaten bereits 373 Millionen Euro verbucht wurden. JPMorgan-Analyst Dominic O’Kane wirft deshalb die Frage auf, ob das Ziel schlicht vorsichtig kalkuliert ist oder ob sich zum Jahresende Probleme ankündigen.

Ein konkretes Risiko benannte Finanzvorstand Axel Hamann bei der Zahlenvorlage: das Niedrigwasser am Rhein. Das Duisburger Stahlwerk erhält täglich zwischen 50.000 und 60.000 Tonnen Rohstoffe per Schiff, vor allem Erze und Kohle. Eine Verlagerung dieser Mengen auf die Straße sei keine realistische Option, hieß es aus dem Unternehmen. Man habe eine Taskforce gebildet und setze verstärkt auf die Bahn als Alternative — Hochöfen erkalten zu lassen, sei aber kein Szenario, das aktuell drohe.

Ende September steht für Steel Europe ein eigener Kapitalmarkttag an. Dort dürfte sich zeigen, wie belastbar die vorsichtige Zielsetzung tatsächlich ist — und ob die Sparte im Konzernumbau tatsächlich zum Sorgenkind wird, während TKMS die Anlegerfantasie beflügelt.

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