Hensoldt Aktie: Optronics springt 492 Prozent

Hensoldt meldet Rekordauftragsbestand und verdoppelten Auftragseingang. Das Optronik-Segment wächst deutlich, während Analysten das Kursziel anheben.

Dr. Robert Sasse ·
Hensoldt Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rekordauftragsbestand von 10,4 Milliarden Euro
  • Optronik-Segment mit 492 Prozent Wachstum
  • Leonardo hält an Hensoldt-Beteiligung fest
  • Warburg Research erhöht Kursziel auf 94 Euro

Wer sich die jüngsten Geschäftszahlen von Hensoldt ansieht, versteht sofort, warum die Aktie seit Wochen im Rampenlicht steht. Ein Auftragsbestand von 10,356 Milliarden Euro, ein verdoppelter Auftragseingang und ein Book-to-Bill-Verhältnis von 2,4 – das sind keine kosmetischen Verbesserungen, das ist ein Strukturbruch nach oben. Für mich stellt sich die Frage nicht mehr, ob Hensoldt operativ liefert. Die spannendere Frage ist, wie viel davon der Kurs bereits vorwegnimmt.

Auftragsbücher sprengen alle bisherigen Dimensionen

Die am 31. Juli veröffentlichten Halbjahreszahlen zeigen einen Auftragseingang von 2,812 Milliarden Euro gegenüber 1,405 Milliarden im Vorjahreszeitraum – eine echte Verdopplung. Der Umsatz kletterte um 23,6 Prozent auf 1,167 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA um 28,5 Prozent auf 137 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich von 11,3 auf 11,8 Prozent. Allein im zweiten Quartal sprang der Auftragseingang um 89 Prozent auf 1,330 Milliarden Euro, der Auftragsbestand markierte mit 10,4 Milliarden Euro einen Rekord. Das Management bestätigte die Jahresprognose: rund 2,750 Milliarden Euro Umsatz, eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 18,5 und 19,0 Prozent sowie ein freier Cashflow von etwa der Hälfte des bereinigten EBITDA. Bemerkenswert finde ich, dass der operative Cashflow von minus 48 Millionen im ersten Halbjahr 2025 auf plus 21 Millionen Euro drehte – Vorauszahlungen der Kunden entlasten das Betriebskapital sichtbar. Das ist keine reine Wachstumsstory mehr, sondern eine, die zunehmend auch cashflow-seitig überzeugt.

Optronik als neuer Motor, Sensors unter Investitionsdruck

Besonders auffällig: Der Turnaround im Optronics-Segment. Getrieben von Großaufträgen für die Systeme Puma und Schakal schoss der Auftragseingang um 492 Prozent auf 971 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA stieg von 1 Million auf 24 Millionen Euro. Die im Juni abgeschlossene Übernahme des niederländischen Optronik-Spezialisten Nedinsco dürfte diesen Trend zusätzlich stützen. Das Sensors-Segment mit rund 2 Milliarden Euro Auftragseingang – unter anderem für Eurofighter-Radare, TRML-4D-Systeme und das Electronic-Attack-System Knifefish – bleibt strategisch zentral, belastet aber aktuell durch höhere durchlaufende Umsätze und steigende Forschungsausgaben die Marge. Für mich ist das kein Warnsignal, sondern der Preis für ein Unternehmen, das parallel investiert und liefert. Der Verlust des Fregattenprogramms F126 mit rund 200 Millionen Euro Auftragswert wirkt dagegen wie eine Randnotiz – das Management selbst rechnet mit geringen finanziellen Folgen für 2026 und sieht Chancen auf eine zweite Tranche der MEKO-200-Fregattenklasse.

Leonardo bleibt an Bord, Personalaufbau signalisiert Zuversicht

Ein Detail, das mir besonders wichtig erscheint: Leonardo-Chef Lorenzo Mariani erklärte in der Halbjahres-Telefonkonferenz, keine Eile zu haben, die 25,1-prozentige Hensoldt-Beteiligung zu verkaufen. Der Wert der Beteiligung liege deutlich über dem Einstandspreis, der ursprüngliche Plan eines Mehrheitserwerbs sei zwar hinfällig, doch die positive Marktdynamik und die Eurofighter-Chancen rechtfertigten das Halten des Anteils. Das nimmt zumindest kurzfristig Überhangdruck von der Aktie. Parallel baut Hensoldt kräftig aus: Mit Bosch wurde ein neues Software- und Ingenieurszentrum in Leinfelden-Echterdingen vereinbart, rund 300 neue Stellen bis Ende 2027, eingebettet in einen Plan von insgesamt 1.600 neuen Mitarbeitern bis Ende 2026 – ein Wachstum von über 16 Prozent. Auch die Insider scheinen zu glauben, was sie sehen: CEO Oliver Dörre und Vorstandsmitglied Inka Tews kauften im Juni mehrfach eigene Aktien zu Kursen zwischen rund 63 und 70 Euro.

Bewertung: ambitioniert, aber nicht abgehoben

Warburg Research hob am Dienstag das Kursziel von 91 auf 94 Euro an und bekräftigt die Kaufempfehlung. Analyst Christian Cohrs erwartet für 2026 einen Umsatz von 2,830 Milliarden Euro und eine Marge von 18,8 Prozent – beides über der eigenen Guidance von Hensoldt, die er explizit als konservativ einstuft. Am Kapitalmarkt ist diese Zuversicht längst eingepreist: Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 90,50 Euro, ein Plus von 1,09 Prozent am Tag, nach einem Wochenzuwachs von 13,18 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 117,70 Euro fehlen der Aktie aber immer noch 23,11 Prozent – die Erholung ist beeindruckend, aber noch nicht am alten Rekordniveau angekommen.

Unterm Strich sehe ich bei Hensoldt ein Unternehmen, dessen operative Dynamik der Kursentwicklung tatsächlich Substanz verleiht. Der Auftragsbestand, die Margenverbesserung im Optronik-Geschäft und das Bekenntnis von Leonardo sprechen für die Story. Wer nach der jüngsten Rally einsteigen will, sollte sich aber bewusst sein, dass ein gutes Stück der guten Nachrichten bereits im Kurs steckt.

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Hensoldt Aktie

90,32 EUR

– 0,04 EUR -0,04 %
KGV 97,77
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,63 %
Marktkapitalisierung 9,82 Mrd. EUR
ISIN: DE000HAG0005 WKN: HAG000

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