Xiaomi Aktie: Xring O3 im 3-Nanometer-Verfahren vorgestellt
Xiaomi stellt mit dem Xring O3 den ersten eigenen 3nm-Prozessor vor. Der Schritt zielt darauf ab, die Abhängigkeit von Qualcomm und MediaTek zu reduzieren und die Margen zu verbessern.

Kurz zusammengefasst
- Erster hauseigener 3nm-Chip vorgestellt
- Gewinnrückgang um 42,6 Prozent im Q2
- Chipstrategie soll Zulieferabhängigkeit verringern
- Neuer Mini-PC-Prototyp AI Cube präsentiert
Xiaomi hat heute den Schleier gelüftet: „Xring O3“ heißt der erste hauseigene 3-Nanometer-KI-Prozessor des Konzerns, gefertigt bei TSMC. Für mich ist das der eigentliche Wendepunkt dieses Sommers – wichtiger als die Quartalszahlen vor gut einer Woche, wichtiger als jede Rückkauf-Meldung.
Warum? Weil Xiaomi mit diesem Schritt versucht, sich aus der Abhängigkeit von Qualcomm und MediaTek zu lösen – ausgerechnet in einem Umfeld, in dem gestiegene Chipkosten den Konzern zuletzt am stärksten belastet haben. Der bereinigte Nettogewinn brach im zweiten Quartal um 42,6 Prozent auf 6,2 Milliarden Renminbi ein, während der Umsatz um 6,1 Prozent auf 108,9 Milliarden Renminbi sank.
Wer eigene Chips baut, entzieht sich zumindest teilweise der Preissetzungsmacht externer Zulieferer. Das ist eine strategische Wette, keine Garantie – aber sie adressiert genau das Problem, das die Bilanz zuletzt am meisten belastet hat.
Der AI Cube zeigt, wohin die Reise geht
Parallel zur Chip-Vorstellung präsentierte Xiaomi heute auch den „AI Cube“, einen Mini-PC-Prototypen, der die Chipsätze Xring O3, O100 und D100 kombiniert und KI-Modelle mit bis zu 200 Milliarden Parametern lokal ausführen soll.
Für mich liest sich das wie eine Ansage: Xiaomi will nicht länger nur Smartphone-Hersteller sein, sondern eine eigene Silizium-Basis für ein ganzes Ökosystem aus Telefonen, PCs und irgendwann wohl auch Fahrzeugen schaffen. Ob das gelingt, hängt entscheidend davon ab, ob die Serienfertigung die Leistungsdaten der Vorstellung bestätigt – dazu gibt es bislang keine unabhängige Bestätigung.
Bemerkenswert finde ich, dass Konzernpräsident Lu Weibing bereits am 19. August, also noch vor der Chip-Präsentation, den Marktstart der neuen Elektrofahrzeug-Serie „Pengcheng“ sowie neuer Flaggschiff-Smartphones für das zweite Halbjahr angekündigt hatte. Die Chip-Enthüllung fügt sich damit in eine bereits skizzierte Produktoffensive ein, sie ist kein Zufallstreffer.
Die Zahlen zeigen ein zweigeteiltes Bild
Wer nur auf den Gewinneinbruch schaut, übersieht die Gegenbewegung im Kerngeschäft: Im Smartphone-Segment gelang laut einer Analyse von Seeking Alpha vom 20. August eine Steigerung des durchschnittlichen Verkaufspreises um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ein Beleg dafür, dass die Premium-Strategie greift.
Gleichzeitig verringerten sich die Verluste im EV-Segment, obwohl hohe Speicherkosten belasteten. Das Segment „Smart EV, KI und neue Initiativen“ kam im zweiten Quartal auf einen Umsatz von 24,9 Milliarden Renminbi bei 104.199 ausgelieferten Fahrzeugen, der operative Verlust der Sparte lag bei 2,6 Milliarden Renminbi.
Am 17. August meldete Xiaomi zudem, dass die kumulierten Auslieferungen der Elektro-Limousine SU7 die Marke von 500.000 Einheiten überschritten haben – ein Meilenstein, der zeigt, dass das EV-Geschäft trotz der Verluste an Substanz gewinnt.
Für mich ergibt sich daraus ein Bild von zwei Baustellen, die sich gegenseitig stützen: Das Smartphone-Geschäft finanziert die margenschwache EV-Sparte, während die neue Chip-Strategie beide Bereiche langfristig unabhängiger von Fremdkosten machen soll. Das ist ambitioniert, aber es ist eine kohärente Logik.
Was die Kursbewegung der letzten Tage bedeutet
Die Aktie hat sich in den vergangenen sieben Handelstagen um 9,2 Prozent erholt, notiert aktuell bei 3,05 Euro und damit klar über dem 50-Tage-Durchschnitt von 2,90 Euro.
Zugleich bleibt der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 3,58 Euro mit 15 Prozent im Minus deutlich – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Optimismus den langfristigen Abwärtstrend seit dem 52-Wochen-Hoch von 6,54 Euro im September 2025 bislang nicht durchbrochen hat.
Im September soll mit dem „Xiaomi 18 Fold“ das erste Gerät mit dem neuen Xring O3 Prozessor auf den Markt kommen. Dieser Termin dürfte zum eigentlichen Prüfstein werden: Erst wenn ein Serienprodukt die Leistungsversprechen der heutigen Präsentation einlöst, wird sich zeigen, ob Xiaomi tatsächlich den Sprung vom Zulieferer-abhängigen Hersteller zum vertikal integrierten Technologiekonzern schafft.
Unterm Strich sehe ich in der Chip-Strategie den plausibelsten Hebel, um die margenschwache Ausgangslage zu drehen – die Volatilität von 61 Prozent auf 30-Tage-Basis zeigt aber, dass der Markt diese Wette noch längst nicht eingepreist hat.
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