Rheinmetall Aktie: Analysten nennen Überreaktion

Trotz historischem Kurssturz von 19 Prozent nach verlorenem Marine-Auftrag raten die meisten Analysten weiterhin zum Kauf der Aktie.

Dieter Jaworski ·
Rheinmetall Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Schlimmster Kurseinbruch seit 25 Jahren
  • Verlust von zehn Milliarden Euro Marktwert
  • Analysten bestätigen mehrheitlich Kaufempfehlung
  • Management-Glaubwürdigkeit nach Falschaussage beschädigt

Ein historischer Kurssturz, ein verlorener Flottenauftrag — und trotzdem raten die meisten Analysten zum Kauf. Dieser Widerspruch prägt die aktuelle Lage bei Rheinmetall.

Mittwoch war ein schwarzer Tag: Die Aktie brach um knapp 19 Prozent ein, der schlimmste Handelstag seit über einem Vierteljahrhundert. Auslöser war die Entscheidung der Bundesregierung, das F126-Fregatten-Programm zu stoppen und den Auftrag für acht kleinere Meko A-200-Fregatten an TKMS zu vergeben — nicht an Rheinmetall, das eigens den Schiffbauer NVL übernommen hatte, um im Marine-Geschäft Fuß zu fassen. Die Marktkapitalisierung des Düsseldorfer Konzerns sank an einem einzigen Tag um rund zehn Milliarden Euro auf 44 Milliarden Euro.

Kursrutsch weit größer als der tatsächliche Schaden

Unisono halten Analysten die Kursreaktion für übertrieben. Citigroup-Analyst Charles Armitage machte das deutlich: Der Marktwertverlust liege weit über den tatsächlich entgangenen Gewinnen des stornierten Auftrags. DZ-Bank-Experte Holger Schmidt bezifferte den operativen Gewinnbeitrag des Deals auf insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro — verteilt über viele Jahre. Sein Kommentar: Der verlorene Deal „tut weh, ist aber kein Schiffbruch“. Er senkte seinen fairen Wert auf 1.705 Euro, bekräftigte aber seine Kaufempfehlung.

Jefferies-Analystin Chloe Lemarie folgt derselben Logik, zieht daraus jedoch schärfere Schlüsse für die Branche. Das Vertrauen in die deutsche Beschaffungspolitik sei erschüttert. Ihr Kursziel fiel um fast ein Drittel auf 1.300 Euro — Kaufempfehlung trotzdem aufrechterhalten.

Am stärksten korrigierte Morgan Stanley: Marie-Ange Riggio kappte ihr Kursziel von 2.500 auf 1.750 Euro und strich Rheinmetall vom Status des Branchenfavoriten. Warburg Research senkte auf 1.500 Euro, betonte aber ein zusätzliches Problem: Das Management hatte Investoren kurz vor der Entscheidung noch versichert, ein Vertragsabschluss stehe unmittelbar bevor. Dieses Glaubwürdigkeitsproblem dürfte das Vertrauen längerfristig belasten.

Quartalszahlen hatten schon gedrückt

Das schwache operative Umfeld macht die Lage komplizierter. Das jüngste Quartal enttäuschte bereits: Gewinn je Aktie und Umsatz lagen deutlich unter den Erwartungen des Marktes. Der Fregattenschock traf eine Aktie, die ohnehin wenig Puffer hatte.

Seit ihrem 52-Wochen-Hoch von über 2.000 Euro hat die Aktie inzwischen mehr als die Hälfte ihres Werts verloren. Auch am Donnerstag fand sie zunächst keinen stabilen Boden und unterschritt zeitweise ihr Vortagstief. Ein Aufsichtsratsmitglied nutzte den Kurseinbruch für einen Insiderkauf — ein Signal, das die anhaltenden Verkäufe jedoch nicht stoppen konnte.

Die Analysten-Kursziele klaffen weit auseinander: von 1.300 Euro bei Jefferies bis 1.750 Euro bei Morgan Stanley. Dieser Spread zeigt, wie unterschiedlich der Markt die mittel- bis langfristigen Wachstumsaussichten des Konzerns nach dem Marine-Rückschlag einschätzt. Klar ist: Rheinmetalls Ambitionen im Schiffbau müssen vorerst neu bewertet werden — und das Management steht unter Druck, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

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Rheinmetall Aktie

946,80 EUR

– 2,20 EUR -0,23 %
KGV 41,70
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,98 %
Marktkapitalisierung 44,07 Mrd. EUR
ISIN: DE0007030009 WKN: 703000

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