Xiaomi Aktie: Wettlauf zwischen Smartphone und E-Auto
Xiaomi kämpft mit schrumpfenden Smartphone-Marktanteilen und steigenden Chipkosten, während der Erfolg der E-Auto-Sparte über die Kursentwicklung entscheiden dürfte.
Kurz zusammengefasst
- Smartphone-Marktanteil fällt auf elf Prozent
- E-Auto-Ziel: 550.000 Auslieferungen für 2026
- Operativer Verlust in der EV-Sparte
- Aktienrückkaufprogramm läuft seit Juni
Sinkende Marktanteile im Smartphone-Geschäft, ambitionierte Ziele beim E-Auto: Bei Xiaomi ringen zwei gegensätzliche Kräfte um die Deutungshoheit über den Kurs. Die Aktie notiert bei 3,01 Euro und verliert am Freitag 1,83 Prozent. Ein Branchenbericht des Marktforschers Omdia liefert den aktuellen Anlass — und bestätigt ein strukturelles Problem.
Marktanteil schrumpft, Speicherchips verteuern sich
Omdia bestätigt: Xiaomi verteidigt Platz drei im globalen Smartphone-Ranking. Der Marktanteil sinkt aber von 15 auf 11 Prozent. Samsung bleibt mit 22 Prozent die Nummer eins, gestützt durch starke Lieferverfügbarkeit.
Verschärfend kommt der Speicherchip-Markt hinzu. Bei Budget-Geräten machen Speicher und Storage inzwischen über 60 Prozent der Materialkosten aus, bei High-End-Modellen über 30 Prozent. Laut Omdia dürften sich die Preise erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 entspannen.
Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 zeigen die Folgen. Xiaomi erzielte einen Konzernumsatz von 99,1 Milliarden Yuan bei einer Bruttomarge von 22,0 Prozent. Der bereinigte Nettogewinn lag bei 6,1 Milliarden Yuan. Die Smartphone-Sparte trug mit 44,3 Milliarden Yuan noch immer fast die Hälfte zum Umsatz bei. Geopolitische Unsicherheit, höhere Komponentenkosten und starker Wettbewerb drückten operativen Gewinn und Nettogewinn im Jahresvergleich deutlich.
Parallel läuft ein Aktienrückkaufprogramm. Das Management kauft seit Anfang Juni mehrere Tranchen eigener Aktien und signalisiert damit Vertrauen in die Bewertung. Xiaomi betont aber selbst, dass Zeitpunkt und Umfang künftiger Käufe nicht garantiert sind.
Die entscheidende Kennzahl: 60.000 Fahrzeuge pro Monat
Ob sich die Aktie aus der Schwäche löst, hängt maßgeblich vom Tempo der E-Auto-Sparte ab. Xiaomi hat für 2026 ein Ziel von 550.000 ausgelieferten Fahrzeugen ausgegeben. In der ersten Jahreshälfte kamen aber erst 185.055 Fahrzeuge zusammen.
Damit müssten die monatlichen Auslieferungen im zweiten Halbjahr auf rund 60.000 Einheiten steigen. Das liegt deutlich über dem bisherigen Niveau. Ob die Beschleunigung gelingt, während das Smartphone-Geschäft schrumpft, entscheidet maßgeblich über den weiteren Kursverlauf.
Das bullische Argument: Neue Modelle, anziehende Auslieferungen
Die jüngste Dynamik macht Hoffnung. Im Juni lieferte Xiaomi EV 34.738 Fahrzeuge aus, ein Plus von 36,45 Prozent zum Vorjahr. Es war bereits der dritte Monat in Folge über 30.000 Einheiten. Das Modell YU7 legte nach fünf schwachen Monaten wieder um fast 64 Prozent zu.
Zusätzlichen Schub soll ein neues Modell bringen. Xiaomi hat den Namen „Sky Nomad“ für sein erstes Extended-Range-SUV bestätigt. Das Fahrzeug soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 starten und direkt gegen Li Auto sowie die Huawei-gestützte Marke Aito antreten.
Auch abseits von Smartphones und Autos gibt es stabile Erträge. Die Internet-Services steuerten 9,5 Milliarden Yuan bei, ein Plus von 4,3 Prozent zum Vorjahr. Das laufende Rückkaufprogramm unterstreicht zusätzlich das Vertrauen des Managements — der Kurs sprang zeitweise deutlich über die durchschnittlichen Einstandspreise der Käufe.
Das bärische Argument: Verluste im Kerngeschäft, Konkurrenz erstarkt
Das Gegenargument stützt sich auf belegte Zahlen, nicht auf Stimmung. Samsungs Galaxy-S26-Serie kam verspätet auf den Markt und verschob Nachfrage ins zweite Quartal. Zugleich machte Samsung im Budget-Segment Boden gut, weil chinesische Rivalen ihre Produktlinien reduzierten und Preise anhoben.
Apple verschärft den Druck zusätzlich. Der Konzern steigerte seinen Marktanteil im zweiten Quartal 2026 auf ein Rekordniveau von 20 Prozent, getragen von einem besonders starken iPhone-Zyklus. Der gesamte Sektor steht unter Druck — Xiaomi trifft es im margenschwachen Budget-Segment potenziell härter als Premium-Anbieter.
Auch das E-Auto-Geschäft liefert noch keinen Gewinn. Das Innovationssegment, zu dem die EV-Sparte zählt, verzeichnete im ersten Quartal einen operativen Verlust von 3,1 Milliarden Yuan. Analysten rechnen bei einem Smartphone-Umsatzrückgang von 10 Prozent im Jahresvergleich mit einem eher abwärtsgerichteten Ausblick für die kommende Berichtssaison.
Ausblick: Zwei Kräfte, ein Prüfstein
Charttechnisch zeigt sich das Spannungsfeld deutlich. Der Kurs liegt 21,28 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 3,82 Euro — ein klares Zeichen für den mittelfristigen Abwärtstrend. Erst Ende Juni markierte die Aktie mit 2,34 Euro ein neues 52-Wochen-Tief, von dem sie sich seither leicht erholt hat.
Hält der Marktanteilsverlust an und bleibt die Speicherchip-Krise ungelöst, dürfte der Margendruck bestehen bleiben. Omdia erwartet für die kommenden zwei Quartale sogar schärfere Volumenrückgänge, weil saisonale Nachfragespitzen auf ein knappes Speicherchip-Angebot treffen.
Beschleunigt sich dagegen die Auslieferung Richtung des 550.000-Fahrzeuge-Ziels, oder entspannt sich die Lage bei Speicherchips früher als erwartet, könnte sich das Chance-Risiko-Verhältnis merklich verbessern. Der nächste Prüfstein ist der kommende Quartalsbericht. Xiaomi hat den genauen Termin noch nicht bestätigt, er wird aber im dritten Quartal 2026 erwartet und dürfte zeigen, ob die Speicherchipkosten die Margen weiter in ähnlichem Ausmaß belasten.
Xiaomi-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Xiaomi-Analyse vom 17. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Xiaomi-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Xiaomi-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 17. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Xiaomi: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...