Oracle Aktie: Stifel widerspricht Alarmstimmung
Stifel sieht keine erklärte höhere Gewalt; Oracle meldet einen planmäßigen Projektverlauf, während Finanzierungsfragen bestehen bleiben.

Kurz zusammengefasst
- Stifel bestätigt 200 Dollar Kursziel
- Jupiter-Bau zu etwa 26 Prozent fertig
- Oracle investierte im ersten Quartal rund 29 Milliarden Dollar
- Pipeline-Genehmigung auf Februar 2027 verschoben
Ein einzelner Absatz in einer Kreditvereinbarung hat gereicht, um Oracle-Aktionären den Donnerstag zu verderben. Die Aktie verlor je nach Handelsverlauf zwischen vier und gut fünf Prozent, nachdem Bloomberg über eine Force-Majeure-Formulierung im Zusammenhang mit dem Rechenzentrumsprojekt „Jupiter“ in New Mexico berichtet hatte. Stifel widerspricht nun der Dramatik der Berichterstattung und hält an seinem Kursziel von 200 Dollar samt Kaufempfehlung fest.
Was hinter der Force-Majeure-Meldung steckt
Oracle soll dem Projektentwickler, einer Tochtergesellschaft von Blue Owl Capital, eine Mitteilung geschickt haben, die im Fall einer Verzögerung über 2028 hinaus Zahlungsaufschübe ermöglichen soll.
Stifel stellt klar: Höhere Gewalt wurde nicht formell erklärt, sondern lediglich eine entsprechende Formulierung in die Kreditdokumentation aufgenommen. Das sei ein Unterschied ums Ganze — eine vorsorgliche Absicherung von Rechten, keine Zugabe einer bereits eingetretenen Verzögerung.
Oracle selbst betont gegenüber CNBC, das Projekt liege weiterhin im Zeitplan. Nach Stifel-Angaben ist der Bau inzwischen zu etwa 26 Prozent fertiggestellt, das dazugehörige Mikronetz aus Brennstoffzellen zu rund zehn Prozent. Grund für die schleppende Entwicklung sind Genehmigungshürden bei Luftqualität, Wassernutzung und einer Erdgaspipeline — jüngste Gerichtsentscheidungen fielen laut Stifel aber zugunsten des Projekts aus.
Die Marktreaktion traf nicht nur Oracle. Blue Owl Capital verlor ebenfalls rund vier Prozent, Bloom Energy, das die Brennstoffzellen für das Projekt liefert, büßte sogar sechs Prozent ein. Das illustriert, wie eng die Beteiligten des Stargate-Großprojekts miteinander verwoben sind — die Sorge eines Investors greift sofort auf die Partner über.
Cashflow-Frage bleibt der wunde Punkt
Jenseits der juristischen Feinheiten bleibt ein strukturelles Problem bestehen. Analyst Jackson Ader von KeyBanc verweist darauf, dass Oracle über Leasingverträge und Drittfinanzierung an Zahlungspläne gebunden ist, die nicht zwangsläufig mit dem tatsächlichen Baufortschritt übereinstimmen. Im Vergleich zu größeren, kapitalstärkeren Hyperscaler-Konkurrenten stehe Oracle finanziell angespannter da, so Ader.
Zugleich meldete Oracle im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 Investitionen von rund 29 Milliarden Dollar, vor allem für den Ausbau von Rechenzentren — ein Beleg dafür, wie viel Kapital im laufenden KI-Infrastrukturausbau gebunden ist. Kredite im Volumen von rund 18 Milliarden Dollar für das Jupiter-Projekt wurden zuletzt mit 89 bis 91 Cent je Dollar bewertet, was auf wachsende Zweifel am Rückzahlungsrisiko hindeutet.
Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die Pipeline-Genehmigung für die Erdgasleitung — aktuell auf Februar 2027 verschoben — tatsächlich rechtzeitig kommt. Ohne sie bleiben die Brennstoffzellen von Bloom Energy ohne Betriebsgrundlage, und der Zeitplan für 2028 gerät unter zusätzlichen Druck.
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