VanEck Semiconductor ETF: Jahreshoch 102,98 Euro am 3. Juni
Broadcoms verhaltene KI-Prognose und starke US-Jobdaten lösen einen Billionen-Ausverkauf bei Halbleiterwerten aus.
Kurz zusammengefasst
- Broadcom-Prognose enttäuscht Anleger
- Starke US-Jobdaten belasten Tech-Sektor
- Chip-ETF fällt unter 93 Euro
- Micron und AMD als größte Verlierer
Innerhalb von zwei Handelstagen löste sich mehr als eine Billion Dollar an Börsenwert in Luft auf. Der VanEck Semiconductor UCITS ETF schloss den Freitag bei 92,04 Euro — ein Minus von gut fünf Prozent in sieben Handelstagen. Auslöser war eine Kombination aus enttäuschender Unternehmensführung und starken US-Arbeitsmarktdaten.
Broadcom zündet die Verkaufswelle
Broadcom lieferte für das zweite Geschäftsquartal 2026 Umsatz und bereinigten Gewinn je Aktie über den Erwartungen. Der Umsatz lag bei 22,19 Milliarden Dollar, der Konsens bei 22,13 Milliarden. Trotzdem reagierte der Markt mit einem Ausverkauf.
Der Grund: Broadcom prognostizierte für das dritte Quartal KI-Chip-Umsätze von 16 Milliarden Dollar. Analysten hatten 17,2 Milliarden erwartet. Obendrein hob das Unternehmen die Jahresprognose für KI-Halbleiter nicht an. Die Aktie verlor am 4. Juni 14 Prozent — und riss den gesamten Chip-Sektor mit.
Micron Technology fiel in den letzten beiden Handelstagen der Woche um 17 Prozent, AMD um 12,6 Prozent, Intel um 9 Prozent. Der Philadelphia SE Semiconductor Index erlitt seinen größten prozentualen Tagesverlust seit März 2020.
Starke Jobsdaten heizen die Stimmung an
Parallel dazu lieferte der US-Arbeitsmarkt einen zweiten Schlag. Im Mai entstanden 172.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft — mehr als doppelt so viele wie die erwarteten 80.000. Für Technologieaktien war das eine schlechte Nachricht: Ein robuster Arbeitsmarkt verringert den Druck auf die US-Notenbank, die Zinsen zu senken.
Wall Streets neunwöchige Gewinnserie endete abrupt. Technologiewerte verzeichneten ihren größten Tagesverlust seit April 2025. Ohsung Kwon, Chefstratege für Aktien bei Wells Fargo, ordnete die Reaktion nüchtern ein: „Die Marktreaktion war heute eher durch Positionierung getrieben als durch Fundamentaldaten.“ Der Halbleitersektor sei schlicht überkauft gewesen — das Ende des Bullenmarkts sehe er darin nicht.
Top-Positionen unter Druck
Der ETF bildet den MarketVector US Listed Semiconductor 10% Capped Screened Index ab. Größte Position ist Micron Technology mit einem Anteil von 14,11 Prozent, gefolgt von AMD mit 11,90 Prozent und ASML auf Rang drei. Alle drei gehörten zu den größten Verlierern der Woche — und erklären damit den Großteil des ETF-Rückgangs.
Die strukturelle These rund um Micron bleibt intakt. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben seine gesamte HBM-Produktionskapazität bereits bis Ende 2026 vorverkauft. Der sogenannte „Memory Crunch“ — die strukturelle Knappheit an KI-Speicherchips — dürfte mehrere Kernpositionen des ETF begünstigen.
Konsolidierung nach außergewöhnlichem Lauf
Der aktuelle Rücksetzer relativiert sich im Jahresvergleich erheblich. Vor zwölf Monaten notierte der ETF noch bei rund 38 Euro — das 52-Wochen-Tief. Seitdem hat er sich mehr als verdoppelt. Das Jahreshoch von 102,98 Euro wurde erst am 3. Juni markiert, also unmittelbar vor dem Ausverkauf.
Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 78,45 Euro. Mit dem aktuellen Kurs von 92,04 Euro handelt der ETF noch immer deutlich über diesem Niveau. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 46,22 Prozent zeigt allerdings, wie viel Schwankungsbreite Anleger in diesem Segment einkalkulieren müssen.
Das Gesamtvermögen des Fonds beläuft sich auf 8,1 Milliarden Dollar. Die laufenden Kosten betragen 0,35 Prozent pro Jahr. Erträge schüttet der ETF nicht aus — er reinvestiert sie automatisch.
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