Rivian Aktie: UBS stuft auf Kaufen hoch
UBS sieht Chancen durch den R2-Ausbau und bessere Margen; die erwartete Profitabilität im Autogeschäft muss sich noch zeigen.

Kurz zusammengefasst
- UBS wechselt zur Kaufempfehlung
- Kursziel beträgt 17 US-Dollar
- R2 war Rivians meistverkauftes Modell
- Automotive-Bruttoverlust auf 80 Millionen gesunken
UBS hat Rivian heute von einer neutralen Einstufung auf eine Kaufempfehlung hochgestuft. Das Kursziel liegt bei 17 US-Dollar. Die Analysten sehen nach dem jüngsten Ausverkauf eine Einstiegschance: Der erwartete Produktionsausbau beim R2 und bessere Bruttomargen könnten die Bewertung stützen. Entscheidend ist damit nicht allein das Absatzwachstum, sondern dessen Übersetzung in profitablere Fahrzeugverkäufe.
UBS erwartet Fortschritte im Autogeschäft
Das Analysehaus erwartet, dass Rivian Ende 2026 eine positive Automotive-Bruttomarge erreicht. Im ersten Quartal 2027 könnte sich diese Entwicklung nach Einschätzung der UBS erstmals in einem positiven Quartalswert niederschlagen. Damit richtet sich der Blick auf die Wirtschaftlichkeit des Fahrzeuggeschäfts und nicht nur auf das Konzernergebnis.
Die Unterscheidung ist wichtig. Rivian erzielt bereits einen Bruttogewinn auf Konzernebene, während das Autogeschäft noch einen Bruttoverlust ausweist. Ein positives Ergebnis zum Jahresende wäre zudem nicht gleichbedeutend mit einem positiven Ergebnis für das gesamte Schlussquartal.
Vorbörslich steigt die Aktie heute um 4,4% auf 11,31 €. Die Kursreaktion passt zur optimistischeren Einschätzung der UBS, ersetzt aber keinen Nachweis einer nachhaltigen Margenverbesserung.
R2-Wachstum muss die Kosten senken
Die jüngsten Geschäftszahlen liefern Argumente für die Neubewertung. Im dritten Quartal 2026 erzielte Rivian einen Umsatz von 2,155 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 38% gegenüber dem Vorjahr. Der R2 war das meistverkaufte Modell.
Der Modellanlauf hat damit bereits erhebliches Gewicht für das Unternehmen. Zugleich belastet er die Profitabilität: Mehr Fahrzeuge allein reichen nicht aus, solange die Herstellungskosten den Erlösen im Autogeschäft gegenüberstehen.
Der Automotive-Bruttoverlust lag im Berichtsquartal bei 80 Millionen US-Dollar, nach 130 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Nach Angaben von Rivian verursachte der R2-Anlauf Zusatzkosten von rund 120 Millionen US-Dollar.
Für Anleger liegt darin sowohl die Chance als auch das Risiko der UBS-These. Sinkende Anlaufbelastungen könnten die Marge verbessern. Die erwartete Wende muss sich jedoch erst in den Ergebnissen zeigen.
Rivian hat die Untergrenze seiner Auslieferungsprognose für 2026 angehoben. Das Unternehmen erwartet nun 67.000–70.000 Fahrzeuge. Im Schlussquartal soll der R2 die Mehrheit der Auslieferungen stellen.
Damit hängt die weitere Entwicklung zunehmend von diesem Modell ab. Die höhere Prognose unterstreicht die Absatzdynamik; für die Margenwende bleibt entscheidend, zu welchen Kosten Rivian das zusätzliche Volumen produziert.
Finanzierung und Autonomie als weitere Faktoren
UBS beziffert verfügbares und künftig angestrebtes Kapital auf 13 Milliarden US-Dollar. Auf dieser Grundlage sieht das Haus keinen Kapitalbedarf vor 2029. Diese Einschätzung umfasst allerdings auch angestrebte Mittel und ist nicht mit dem vorhandenen Kassenbestand gleichzusetzen.
Die Finanzierungsthese verschafft dem erwarteten Produktionsausbau in der Analyse mehr Spielraum. Sie beseitigt jedoch nicht den laufenden Mittelabfluss und bleibt von den zugrunde gelegten Finanzierungsannahmen abhängig.
Zum Ende des dritten Quartals 2026 verfügte Rivian über 5,502 Milliarden US-Dollar an Barmitteln und kurzfristigen Anlagen. Der freie Mittelabfluss im Quartal betrug 1,124 Milliarden US-Dollar.
Als weiteren möglichen Impuls nennt UBS den Autonomy Day im Dezember und den erwarteten Kundenstart des Point-to-Point-Dienstes Anfang 2027. Das Haus hält Autonomy+ für einen möglichen Konkurrenten zu Teslas FSD-Angebot.
Die Kaufempfehlung beruht somit auf mehreren Erwartungen. Den unmittelbarsten Prüfstein bildet aber das Autogeschäft: Rivian muss zeigen, dass der R2 nicht nur mehr Umsatz bringt, sondern den Weg zu positiven Bruttomargen tatsächlich verkürzt.
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