Xiaomi vor der Produktoffensive: Entscheidet sich an der Marge das nächste Kapitel?

Xiaomi bringt neue Smartphones und EREV-SUVs, während Bernstein das Kursziel reduziert. Steigende Kosten belasten Margen und Nachfrage.

Redaktion Stock-World ·
Moderne, technologische Fertigungslinie in einer Fabrik für Unterhaltungselektronik bei atmosphärischer Beleuchtung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Bernstein reduziert Xiaomi-Kursziel auf 38 Hongkong-Dollar
  • Neue Geräte und SUV-Reihe am 7. September
  • Smartphone-Preise steigen um bis zu 1.000 Yuan
  • August-Auslieferungen übertreffen 30.000 Fahrzeuge

Ausgangslage

Xiaomi steuert auf einen dichten September zu. Am 7. September will das Unternehmen auf einer Herbst-Veranstaltung in Peking gleich mehrere Neuheiten vorstellen: die EREV-SUV-Reihe Sky Nomad mit den Modellen N70 Pro, N70 Max und N90 Max, das faltbare Xiaomi 18 Fold mit dem hauseigenen Xring-O3-Chip sowie das Pad 9 Pro Max.

Parallel dazu hat Xiaomi wie Huawei und Honor zum 1. September die Preise für Smartphones angehoben – um bis zu 1.000 Yuan. Grund sind laut Marktbeobachtern von Counterpoint um mehr als 80 Prozent gestiegene Speicherkosten im zweiten Quartal.

Genau in dieser Gemengelage aus Kostendruck und Produktoffensive senkte das Analysehaus Bernstein am Dienstag sein Kursziel für Xiaomi von 43 auf 38 Hongkong-Dollar, beließ das Rating jedoch bei „Outperform“.

Die Aktie notiert am Dienstag bei 3,04 Euro, moderat im Rahmen der jüngsten Schwankungsbreite. Der Zeitpunkt der Nachrichten ist deshalb heikel: Xiaomi muss zeigen, dass es höhere Bauteilkosten an Kunden weitergeben kann, ohne die Nachfrage nach seinen neuen Flaggschiffen zu gefährden.

Die entscheidende Frage

Im Zentrum steht eine einzige Kennzahl: die Marge im Smartphone- und EV-Geschäft angesichts der Speicherkostenexplosion. Bernstein bewertet Xiaomi aktuell mit dem 16-Fachen des für 2027 erwarteten Gewinns – deutlich unter dem historischen Durchschnitt von 25. Diese Bewertungslücke ist im Kern eine Wette darauf, ob Xiaomi die höheren Komponentenkosten über Preiserhöhungen und ein margenstärkeres Produktmix aus Premium-Smartphones und EREV-SUVs kompensieren kann.

Der IDC-Bericht, wonach die chinesischen Smartphone-Lieferungen im zweiten Quartal um 4,3 Prozent auf 66 Millionen Einheiten fielen, unterstreicht: Das Marktumfeld gibt kaum Rückenwind. Die Antwort auf diese Margenfrage dürfte maßgeblich bestimmen, ob sich die aktuelle Unterbewertung schließt oder zementiert.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht die Produktbreite. Mit dem Xring-O3-Chip, der laut Geekbench-Benchmarks im Vergleich zum Vorgänger Xring O1 einen Multi-Core-Sprung von rund 65 Prozent zeigt, demonstriert Xiaomi technologische Eigenständigkeit – ein Argument für höhere Margen im Premiumsegment.

Das Xiaomi 18 Fold soll mit einem Startpreis von umgerechnet rund 12.000 Yuan das erste Xiaomi-Smartphone jenseits dieser Preisschwelle werden. Im Automobilbereich meldete Xiaomi für August Auslieferungen von mehr als 30.000 Fahrzeugen, bei einem Jahresziel von 550.000 Einheiten.

Der neue YU7 GT mit rund 990 PS Systemleistung positioniert die Marke zusätzlich im Hochleistungssegment, was höhere Durchschnittserlöse pro Fahrzeug ermöglichen könnte. Bernstein hält trotz Kurszielsenkung am „Outperform“-Rating fest und sieht damit auf dem aktuellen Bewertungsniveau weiteres Potenzial, sollte die Produktoffensive die Erwartungen erfüllen.

Bärisches Szenario

Die Risikoseite ist ebenso konkret. Berichten zufolge haben Xiaomi, Oppo und Vivo ihre Lieferziele für das laufende Jahr um bis zu 30 Prozent gesenkt, begründet mit steigenden Kosten und Komponentenknappheit. Das signalisiert, dass die Preiserhöhungen vom 1. September nicht ausreichen könnten, um die Kostenlast vollständig aufzufangen – Xiaomi könnte stattdessen Absatzmengen opfern.

Im Automobilgeschäft wird der Wettbewerb schärfer: Waymo plant Robotaxi-Tests in München, Momenta verfügt bereits über eine landesweite Level-4-Zulassung in China und kooperiert mit Uber.

Der Automobilexperte Dudenhöffer sieht in Xiaomi zwar einen künftigen Wettbewerber für etablierte Hersteller wie BMW, doch das unterstreicht zugleich, wie kapitalintensiv und margenkritisch das EV-Geschäft für Xiaomi selbst bleibt.

Die annualisierte Volatilität der Aktie von 57 Prozent spiegelt diese Unsicherheit wider. Mit einem Kursabstand von 54 Prozent zum 52-Wochen-Hoch bei 6,54 Euro bleibt das Vertrauen der Anleger fragil.

Ausblick

Solange Xiaomi die Preiserhöhungen ohne spürbaren Absatzeinbruch durchsetzt und die Produktpremieren am 7. September auf positive Resonanz stoßen, dürfte die aktuelle Bewertung von historisch günstigem Niveau aus Aufwärtspotenzial bieten – im Sinne der Bernstein-Einschätzung.

Kippt hingegen die Nachfrage, weil Kunden auf günstigere Wettbewerber wie Honor oder Nubia ausweichen, oder verschärft sich der Preisdruck im EV-Segment durch neue Robotaxi-Konkurrenz, dürfte die Kurszielsenkung von Bernstein nur der Anfang einer Serie von Anpassungen sein.

Der nächste konkrete Prüfstein ist die Produktveranstaltung am 7. September, gefolgt von den ersten Verkaufszahlen der neuen Sky-Nomad-Modelle und des Xiaomi 18 Fold in den Wochen danach.

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