Xiaomi Aktie: 185.000 Autos in H1 verfehlen Zielkurs
Xiaomi verfehlt bei Umsatz und Gewinn die Erwartungen; Analysten sehen Risiken im verlustreichen Autogeschäft und begrenztes Kurspotenzial.

Kurz zusammengefasst
- Astrada Advisors senkt Xiaomi auf Hold
- Auslieferungsziel für 2026 gerät unter Druck
- Autosegment wächst trotz operativer Verluste
- Smartphone-Geschäft verliert deutlich an Volumen
Zwei Wochen nach den Quartalszahlen hat sich Xiaomi um zehn Prozent erholt. Für mich ist das aber kein Grund zur Entwarnung – im Gegenteil: Die eigentliche Schwachstelle der Story liegt nicht im Smartphone-Geschäft, sondern im Auto-Segment. Und dort mehren sich die Zweifel.
Die EV-Ambitionen geraten ins Wanken
Der Analyst Astrada Advisors stufte Xiaomi am 21. August von „Buy“ auf „Hold“ zurück. Die Begründung überzeugt mich: Xiaomi hatte sich für 2026 ein Auslieferungsziel von 550.000 Fahrzeugen gesetzt.
In der ersten Jahreshälfte kamen aber nur 185.000 Einheiten zusammen – die monatlichen Raten liegen deutlich unter dem, was zur Zielerreichung nötig wäre. Das neue Modell Sky Nomad, ein EREV-SUV, soll das Problem der Reichweitenangst lösern und die Lücke schließen. Ob das reicht, um binnen weniger Monate aufzuholen, halte ich für fraglich.
Bemerkenswert ist der Blick auf die Bewertung: Der Analyst sieht bei einem Kursziel von 3,35 bis 4,07 US-Dollar nur noch rund zehn Prozent Aufwärtspotenzial, bei einem Multiple von 14,8x auf die erwarteten Gewinne. Das ist keine dramatische Abstufung, aber sie markiert einen Stimmungswechsel – weg von der ungebremsten Wachstumsstory, hin zu nüchterner Bestandsaufnahme.
Was die Zahlen wirklich zeigen
Die Quartalszahlen vom 18. August liefern den Kontext dazu. Der Umsatz sank um 6,1 Prozent auf 108,922 Milliarden Yuan, der bereinigte Nettogewinn brach sogar um 42,6 Prozent auf 6,22 Milliarden Yuan ein. Die Bruttomarge verfehlte mit 19,8 Prozent die Erwartung von 20,4 Prozent.
Im Kerngeschäft Smartphones gingen die Auslieferungen um 26,5 Prozent auf 31,2 Millionen Einheiten zurück, wenngleich der durchschnittliche Verkaufspreis um 26 Prozent zulegte – ein Hinweis darauf, dass Xiaomi sich stärker im Premium-Segment positioniert, aber Marktanteile abgibt.
Das EV-Segment wuchs zwar um 17,1 Prozent auf 25,3 Milliarden Yuan Umsatz, schrieb aber weiterhin einen operativen Verlust von 2,6 Milliarden Yuan. Auch das IoT-Geschäft schwächelte mit einem Rückgang von 19,2 Prozent. Für mich ergibt sich daraus ein gemischtes Bild: Das einzige Segment mit echtem Wachstum – die Autosparte – ist zugleich das verlustreichste und nun auch operativ unter Druck geraten, weil die Auslieferungsziele wackeln.
Der Analyst von Nomura bestätigte am 19. August sein „Neutral“-Rating und lobte zumindest, dass der Umsatz leicht über der Konsensschätzung von 108,325 Milliarden Yuan lag. Das relativiert die Schwäche etwas, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Diagnose: Die Marge leidet, und das Wachstumssegment bleibt ein Verlustbringer.
Was der Kurs dazu sagt
Am Freitag schloss die Aktie bei 3,07 Euro, ein Plus von 2,4 Prozent. Einen konkreten Auslöser dafür kann ich nicht erkennen – es dürfte sich eher um eine technische Gegenbewegung handeln, denn der Kurs bewegt sich nahe am 50-Tage-Durchschnitt von 2,92 Euro.
Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Minus von 15 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 29 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 6,54 Euro, erreicht im September vergangenen Jahres, klafft weiterhin eine Lücke von 53 Prozent.
Diese Diskrepanz zwischen kurzfristiger Erholung und langfristigem Abschlag spricht für mich Bände: Der Markt hat die Substanzprobleme im EV-Geschäft noch nicht vollständig eingepreist, reagiert aber auch nicht mehr blind euphorisch auf jede Ankündigung neuer Modelle wie zuletzt die SUVs N90 und N70.
Mein Fazit
Xiaomi bleibt für mich ein Unternehmen mit zwei Geschwindigkeiten: ein reifes, aber schrumpfendes Smartphone-Geschäft und ein ambitioniertes, aber operativ noch unrentables Auto-Geschäft, dessen Wachstumsversprechen erste Risse zeigt.
Die Herabstufung durch Astrada Advisors trifft für mich den Kern des Problems genauer als die Kursreaktion vom Freitag. Wer auf die Auto-Strategie als nächsten großen Kurstreiber setzt, sollte die Auslieferungszahlen der kommenden Monate genau beobachten – sie werden zeigen, ob Sky Nomad das Zielversprechen noch retten kann.
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