Rheinmetall Aktie: 24 Prozent Plus trotz Prognosesenk
Rheinmetall senkt Umsatzprognose wegen F-126-Stopp, meldet aber starkes Halbjahr. Analysten uneins, Aktie erholt sich deutlich.
Kurz zusammengefasst
- Umsatzprognose für 2026 gesenkt
- Halbjahresgewinn steigt leicht
- Papperger kritisiert Auftragsverlust
- Aktie erholt sich um 24 Prozent
Rheinmetall steckt zwischen zwei Fronten: Auf der einen Seite steht eine gesenkte Jahresprognose, auf der anderen eine erkennbare Erholung des Aktienkurses.
Der Rüstungskonzern hat am Donnerstag vergangener Woche seine Erlösprognose für 2026 auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro zurückgenommen. Reuters führte den Schritt direkt auf den Stopp des deutschen F-126-Fregattenprogramms zurück, das dem Unternehmen einen milliardenschweren Auftrag gekostet hat.
Halbjahreszahlen zeigen Wachstum trotz Gegenwind
Am selben Tag veröffentlichte Rheinmetall den Halbjahresbericht 2026 und verwies dabei auf ein starkes Umsatzwachstum. Für das zweite Quartal meldete das Unternehmen laut dpa-AFX einen Nettogewinn nach Steuern von 167 Millionen Euro, nach 157 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Der Gewinn je Aktie sank dabei leicht von 2,82 Euro auf 2,66 Euro. Die Diskrepanz zwischen wachsendem Gesamtgewinn und sinkendem Ergebnis je Aktie deutet auf eine höhere Aktienzahl im Vergleich zum Vorjahr hin.
Rheinmetall-Chef Armin Papperger äußerte sich am Samstag deutlich zum Auftragsverlust: Er sei laut dpa „sehr unzufrieden“ über den Wegfall des Marineauftrags.
Zugleich warnte er, das Hochfahren der ATACMS-Produktion brauche Zeit, während die USA gleichzeitig ihre eigenen Bestände wieder auffüllen müssten. Papperger forderte darüber hinaus mehr Schutz vor Drohnenangriffen – ein Hinweis darauf, dass sich das Unternehmen auch strategisch neu positioniert.
Neue Aufträge und Gespräche als Gegengewicht
Dass der Verlust des F-126-Auftrags nicht das gesamte Marinegeschäft überschattet, zeigte sich am Freitag vergangener Woche: Rheinmetall führte laut Berichten Gespräche mit potenziellen Kunden über eine neue Fregatte namens GMF140. Parallel bestellten Deutschland und die Niederlande gemeinsam Boxer-Fahrzeuge bei KNDS und Rheinmetall, was die Breite des Auftragsportfolios jenseits der Marine unterstreicht.
Analysten uneins über die Bewertung
Die Einschätzungen der Analysten gehen derzeit auseinander. RBC Capital Markets nahm die Rheinmetall-Aktie am 11. August mit einer Outperform-Einstufung neu in die Bewertung auf und begründete dies mit der attraktiven Positionierung des Konzerns im europäischen Wiederaufrüstungszyklus.
Bereits am 9. Juli, also gut einen Monat zuvor, hatte MWB Research seine Kaufempfehlung im Zuge des NATO-Gipfels zurückgezogen und die Einstufung gesenkt – mit Verweis auf die gesenkte Jahresprognose und gekürzte Investitionen. Die beiden Bewertungen fallen damit zeitlich deutlich auseinander und sollten nicht als gleichzeitige Reaktion auf dieselbe Nachrichtenlage gelesen werden.
Kursbild: Erholung nach Kursrückgang
An der Börse hat sich die Aktie zuletzt spürbar erholt. Am heutigen Freitag notiert das Papier bei 1.199,80 Euro und legt damit 2,2 Prozent zu, nach einem Schlusskurs von 1.173,60 Euro am Donnerstag. Auf Sicht von 30 Tagen beträgt das Plus 24 Prozent. Zum bisherigen Jahrestief bei 902,50 Euro besteht damit ein Abstand von 33 Prozent.
Von den Höchstständen bei gut 2.000 Euro im Oktober bleibt die Aktie mit einem Minus von 40 Prozent aber weit entfernt – ein Zeichen dafür, dass der Markt die jüngsten Nachrichten zwar honoriert, die grundsätzliche Skepsis wegen der gesenkten Prognose aber noch nicht vollständig ausgepreist hat.
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