Xiaomi Aktie: SU7 überschreitet 500.000-Auslieferungen

Xiaomis Quartalszahlen zeigen Gewinneinbruch durch Speicherchip-Preise, während die E-Auto-Sparte stark wächst. Analysten sehen Kurseinbruch als übertrieben.

Dieter Jaworski ·
Modernes Elektrofahrzeug auf einer urbanen Schnellstraße bei Sonnenuntergang als Symbol für Automobilinnovation. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Smartphone-Marge sinkt wegen Chipkosten
  • E-Auto-Auslieferungen steigen um 28 Prozent
  • SU7 erreicht 500.000 Auslieferungen
  • Aktie fällt trotz solider E-Auto-Zahlen

Xiaomi hat heute Zahlen vorgelegt, die auf den ersten Blick nach Krise aussehen – und die Aktie reagiert entsprechend nervös. Für mich ist das aber die falsche Reaktion, oder zumindest eine unvollständige. Wer nur auf den bereinigten Nettogewinn schaut, der im zweiten Quartal um 42,6 Prozent auf 6,2 Milliarden Yuan eingebrochen ist, sieht nur die halbe Wahrheit.

Die Zahlen sind hart, aber erklärbar

Der Umsatz sank um 6,1 Prozent auf 108,9 Milliarden Yuan, das Smartphone-Geschäft mit einem Rückgang der Auslieferungen um 26,5 Prozent auf 31,2 Millionen Geräte. Die Bruttomarge im Handygeschäft fiel von 11,5 auf 8,5 Prozent.

Der Grund dafür liegt nicht in nachlassender Nachfrage nach Xiaomi-Geräten, sondern in explodierenden Speicherchip-Preisen, die derzeit die gesamte Branche treffen. Das ist ein zyklisches, kein strukturelles Problem – und genau das unterscheidet diese Bilanz von einer echten Wachstumskrise.

Zugleich wächst das Auto-Geschäft munter weiter: Die EV/KI-Sparte legte im Umsatz um 17,1 Prozent auf 24,9 Milliarden Yuan zu, die Auslieferungen stiegen um 28,2 Prozent auf 104.199 Fahrzeuge.

Dass diese Sparte operativ noch 2,6 Milliarden Yuan Verlust schreibt, überrascht mich nicht – jedes Unternehmen, das in einem neuen, kapitalintensiven Feld wie Elektromobilität Fuß fassen will, zahlt zunächst drauf. Die Frage ist, ob die Investition sich lohnt. Und hier spricht für mich vieles dafür.

SU7 als Beweis, dass die Strategie trägt

Xiaomi hat mittlerweile mehr als 500.000 Einheiten des Elektroautos SU7 ausgeliefert – ein Meilenstein, den kein anderes chinesisches E-Auto-Modell oberhalb der Marke von 200.000 Yuan Kaufpreis bislang in vergleichbarer Zeit erreicht hat. Im Juli entfielen 67,3 Prozent der EV-Auslieferungen auf das SU7-Modell.

Für mich ist das der eigentliche Beleg dafür, dass Xiaomis „Human x Car x Home“-Strategie kein Marketing-Slogan bleibt, sondern operative Substanz gewinnt. Das Unternehmen hat zudem angekündigt, ab September mit dem SkyNomad-SUV ein weiteres Modell nachzuschieben, und plant den Einstieg in den europäischen EV-Markt ab 2027.

Skeptisch stimmt mich allerdings das Tempo, das nötig wäre, um das Jahresziel von 550.000 Gesamtauslieferungen zu erreichen: In den ersten sieben Monaten kamen SU7 und YU7 zusammen auf gut 216.000 Einheiten. Um das Ziel zu erreichen, müsste Xiaomi künftig mehr als doppelt so schnell liefern wie zuletzt. Das ist ambitioniert, und ich würde diese Zielmarke mit einem Fragezeichen versehen.

Was die Kursreaktion über die Stimmung verrät

Die Aktie notiert aktuell bei 2,72 Euro und hat allein heute 5,2 Prozent verloren. Das zeigt, wie nervös der Markt auf die Margenschwäche im Kerngeschäft reagiert, obwohl das Wachstumssegment Auto solide Zahlen liefert.

Seit dem 52-Wochen-Hoch von 6,54 Euro im September vergangenen Jahres hat das Papier über die Hälfte seines Wertes eingebüßt – ein Ausmaß, das für mich weniger die operative Realität als vielmehr eine deutliche Neubewertung des Marktes gegenüber chinesischen Tech-Werten insgesamt widerspiegelt.

Für die langfristige Substanz spricht aus meiner Sicht, dass Xiaomi trotz der Gewinnschmelze weiter kräftig in Forschung investiert – die F&E-Ausgaben stiegen um 18,9 Prozent auf 9,2 Milliarden Yuan – und mit einer Barreserve von über 219 Milliarden Yuan finanziell keineswegs unter Druck steht. Ein Aktienrückkaufprogramm von 20 Milliarden Hongkong-Dollar signalisiert zudem, dass das Management die eigene Aktie für unterbewertet hält.

Mein Fazit

Unterm Strich sehe ich bei Xiaomi zwei gegenläufige Geschichten: ein margenschwaches, aber strukturell intaktes Smartphone-Geschäft, das unter temporären Chip-Kosten leidet, und ein Auto-Geschäft, das schneller wächst, als viele erwartet hätten, aber noch tief in den roten Zahlen steckt.

Die Kursreaktion heute wirkt für mich übertrieben pessimistisch angesichts der operativen Fortschritte bei den E-Autos. Wer an die „Human x Car x Home“-Strategie glaubt, dürfte die aktuelle Schwäche eher als Wachstumsschmerz denn als Warnsignal einordnen. Ob sich das ambitionierte Auslieferungsziel für 2026 tatsächlich erreichen lässt, bleibt für mich der entscheidende Prüfstein der kommenden Monate.

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Xiaomi Aktie

2,84 EUR

– 0,05 EUR -1,83 %
KGV 18,20
Sektor Technologie
Div.-Rendite
Marktkapitalisierung 89,80 Mrd. USD
Ø Kursziel 31,30 CNY
ISIN: KYG9830T1067 WKN: A2JNY1

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