Xiaomi: 1,45 Milliarden Aktien leerverkauft
Hohe Leerverkaufspositionen und steigende Chipkosten setzen Xiaomi unter Druck, während ein Aktienrückkaufprogramm stabilisierend wirkt.

Kurz zusammengefasst
- 1,45 Milliarden Aktien leerverkauft
- Kursrutsch um 5,5 Prozent am Donnerstag
- Qualcomm erhöht Prozessorpreise ab September
- Xiaomi hebt Auslieferungsziel auf 110 Millionen an
Xiaomi-Aktien im Wert von 1,45 Milliarden Stück liegen aktuell leerverkauft in den Büchern der Hongkonger Börsenaufsicht. Diese Zahl bekommt neues Gewicht, seit die Aktie am Donnerstag um 5,50 Prozent auf 3,40 Euro einbrach. Shortseller wetten damit in großem Stil auf weiter fallende Kurse – ausgerechnet in einer Phase, in der das Papier zuletzt kräftig zugelegt hatte.
Zwischen Rally und Rückschlag
Der Kursverlauf der letzten Wochen zeigt starke Gegensätze. Über 30 Tage steht ein Plus von 37,57 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn bleibt dennoch ein Minus von 21,43 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch aus dem September 2025 ist die Aktie noch immer 47,73 Prozent entfernt.
Genau in diesem Spannungsfeld positionieren sich die Shortseller. Analysten des Marktbeobachtungsdienstes von FinanzNachrichten.de weisen darauf hin: Bei guten Nachrichten könnte die hohe Short-Quote der Aktie zusätzlichen Auftrieb verleihen. Shortseller müssten dann ihre Positionen eindecken und selbst kaufen. Das würde die Kursausschläge in beide Richtungen verstärken.
Chipkosten belasten das Kerngeschäft
Hinter der Nervosität steckt eine angespannte Lage im Smartphone-Geschäft. Ab September will Qualcomm seine Snapdragon-Prozessoren im zweistelligen Prozentbereich teurer machen. Das trifft Xiaomi kurz vor der Einführung eines neuen Flaggschiff-Modells im Herbst.
Besonders betroffen sind die günstigeren Modelle. Bei ihnen machen Speicherbausteine mittlerweile rund 60 Prozent der Produktionskosten aus. Trotzdem fährt Xiaomi eine aggressive Wachstumsstrategie: Der Konzern hat sein Auslieferungsziel für 2026 von rund 90 Millionen auf 110 Millionen Smartphones angehoben. Der Großteil des zusätzlichen Volumens soll aus den günstigeren Segmenten kommen – genau dort, wo die Speicherpreise am stärksten drücken.
Rückkaufprogramm als Gegengewicht
Parallel zur volatilen Kursentwicklung hält Xiaomi an seinem Aktienrückkauf fest. Zwischen dem 3. Juni und dem 15. Juli kaufte der Konzern in vierzehn Tranchen eigene Aktien zurück, anfangs zu rund 28,65 Hongkong-Dollar, zuletzt zu rund 25,82 Hongkong-Dollar. Unter dem im Juni beschlossenen Mandat hat Xiaomi damit bislang rund 79,8 Millionen Aktien eingesammelt, das entspricht 0,31 Prozent aller Anteile.
Zusätzlichen Rückenwind lieferte zuletzt der Börsengang des Speicherchip-Herstellers CXMT, an dem Xiaomi als früher Investor beteiligt ist. Der Buchwert dieser Beteiligung dürfte durch den Kurssprung des Börsenneulings gestiegen sein. Einen unmittelbaren Mittelzufluss bringt das aber nicht – die Beteiligung wurde weder in ihrer Größe beziffert noch verkauft.
Entscheidung im dritten Quartal
Mit einem RSI von 65,1 und einer annualisierten Volatilität von 57,02 Prozent bleibt Xiaomi ein Nervositätsbarometer. Ob sich die hohe Short-Quote als Belastung oder als Kurstreiber erweist, entscheidet sich an den kommenden Quartalszahlen. Konkret geht es um die Frage, wie stark die steigenden Chip- und Speicherkosten die Margen im dritten Quartal drücken werden.
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